Mass Effect: Andromeda ist ein zutiefst polarisierendes Spiel. Doch auch wenn es mehr oder weniger der vierte Teil der Reihe ist, so ist es doch ein Neubeginn für Mass Effect. Neue Galaxie, neues Mass Effect. In meinem Ersteindruck erfahrt ihr, wie einer der größten Fans der Trilogie es bisher findet.

Seit dem Release kann ich Mass Effect: Andromeda mein Eigen nennen und bisher habe ich über 40 Stunden in Andromeda verbracht. Bin ich also schon durch? Nein, ganz und gar nicht. Mass Effect: Andromeda ist ein gigantisches Spiel mit mehreren verschiedenen Planeten die man erkunden kann. Doch bevor ich dazu komme, sollte man vielleicht noch ein paar Worte sagen: ich liebe Mass Effect. Verständlicherweise waren demnach meine Erwartungen an Mass Effect: Andromeda riesig. Ich sog jedes kleine Stückchen an Informationen auf und freute mich, mal mehr Mal weniger, nach jeder neuen Info mehr über das Spiel. Änderte es sich als man zum ersten Mal Gameplay sah? Nein. Als man Sara Ryders Gesicht am 1. Dezember 2016 sah? Kaum. Aber es änderte sich bestimmt als man die gemischten Reviews sah? Nö. Ich hab meine eigene Meinung und diese lautet nach 40 Stunden: Mass Effect: Andromeda ist sehr gut, mit einigen Abstrichen.

Beginnen wir mit dem Anfang, den dieser ist einer dieser Abstriche die man leider hinnehmen muss. Die ersten acht Stunden, je nachdem wie man spielt, sind etwas langwierig. Ich vergleiche es gerne mit der ersten Folge von Breaking Bad. Die ersten fünf Minuten sind fantastisch, doch danach tröpfelt es so vor sich hin, bis es zum Ende hin wieder richtig gut wird. Genau so ist auch der Beginn von Mass Effect: Andromeda. Ich werde hier nicht genau darauf eingehen, da man hier bereits ein paar Dinge verraten kann, die man durch die Trailer und Co. nicht erfahren hat. Nur so viel: es funktioniert beim ersten Mal nicht so recht. Die Hyperion, die Arche der Menschen, ist in Andromeda im Heleus Cluster angekommen und muss gleich mit einem gewaltigen Problem herumschlagen. Nach über 600 Jahren die man geschlafen hat, wacht man als Scott oder Sara Ryder auf, der Sohn bzw. die Tochter von Alec Ryder, dem Pathfinder, also der Person der eine neue Heimat in Andromeda für die Menschheit finden soll. Eine potenzielle Heimat soll Habitat 7 werden, doch als man dort ankommt muss man feststellen, dass der Planet unbewohnbar geworden ist, während den 600 Jahren. Was nun? Man geht zur Nexus, einem Schiff das größer als die Archen sind und eine mehr oder weniger direkte Kopie der Citadel aus der Milchstraße, um nachzuforschen wie es mit den anderen Welten aussieht. Dort gab es aber eine Revolte und die einstigen Anführer der Nexus starben dabei. In der Zwischenzeit wurde man selbst zum Pathfinder und dein Zwillingsbruder/schwester fiel durch eine Komplikation ins Koma. Ach ja und die anderen Archen, die der Turianer, Salarianer und Asari, sind verschwunden, die Kroganer haben die Nexus im Streit verlassen und es gibt Exilanten, die nichts Gutes vorhaben. Keine rosigen Aussichten, aber klingt wie ein spannender Anfang, nicht wahr?

Ja und nein. Klar, das ist so schon ganz gut, doch die emotionalen Momente die bereits nach einer Stunde passieren funktionieren beim ersten durchspielen überhaupt nicht. Beim zweiten aber umso mehr. Doch dann kommt eigentlich erst das Tief des Spiels. Wenn man auf der Nexus unterwegs ist kann man gut 4-5 Stunden damit verbringen dort sich alles anzuschauen, mit den Bewohnern der Nexus und die teils sehr steifen und hässlichen Gesichter der Menschen zu begutachten. Wie bereits mittlerweile das gesamte Internet weiß, sind die Gesichtsanimationen der Menschen alles andere als zeitgemäß und einige Gesichter sehen ebenfalls nicht sehr gut aus. Warum letzteres nicht so gut aussieht könnte auch am Charaktereditor liegen, der ein deutlicher Rückschritt zu den Vorgängern oder Dragon Age: Inquisition ist. Doch zurück zur Nexus. Ist man dort kann man sehr vielen Personen Fragen stellen, z.B. weshalb man nach Andromeda ging. Die meisten Personen antworten, dass dies für sie ein Neubeginn ist und das kann man wohl auch für BioWare im Hinblick auf Mass Effect: Andromeda sagen. Beim Ende der Trilogie haben sie sich massiv verfahren und auch wenn ich mich mittlerweile nach dem vierten Mal durchspielen damit abgefunden habe und es akzeptieren kann wie es ist, ist es für BioWare schwer jetzt noch etwas in der Milchstraße zu machen. Zumindest wenn es nach der Trilogie spielen soll. Doch zurück zum Thema. Die Gespräche sind okay, doch viele Geschichten die diese erzählen kennt man bereits. So erfährt man etwas über den Erstkontaktkrieg, die Rachni-Kriege, die Genophage und vieles mehr, was man als Spieler der Trilogie bereits alles kennt und weiß. Als Einsteiger in das Mass Effect-Universum bestimmt sehr interessant, als Veteran bereits ein alter Hut. Als Spieler will man ja eigentlich etwas Neues erleben und Andromeda sollte sich ja dafür anbieten. Eine neue Galaxie zu erkunden, mit neuen Völkern in Kontakt treten und die Mysterien von Andromeda auf die Spur kommen. Ja, genau so sollte man sich das vorstellen. Doch der erste Planet, der Wüstenplanet Eos, entpuppt sich beim ersten Besuch als radioaktive Hölle, wo man keine hundert Meter mit dem Nomad, dem neuen Mako, fahren kann ohne, dass man selbst im Fahrzeug daran stirbt. Viel mit erkunden ist da noch nicht. Man mag das Potenzial erkennen einen fremden Planet zu erforschen und zu sehen ob er kolonisierbar ist, aber so ganz zündet dieser Funke noch nicht.

Das ändert sich wenn man auf die Relikte, Maschinen von einem unbekannten Volk, trifft und gemeinsam mit Peebee das erste Gewölbe von den Relikten erkundet. Die Architektur darin ist erstaunlich und hat mich sehr begeistert und zudem sind diese Gewölbe äußerst relevant, wenn es darum geht unbewohnbare Planeten bewohnbar zu machen. Dadurch können Außenposten entstehen, in denen die Bewohner der Nexus und der Arche leben können. Hat man das erste Gewölbe auf Eos abgeschlossen zieht auch die Story merklich an. Man hat ein klares Ziel vor Augen und weiß was von einem erwartet wird, auch wenn komm jemand dir es zutraut diese Aufgabe zu bewältigen. Zudem hat man bereits einen Großteil der abwechslungsreichen Crew zusammen, das Raumschiff Tempest ist am Start und nicht viel später trifft man auf die Angara, die zweite Spezies aus Andromeda nach den Kett. Während die Kett aber sofort das Feuer auf einen eröffnet hatten, setzen die Angara auf Diplomatie. Die Angara befinden sich seit langer Zeit im Krieg mit den Kett und benötigen Hilfe. Diese bekommen sie vom Pathfinder und seinem/ihrem Team, wenn sie auch verständlicherweise den Neuankömmlingen aus der Milchstraße nicht vertrauen.

Man kann klar sagen, dass das Spiel gute 6-8 Stunden braucht um in die Puschen zu kommen. Danach wird sie, soweit wie ich aktuell bin und das ist noch deutlich weiter als gerade beschrieben, sehr viel besser und auch richtig spannend. Auch die Crewmitglieder werden mit der Zeit liebenswerte Begleiter mit humorvollen Momenten und viel Persönlichkeit. Auch der zweite Besuch auf Eos drehte den Ersteindruck, den man von dem Planeten hat. Er Planet wird offener und man bekommt mehr Raum zum Erkunden, dennoch bleibt es einer der kleineren Planeten, der auch die ein oder andere interessante Nebenmission beinhaltet, wenn auch einige Sammelquests dabei sind. Ja, die gibt es auch, sind aber deutlich besser integriert ins Spiel. Insgesamt wirkt sehr vieles, was auf den Planeten passiert, sehr rund und vieles wirkt wie eine kleine Schraube in einer großen Maschine. Doch damit die ordentlich läuft braucht es Zeit. Die braucht nun mal auch Mass Effect: Andromeda.

Das soll es jedoch erst einmal gewesen sein. Mehr gibt es in (hoffentlich) absehbarer Zeit bei einem Themenpodcast von Radio InGame, wo wir über unsere ersten Eindrücke zum Spiel schildern. Zudem wird auch noch der Test zum Spiel kommen, wenn ich mit der Story fertig bin. Das kann aber noch etwas dauern, denn das Spiel ist wirklich groß.

Also kommen wir zum ersten Fazit: Mass Effect: Andromeda macht mir sehr viel Spaß und trotz meiner hohen Erwartungen bin ich nicht enttäuscht. Klar es ist nicht perfekt, aber das ist kein Spiel. Nichts ist perfekt und Andromeda ist keine Ausnahme. Das Spiel hat besonders technisch einige Probleme. Während die Umgebungen und Co. verdammt gut aussehen, so sind es die Gesichtsanimationen nicht. Auch gibt es noch einige Bugs. Das sind jedoch Probleme, die bestimmt noch per Patch ausgebügelt werden. Das Spiel braucht einfach Zeit und wenn man dem Spiel diese gibt, dann wird man sehr viel Spaß damit haben und wenn man während dem Spielen die Zeit vergisst und Minuten zu Stunden werden, dann bedeutet das einiges. Natürlich im positiven Sinne.