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Traumjob Dinoflüsterer

Mit Ark Survival Evolved von Studio Wildcard hat es ein weiteres Spiel mit Survival Setting zu einer Release-Version geschafft. Auf einer Insel gestrandet kämpfen wir mit Dinosauriern um unser Überleben während wir unsere Existenz aufbauen um uns vor Eindringlingen zu verteidigen. Wir haben uns das Survival-MMO genauer angeschaut und verraten euch ob es sich lohnt auf eine einsame Insel zu ziehen um Dinos zu jagen und zähmen.

 

Auf einer fremden Welt

Alles ist dunkel. Nach einiger Zeit erlangen wir unser Bewusstsein wieder. Wir wachen an einem Strand einer Insel auf. In unserem Unterarm befindet sich ein merkwürdiger Chip.

Wir wissen nicht wie wir hier her gekommen sind, wir wissen nichts über diese Insel. Um uns streifen schon die ersten Dinosaurier und Reptilien. Schnell suchen wir uns einige Holzbretter und mittelgroße, spitze Steine. Dazu ein wenig

Gestrüpp aus dem wir uns prompt eine Axt bauen um Bäume zu fällen. Neben den ganzen Fragen die wir uns ununterbrochen stellen ist uns einzig und allein klar, dass wir überleben müssen. Ausgesetzt auf einer Insel mit gefährlichen Raubtieren und Dinosauriern müssen wir kämpfen um zu überleben.

Moment mal – Dinosaurier? Haben wir uns etwa ohne es zu wissen auf die Jurassic Island verirrt oder wurden wir gar entführt. Ist das Ganze vielleicht nur ein Experiment extraterrestrischer Wesen? Der Chip in unserem Unterarm deutet auf jeden Fall auf eine übergeordnete Macht hin. Egal wir bauen uns zunächst ein erstes Lagerfeuer, sammeln einige Beeren aus den Büschen die am Strand wachsen und bauen und sogleich auch die Unterkunft für die erste Nacht. Der Platz auf der Klippe mit guten Überblick über den gesamten Strand gefällt uns besonders gut. Die Felsen schützen uns vor lästigen Blicken und potentiellen Raubtieren, bieten so nur eine kleine Angriffsfläche, die wir Verteidigen können sollte es soweit kommen.

Existenzgründung

Nach einer turbulenten Nacht sammeln wir ein paar Schlafbeeren und begeben uns auf die Suche nach unserem ersten Haustier, denn Dinosaurier können wir mit viel Geduld und Futter zähmen und zu nützlichen Haustieren machen. Zum Glück haben Dinosaurier generell ein sehr schlechtes Kurzzeitgedächtnis, denn um einen Dino zu zähmen verprügeln wir ihn erst einmal bis er ohnmächtig wird. Danach füttern wir das arme Tier wieder gesund. Sollte unser Opfer – unser neues Haustier zu früh wieder zu Bewusstsein kommen verabreichen wir ihm noch ein paar Schlafbeeren die ihn umgehend zurück ins Land der Träume befördern. Denn auch in Ark geht Liebe durch den Magen (der Dinosaurier).

Es ist langsam an der Zeit unsere Unterkunft um ein Dach und unsere eigenen vier Wände zu erweitern. Schade, dass wir nicht genügend Skillpunkte haben um zu lernen wie man sowohl ein Dach als auch Wände baut. Komisch eigentlich, ich hätte schwören können, dass die Konzepte sich ähnlich sind. Nun dann heißt es wohl erst einmal noch ein paar Erfahrungspunkte sammeln um letztendlich unser Haus bauen zu können. Da kommen die Piranhas im Startgebiet gerade recht. Ein, Zwei gezielte Hiebe und da sind wir auch schon tot. Wie bitte? Wie ist das denn passiert ? Oh, den Level 34 Piranhas wurden wohl in der Nacht heimlich Steroide verabreicht. Dann kümmern wir uns zunächst um die Dodos, die wehren sich wenigstens nicht. Irgendetwas ist allerdings komisch. Wir sind mittlerweile Level 10 aber die Dodos interessieren sich keineswegs für unsere Speerhiebe. Auch hier scheinen die Aliens wieder ihre Finger im Spiel gehabt zu haben, denn Level 65 Dodos, die hunderte Speerhiebe aushalten sind von der Natur vermutlich nicht so vorgesehen gewesen.

Sammeln, Sammeln und Sammeln

Ark Survival Evolved ist bereits 2015 im Early Access erschienen und sollte zunächst bereits im Sommer 2016 als Release vorhanden sein. Durch einige, schon fast zu erwartende, Verzögerungen schafft es Ark nun im Spätsommer 2017 den Early Access zu verlassen und die Versionsnummer 1.0 zu erreichen. Das Gameplay in Ark teilt sich dabei generell in vier Kategorien auf: Erkunden, sammeln, bauen und kämpfen bzw. zähmen. Dabei müssen wir uns jeder dieser Fähigkeiten bedienen um erfolgreich überleben zu können. Anfangs sammeln wir zunächst Materialien mit denen wir dann unsere Unterkunft bauen. Um größere Beute zu erlegen zähmen haben wir dann die Hilfe unseres treuen, gezähmten Gefährten.

Das Sammeln von Ressourcen gestaltet sich zunächst wie erwartet. Durch das Herstellen von Werkzeugen können wir unsere Effizienz beim abbauen von Holz und Stein deutlich steigern. Wir können ebenfalls das Unterholz und Gebüsche nach Beeren und Gestrüpp durchsuchen. Die Pflanzenfasern werden häufig zum Binden von Werkzeugen wie Äxten benutzt. Je besser unsere Werkzeuge, desto schneller können wir unsere Ressourcen sammeln. Dabei unterliegen wir, wie üblich für Survival-Games einigen Einschränkungen wie Ausdauer, Hunger und Durst. Diese Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden, da wir uns sonst schnell die Radieschen von unten anschauen dürfen.

Diese Elemente als Notwendigkeit und zeitlichen Flaschenhals einzuführen ist definitiv der richtige Weg um eine realistische Überlebenssituation zu erschaffen. Allerdings wurden die Bedürfnisse hier, besonders im Singleplayer, konsequent inkonsequent umgesetzt. Wir müssen zwar trinken, essen und uns ausruhen aber schlafen brauchen und können wir nicht. Im Multiplayer „schläft“ unser Charakter während wir offline sind, im Singleplayer gar nicht. Dadurch leidet zum einen die Glaubwürdigkeit der Situation zum anderen können wir dadurch keine Nächte überbrücken. Besonders in den ersten Nächten wirkt sich dies sehr zur lasten des Spielspaßes aus. Ohne großartige Beleuchtung außer Fackeln und einem Lagerfeuer können wir uns auch einfach nur die gesamte Nacht in die Ecke stellen und uns einen Kaffee machen gehen, während es wieder Tag wird. So geht direkt mal ein guter Anteil der Spielzeit für das Warten auf den Tag drauf.

 

Vollzeitjob: Dinozähmer

Auch an andere Stellen respektiert Ark die investierte Spielzeit des Spielers nicht, tritt diese sogar mit Füßen. Neben unnötigen Toden verursacht durch übermächtige Tiere, die eigentlich niemals so stark sein könnten, egal ob Level 1 oder Level 100, zerrt das ewige sammeln von Ressourcen stark an den Nerven. Wir machen den ganzen Tag nichts anderes als Holz und Stein für unsere nächsten Werkzeuge und Gebäude zu sammeln oder, falls wir einen Dino zähmen wollen, sammeln wir dafür Schlafbeeren und Nahrung sowie Waffen um gegen die Kreatur zu kämpfen. Tode werden mit dem Verlust des Inventars bestraft, welches prinzipiell wieder erreicht und eingesammelt werden kann. Die zufälligen Spawnpunkte macht das aber schwierig und meist ist es den Aufwand nicht wert.

Die „Engrams“ – Blaupausen – und der Charakterfortschritt bleiben nach dem Tod allerdings erhalten. Das Levelsystem in Ark bietet Skillpunkte pro Levelaufstieg für Attribute und Blaupausen. Attribute steigern unsere Überlebenschancen z.B. durch erhöhte Trefferpunkte oder eine höhere Traglast. Blaupause benötigen wir um Gegenstände zu bauen. Es gibt allerdings nicht genügend Skillpunkte um alle Blaupause zu erlernen. Das heißt, dass es generell nicht möglich ist alle Gegenstände zu craften. Besonders im Singleplayer hier auch wieder ein großer Nachteil (Es gibt Möglichkeiten die Config Dateien von Ark anzupassen um dieses Problem zu umgehen). Im Multiplayer hingegen sollte das ein eher geringes Problem sein. Insgesamt vermittelt das Levelsystem zwar das Gefühl seinen Charakter stetig zu verbessern und neue Dinge zu lernen auf der anderen Seite ist die Einschränkung auf bestimmte Blaupause unnötig und hindernd. Besser wäre es gewesen die Kosten für Blaupause stetig zu erhöhen um so länger auf die nächste sparen zu müssen.

Sowohl Interface als auch Steuerung sind intuitiv gestaltet und schnell erlernt. Einzig und alleine die Tatsache, dass es selbst im Singleplayer kein Tutorial gibt trübt den Eindruck. Videos im Hauptmenü schaffen zwar Abhilfe aber warum man sich gegen eine Tutorial im Spiel entschieden hat ist unverständlich. Dazu kommen seltsame Entscheidungen wie Blaupausen und Crafting Menü zu trennen. Genau hier setzt ein Tutorial an. Da kann es schon einmal passieren, dass wie wild auf dem Blaupausen-Menü rumgeklickt wird und nichts gebaut wird. Dann wundert man sich ob genügend Materialien vorhanden sind. Im Endeffekt hätte einfach das spezielle Craftingmenü aufgerufen werden müssen. Diese Kleinigkeiten sorgen schnell für Frustration was mit einem kleinen Tutorial schnell verhindert werden könnte. Es wissen viele Menschen wie man sich die Schuhe bindet, wenn in Ark das Binden von Schuhen allerdings zusätzlich einen Handstand erfordert der wird sich schwer tun darauf zu kommen.

Zum Release bietet sich den Überlebenden auch eine Geschichte rund um die Insel und ihre Mysterien. Denn überlebt werden soll nicht nur des überlebens Willen, sondern um herauszufinden, was es mit dieser Insel auf sich hat. Am Ende wartet sogar ein Bossgegner, der Ark zu einem runden Abschluss bringen soll. Es gilt also sich vom Steinzeitmenschen zum technologisch fortgeschrittenen Nanokrieger mit T-Rex Begleitung hocharbeiten um letztendlich hinter das Geheimnis der Insel zu kommen.

 

Hübsches Grünzeug

Bei Ark handelt es sich vorwiegend um ein Multiplayer Survival Spiel. Deswegen ist die Optik jetzt auch nicht überragend, erfüllt aber voll und ganz seinen Zweck. Die Areale der Insel sind schön gestaltet und schon in den ersten Minuten kommt das tropische „Dino-Feeling“ auf. Gestrandet auf einer einsamen Insel mit erbarmungslosen Raubtieren müssen wir um unser Überleben kämpfen. Flugsaurier fangen auch gerne mal einen Fisch aus dem nächstgelegenen Tümpel und verspeisen ihn im Flug. Wer als Jäger vorsichtig seine Beute beobachtet wird viel über das Verhalten der einzelnen Spezies lernen. Für solche Momente lohnt es sich Ark zu spielen. Mit Freunden macht das Ganze natürlich noch einmal deutlich mehr Spaß und der Überlebenskampf wird noch einmal deutlich spannender. Rollen und Aufgaben können verteilt werden. Jäger, Sammler, Architekt – all diese Aufgaben können frei und nach Belieben verändert und verteilt werden um ein erfolgreiches Überleben zu garantieren. Ark lebt vorwiegend von der sozialen Komponenten und seiner Thematik. Die Geräuschkulisse komplementiert die hübsche Optik und Animationen, könnte aber noch etwas „epischer“ und gewaltiger sein. Die Insel soll schließlich bedrohlich und jeder Schritt könnte der letzte sein.

Problematisch ist derzeit die Situation im öffentlichen Multiplayer. Ganze Stämme beanspruchen Server für sich indem sie neue Spieler entweder direkt töten (PVP) oder die Startgebiete mit Fundamenten zu bauen und so das Gebiet für sich beanspruchen (PVE). Das Ganze fällt insgesamt unter Gruppendynamik und die sozialen Strukturen versalzt Anfängern aber häufig gehörig die Suppe. Hier sollte Studio Wildcard dringlichst eine Lösung finden.

Es ist insgesamt gesehen sicherlich richtig einen Punkt zu finden, an dem ein Spiel letztendlich offiziell veröffentlicht wird, denn wie Jesse Rapczak in einem Interview mit der PC Gamer sagte: „While it feels good [launching from Early Access] we feel like twe got work to do.“ – obwohl es sich gut anfühlt aus dem Early Access zu kommen, denken wir, dass wir noch Arbeit vor uns haben. Mit ein wenig mehr Arbeit und einem ordentlichen Feinschliff kann Studio Wildcard sicherlich noch das volle Potential von Ark Surival Evolved ausschöpfen.

Gameplay60
Inszenierung85
Genre-Wertung80
Visualisierung80
Sounddesign80
Bedienung65
Feedback60
Positiv
Riesiges erkundbares Areal
Hunderte Stunden Spielzeit
Klares, übergeordnetes Ziel
Dinos
Negativ
Schwieriger Spielstart
Repetetive Spielabläufe
Übermäßig starke und schwache Gegner (Balancing)
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Traumjob Dinoflüsterer
Fazit
Ark Survival Evolved ist der wahr gewordene Traum vieler Dino-Nerds, die schon immer mal ihre eigene Dinoherde zähmen wollten. Mit einer riesigen Insel als Spielwiese können sich Freunde der gepflegten Dinojagd nach Herzenslust austoben.Einige Fehler und potentielle Verbesserungen trüben den guten Gesamteindruck. Frustrierende, grindlastige Spielelemente strecken den Inhalt von Ark künstlich in die Länge. Wer aber über diese Fehler hinwegsehen kann oder es sogar genießt auf der Suche nach Ressourcen durch die Wälder zu streifen der wird mit Ark sicherlich über einen langen Zeitraum, große Freude haben. Besonders mit Freunden und anderen Spielern ist Ark ein großer Spaß.

Über den Autor

Profilbild von Danny Heinrich

Freund von gepflegten Strategie- und Rollenspielen sowie des sinnlosen klickens von Kreisen auf dem Bildschirm zu fernöstlichen Melodien.

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