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Die guten alten Zeiten

„Path of Fire“ ist die zweite Erweiterung zu Guild Wars 2 nach fünf Jahren Hauptspiel. Sie führt uns nicht nur in alte Gebiete aus Guild Wars: Prophecies sondern auch aus Guild Wars: Nightfall. Zudem gibt es erstmals in dem Franchise Mounts. Doch wie gut die Erweiterung wird, das erfahrt ihr in unserem Test.

Fünf Jahre lang musste ich warten bis ich endlich einige alte Gegenden aus meiner Lieblingskampagne aus Guild Wars 1 betreten konnte. Natürlich handelt es sich hierbei um die Kampagne „Nightfall“, die mit der Derwisch-Klasse auch meine absolute Lieblingsklasse ins Spiel brachte. Eine neue Klasse gibt es in „Path of Fire“, der zweiten Erweiterung von Guild Wars 2, zwar nicht, aber dafür einige bekannte Orte aus dem Vorgänger, Mounts und einen neuen Gegner mit dem gefallenen Gott Balthasar.

 

Der Krieg gegen einen Gott beginnt

Nach dem Ende der Lebendigen Welt Staffel 3 heißt es nun Balthasar, der Gott des Krieges und des Feuers, aufzuhalten. Dieser will den Alt-Drachen Kralkatorrik töten, was ganz Tyria zerstören würde. Das möchte der Kommandeur, also der Spieler, mit seiner Gilde „Drachenwacht“ verhindern und reist gemeinsam mit Rytlock, Kasmeer und Canach in die Kristallwüste um sich gegen Balthasar zu stellen.

Die Story beginnt fulminant und bietet einige schöne und besonders unvorhergesehene Wendungen. Ohne Zweifel liefert ArenaNet mit der Geschichte die wohl beste Story aus Guild Wars 2 ab und bietet ein wunderbares Ende. Gleichzeitig geht der Geschichte im Mittelteil etwas die Puste aus, bis sich die Geschichte zum Ende hin wieder deutlich nach oben schraubt.

Neben einigen toll geschriebenen Dialogen muss man auch die Charaktere loben, sowohl die Verbündeten als auch die feindlich gesinnten. Die mitgereisten Mitglieder der Gilde liefern eine starke Performance ab und fügen sich hervorragend in die Geschichte ein und auch Feinde wie Balthasar ab auch Palawa Joko können überzeugen, besonders da der Gott des Krieges anders als die bisherigen Endgegner immer wieder auftaucht und sich gegen den Spieler stellt. Zhaitan oder Mordremoth taten das nicht, zumindest nicht persönlich. Spannende neue Charaktere, die nicht zuvor eingeführt wurden, gibt es aber kaum. Hier hat man etwas an Potenzial an einigen neuen Charakteren verschenkt.

Was die Gegnervielzahl angeht so kann man ArenaNet durchaus auf die Schultern klopfen. Sie ließen keine Möglichkeit aus und somit kämpft man nicht nur gegen Balthasars Armee sondern auch gegen die Gebrandmarkten von Kralkatorrik und auch die dritte große Fraktion, die Erweckten, die Armee von Palawa Joko, sind ebenfalls in der Wüste unterwegs. Wer also nach all dem Gestrüpp aus Heart of Thorns etwas mehr Abwechslung braucht, der ist hier Gold richtig.

 

Spring mein Hase!

Das große neue Feature in „Path of Fire“ sind ohne Zweifel die Mounts, auf die hat ArenaNet bisher immer verzichtet. Doch im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten sind die Mounts nicht nur einfache Fortbewegungsmittel um schneller von Punkt A nach Punkt B zukommen, sondern essenziell um in der Kristallwüste und Elona voranzukommen. Das erste Reittier, den Raptor, bekommen wir dabei bereits in der allerersten Storymission und wie jedes andere Mount auch, hat es eine einzigartige Fähigkeit, die zum erreichen neuer Orte genutzt werden kann. Während der Raptor sehr weit springen kann, kann der Springer, ein überdimensionaler großer Hase, sehr hoch springen. Der Schweberochen kann über den Boden gleiten und somit auch über Treibsand oder Schwefel. Der Schakal kann sich teleportieren und Sand-Portale nutzen. Zu guter letzt gibt es noch ein Premiumreittier und zwar den Greif, dieser wird eigentlich nicht wirklich benötigt um in der Spielwelt voranzukommen, dient aber als Statusobjekt und kann fliegen.

Genau wie der Gleitschirm aus Heart of Thorns kann man auch die Mounts in den alten Gebieten nutzen, was auch das Reisen in diesen Gebieten angenehmer und schneller macht, wenn man nicht zu oft die Wegmarken nutzen möchte.

Die Mounts sind ohne Zweifel eine große Bereicherung für das Spiel und um seine Mounts zu verbessern braucht man wie schon in Heart of Thorns Beherrschungspunkte, allerdings ist der Grind kein Vergleich zum Start von Heart of Thorns wenn es um Erfahrungspunkte geht, die man ebenfalls für das aufleveln braucht. Dieses Mal geht es deutlich schneller und geschieht hauptsächlich nebenbei. Erfahrungspunkte grinden ist nicht mehr angesagt und wer möchte kann auch sein Reittier einfärben, eine nette Dreingabe.

 

Endlich wieder nach Elona!

Die Rückkehr in die Kristallwüste und nach Elona hatte ich sehr lange herbeigesehnte und mit Path of Fire kommt man in einige alte Gebiete aus Guild Wars 1 zurück. Dass sich einiges in der Zeit verändert hat sollte jedem Guild Wars 1-Veteran klar sein, doch es gibt viele Orte die man wiedererkennen wird. Sei es Vaabi, der Knochenpalast oder Amnoon und es gibt noch viele mehr. Für mich war es eine reine Freude durch die fünf neuen Gebiete zu laufen und all die Orte erneut zu entdecken, die ich bereits in Guild Wars: Prophecies und Guild Wars: Nightfall sah.

Zudem sehen nicht nur die genannten Orte fantastisch aus, sondern auch die neuen Gebiete selbst sind eine Augenweide. Jedes Gebiet hat ein Alleinstellungsmerkmal und wurde fantastisch designt. Gerade wenn man es mit alten Gebieten wie Brisban-Wildnis oder Schneekuhlenhöhen vergleicht, verdeutlicht es noch einmal die pure Schönheit die die Kristallwüste und Elona ausstrahlen. Die neuen Gebiete laden einfach schon von der Optik zum Erkunden ein. Ich meine Guild Wars 2 war schon zum Launch eines der optisch hübschesten MMORPGs und Orte wie Amnoon verdeutlich nun diesen Status noch einmal enorm.

Ein Grund weshalb das Einführen der Mounts so sinnvoll war, ist auch weil es nur wenige Wegmarken gibt und die neuen Gebiete sehr weitläufig ausfallen. Statt in die Höhe und Tiefe zu gehen, wie bei Heart of Thorns, konzentrierte sich ArenaNet dieses mal wieder auf breitgefächerte Gebiete.

Bei all den optischen Eindrücken, die man in der Kristallwüste und Elona gewinnt, kann man als Spieler von Guild Wars 1 nur ins schwelgen kommen, doch selbst diejenigen, die nie den ersten Teil mit seinen Kampagnen gespielt haben, werden nicht vor den Kopf gestoßen.

Doch kommen wir auch einmal zu den neuen Gebieten an sich. Auf jeder Karte gibt es natürlich neue Sehenswürdigkeiten, Events und Co. und eine neue Art von Events sind neben den Wettrennen, mit den Reittieren, auch die Kopfgeldjagden. Natürlich gibt es auch massenhaft neue Erfolge. Neue Raids, Dungeons oder Fraktale gibt es bisher nicht. Doch mit der Lebendigen Welt Staffel 4 dürfte es davon auch Nachschub geben. Spieler von WvW und PvP gehen bisher allerdings auch noch leer aus.

 

Was wird mein Fachgebiet?

Die in Heart of Thorns eingeführten Elite-Spezialisierungen sind ebenfalls wieder für jede Klasse zurück. Eine neue Klasse oder sogar spielbare Rasse, wie z.B. die Tengus, gibt es leider mit dieser Erweiterung nicht. Doch die neuen Elite-Spezialisierungen passen bisher größtenteils hervorragend zu ihren Klassen, lediglich an der Balance muss ArenaNet noch etwas arbeiten. Im PvP und WvW beschweren sich schon genug Spieler an der großen Anzahl an Zusatzschaden, der auf sie einprasselt. Das sollte ArenaNet aber in den kommenden Patches  schon wieder in einigermaßen geregelte Bahnen lenken.

Wertung
Gameplay90
Story90
Inszenierung85
Genre-Wertung100
Visualisierung100
Sounddesign80
Bedienung90
Feedback95
Positiv
Mounts sinnvoll eingeführt
Die beste Story von ArenaNet seit GW: Nightfall
Wunderschöne Gebiete
Rückkehr nach Elona
Spannende neue Elite-Spezialisierungen
Negativ
Der 2. Akt schwächelt etwas
Keine neuen Raids, Dungeons oder Fraktale zum Launch
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Die guten alten Zeiten
Fazit
Für 30€ bietet „Path of Fire“ viel für sein Geld. Wer Guild Wars 2 liebt, besonders das Grundspiel, dürfte hiermit seine helle Freude haben und glücklicher werden als mit Heart of Thorns. Die neuen Gebiete und Elite-Spezialisierungen sind toll und die Story erzählt sich im Großen und Ganzen hervorragend und bietet einige überraschende Wendungen. Wer bisher allerdings kein Spaß mit Guild Wars 2 hatte, den wird auch die zweite Erweiterung nicht umstimmen. Letztendlich ist es mehr von dem was man bereits im Grundspiel und auch Heart of Thorns bekommen hat und das kann auch gespickt mit einer tollen Geschichte schon reichen. Für mich ist es auf jeden Fall die bessere Erweiterung und ich mochte auch Heart of Thorns, doch die Rückkehr nach Elona lässt mein Herz eben doch mehr erwärmen als der Besuch im Dschungel.