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Postapokalyptisch Genial

Mit Guerrillas Horizon: Zero Dawn wurde, nach Nioh, bereits der nächste AAA Titel exklusiv für die PS4 veröffentlicht. Dabei haben wir in der Vergangenheit schon viel von Horizon gesehen und gehört. Wir haben die postapokalyptische Welt von Horizon Zero Dawn genauer unter die Lupe genommen.

Behutsam schleichen wir durch das hohe Gras. Doch lauern dort nicht, wie man zunächst vermuten würde, wilde Pokemon, sondern gefährliche Maschinenwesen in unterschiedlichen Formen und Ausführungen. Die kleinsten, mitunter aber gefährlichsten Maschinen, sind die Watcher, welche sofort umliegende Maschinen alarmieren sollten sie auch nur den geringsten Anschein von Gefahr entdecken. Einige Maschinen würden sofort die Flucht ergreifen während andere deutlich aggressiver reagieren und in die Offensive gehen würden. Durch ein geschicktes Ablenkungsmaneuver gelingt es uns die Watcher in die Nähe des Gebüsches zu locken aus dem wir diesen ohne weitere Probleme mit einem gezielten Hieb ausschalten können. Kurz darauf nehmen wir uns der Herde Strider an. Diese Bullenähnlichen Maschinen besitzen zwei Benzinkanister auf dem Rücken, welche wir mit gezielten Bogenschüssen, dank unserer Flammenpfeile, in Brand setzen. Kurz darauf explodieren diese dann auch und richtigen enormen Schaden im Umkreis an. Nach einem kurzen Gefecht mit den überlebenden Maschinen und ein paar weiteren Speerhieben gelingt es uns auch die letzte Maschine auszuschalten. Neben einigen Erfahrungspunkten für das gezielte und effiziente ausschalten der Herde können wir einige Materialen von den Stridern erbeuten. Diese Materialien können wir unter anderem dafür benutzen wieder neue Pfeile herzustellen um weiter auf die Jagd gehen zu können. Nach dem erfolgreichen Beutezug geht es in das nächstgelene Dorf um unsere überschüssigen Schrott zu verkaufen, damit wir uns den neuen, schicken Kriegsbogen leisten können, welcher zusätzlich mit Frostpfeilen bestückt werden kann… so beginn ein weiteres Abenteuer auf der Suche nach der Wahrheit rund um die Maschinen.

Aller Anfang ist schwer

In der postapokalyptischen Welt haben sich die verbliebenen Menschen in Stämmen organisiert. Maschinen, die das Land durchstreifen werden gefürchtet, verehrt, aber auch zwecks ihrer wertvollen Ressourcen gejagt. Es ist nicht viel über die Zeit vor dem Ende der modernen Zivilisation bekannt. Einzig und allein durchwucherte Ruinen von Dörfern und Städten erstrecken sich über das Land. Das Wrack einer gigantischen, schlangenartigen Maschine umschließt das heilige Heimatland der Nora, Aloys Stamm. Man erzählt sich, dass die allmächtige Mutter zu ihrer Zeit einen erbitterten Kampf gegen diese Maschine führte um die Menschen, die nicht dem Maschinenkult angehörten, zu beschützen. Diese Ruinen werden allerdings von der aktuellen Zivilisation mehr gefürchtet und gemieden. Betreten der Ruinen steht im Stamm der Nora sogar unter der Strafe der Verbannung. Technologisch gesehen befinden wir uns ungefähr zurück im Zeitalter der Klassik mit einiger zusätzlicher Technologie bedingt durch das natürliche Vorkommen von Maschinen, die wegen ihrer nützlichen Bauteile gejagt werden. Wir befinden uns nun also in der Rolle von Aloy, einer Stammesangehörigen der Nora, die bei ihrer Geburt aus dem Stamm verbannt wurde und seitdem mit ihrem Ziehvater Rost lebt in den Bergen lebt. Natürlich packt Aloy die Neugier aus welchen Grund sie denn aus dem Stamm verbannt wurde und beginnt von dort an für ein Ritual zu trainieren der es ihr erlauben würde zum einen wieder in den Stamm aufgenommen zu werden, zum anderen aber auch die nötigen Antworten über sich zu finden. Hier beginnt die Geschichte der jungen Aloy auf der Suche nach nötigen Antworten.

Im Laufe des weiteren Abenteuers begeben wir uns natürlich auf die Jagd nach gigantischen Maschinen und versuchen das Rätsel rund um eben diese zu lösen. Warum wurde die vorherige Zivilisation ausgelöscht und warum streifen seitdem Maschinen durch das Land? Neben Aloys persönlicher Motivation für ihr Abenteuer, auf das jetzt nicht näher eingegangen werden soll, stellen diese zentralen Fragen das Rückgrat von Horizon: Zero Dawn dar. Die Fragen nach dem „Was“ und „Warum“ ziehen sich durch das gesamte Spiel und Stück für Stück scheint man der Wahrheit näher zu kommen. Alte Aufzeichnungen, Holologs, Antike Gegenstände und Ruinen warten nur darauf gefunden und erforscht zu werden. Dabei erstrecken sich die meisten „Points of Interest“ nicht linear über die Spielwelt, sodass man zu Anfang gerne mal in Gebiete kommt, die extrem tödlich sind. Weltdesigntechnisch ist die Verteilung der einzelnen Gebiete exzellent, da die Stärke der Maschinen, ohne konkreten Grund, nicht linear ansteigen würde je weiter sich Aloy von ihrer Heimat entfernt. Dabei sind Maschinen meist in Herden in einem begrenzten Gebiet unterwegs. Mitunter befinden sich einige größere Exemplare in der Herde, die die schwächeren Maschinen beschützen und bei Bedarf auch kräftig austeilen können.

The first rule of the Hunt

Im Kampf gegen Maschinen kann Aloy auf ein breit gefächertes Arsenal an unterschiedliche Waffentypen und Stufen zurückgreifen, die verschiedene Jagdstile ermöglichen. Neben den üblichen Tötungswerkzeugen wie Pfeil und Bogen sowie Speer können noch andere Fernkampfwaffen im Laufe des Spiels freigeschaltet werden. Zu diesem Arsenal zählen unter anderem eine Schleuder für verschiedene Bomben und ein Tripcaster, mit welchem Aloy Seile aufspannen kann, die bei auslösen durch Maschinen eine explosion mit dem jeweiligen Element erzeugen. Elemente sind Schadenstypen die besondere Statuseffekte hevorrufen können. So betäuben Blitzfallen das Ziel kurzfristig, während Feuer das Ziel in Brand setzen. Maschinen sind natürlich ebenfalls unterschiedlich anfällig für die verschiedenen Elemente. Das Skill- und Levelsystem wird dazu eher ergänzend. Grob unterteilen sich die Skills in die Kategorien Stealth, Offensive und Überleben. So ist Aloy später in der Lage mehrere Pfeile gleichzeitig zu schießen um gezielt die Einzelteile von Maschinen besser auschalten zu können oder einen gezielten, verheerende Überraschungsangriff zu starten. Die Kämpfe gestalten sich sehr Abwechslungsreich durch verschiedenste anwendbare Taktiken, wobei rohe Gewalt meist nicht die richtige Lösung ist. Die meisten Maschinen besitzen Bauteile, die abgeschossen werden können. Dadurch ist es möglich diese deutlich zu schwächen und dann auszuschalten. Das Problem dabei ist allerding meist, dass sich diese Schwachpunkte an schwer erreichbaren Stellen befinden und die Maschinen erst einmal in eine Falle gelockt werden müssen. Es ist ebenfalls möglich die Waffen der Maschinen abzuschießen und diese selbst zu benutzen. Je größer die Maschinen werden desto mehr Einzelteile sind zu erkennen. Zusätzlich sind die meisten Maschinen mit Platten gepanzert, die es erst einmal zu entfernen gilt. Aber die meisten Maschinen ergeben sich nur ungern ihrem Schicksal, selbst die kleinsten Maschinen stellen eine ernstzunehmende Bedrohung dar, die schnell zum Tod führen kann . Die Kräfteverhältnisse sind deutlich zu erkennen und schon ein oder zwei Treffer können schnell zum Tod führen.

Das Kampfsystem glänzt durch taktische Vielfalt und den glaubwürdigen Kampf auf Leben und Tod mit Mensch und Maschine. Sobald mehrere Maschinen in den Kampf eingreifen hilft meist nur noch die Flucht ins hohe Gras oder schnell die Beine in die Hand zu nehmen, sollte man unvorbereitet auf zu großen Widerstand treffen. Die Bewegungen und Aktionen wirken selbst in den Übergangen stets flüssig, so wirkt zum Beispiel das rutschen über den Boden aus dem Sprint zur nächstgelegenen Deckung und gleichzeitiges Spannen des Bogens besonders elegant und funktioniert dank Bullettime sehr gut. Sämtliche Bewegungen gehen, insofern möglich, fließend ineinander über, sodass ein dynamischer aber dennoch kontrollierter Kampf enstehen kann. Leider spielt die Intelligenz der Maschinen und Menschen bis zu beginn des Kampfes leider nicht immer mit. So scheinen Maschinen an ein bestimmtes Gebiet gebunden zu sein und nicht immer verhalten sich die Gegner annähernd intelligent. Schießt man von außerhalb des designierten Gebietes auf die Maschinen so werden diese kurz Aufmerksam, begeben sich aber darauf wieder zurück auf ihre ursprüngliche Position. Es ist dementsprechend leicht selbst die größten Maschinen zu erledigen ohne überhaupt einen ernsthaften Kampf bestreiten zu müssen. Unnötige Animationen für Tötungen und kritischen Treffern können für Frustration sorgen wenn in der Zwischenzeit eine andere Maschine zum Ansturm ansetzt und uns damit noch während der Animation erledigt ohne, dass wir etwas hätten tun können. Während die Intelligenz der Maschinen, bedingt durch ihre Natur als „Tiere“ noch einigermaßen begründet werden kann, scheint die  Intelligenz, analog zum technologischen Stand, des großteils der Menschheit derart gesunken zu sein, dass selbst ein Haufen Leichen neben einem pfeifenden Busch keinen Verdacht erregt, dass sich dort eventuell ein Angreifer befinden könnte. „Hey es ist immerhin nur ein pfeifender Busch vor dem drei oder vier meiner Kameraden tot, aufgespießt liegen. Die brennenden Pfeilspitzen, die aus dem Busch ragen sind natürlich ebenfalls ganz normal.“

Es ist noch kein Jäger vom Himmel gefallen

Das Respawn oder Checkpunkt System bedarf ebenfalls noch etwas Anpassung. So spawnen wir nach einem Tod immer wieder in bestimmten Zonen, sollten wir diese nicht vollständig bereinigt haben, behalten allerdings unserer Erfahrungspunkte und die Gegner sind alle wieder gespawnt. Heißt also im Endeffekt hier unendliche Erfahrungspunkte. Die Balance von Erfahrungspunkten findet ebenfalls ihr Ende bei den Herausforderungen, welche übermäßig viel Erfahrungspunkte geben. Mit den insgesamt 15 Herausforderungen ist es realtiv leicht 20 der 50 Level zu machen und dann für den Rest des Spiels komplett „overleveled“ zu sein, insofern dies zutreffen kann, denn Maschinen sind und bleiben gefährlich.

Das Handels- und Craftsystem bietet eine Hervorragende Balance aus der Notwendigkeit bestimmte Ressource zu sammeln, nimmt aber gleichzeitig nicht überhand an, sodass es vollkommen ausreichend ist ab und an am Wegesrand nach Ästen und Medizin zu suchen. Ressourcen sind rar und dementsprechend wertvoll und um weiter gegen große Maschinen kämpfen zu können wird natürlich einiges an Munition benötigt. Neben den normalen Pfeilen, die aus Holz und Metall hergestellt werden, sind zusätzliche Materialen für Feuer- Eis und Schockpfeile notwendig, die meist von Maschinen erbeutet werden können. So verlieren auch die kleinsten Maschinen nie ganz ihre Relevanz und es lohnt sich immer auf die Jagd zu gehen.

Landschaftsdesign und Panorama sowie die Musikkompositionen sind absolut atemberaubend. Neben dem hervorragenden Soundtrack, der nicht ganz an die Qualität von zum Beispiel The Witcher 3 heranreicht, bietet sich beim klettern auf Berge und Vorsprünge zu jeder Tageszeit eine überwältigende Aussicht auf die Landschaft. Die einzelnen Gebiete sind liebevoll in Einzelarbeit angefertigt und jeder noch so kleine Abschnitt bietet großes Potential zum erforschen. Dabei sind auf der Weltkarte viele Punkte wie Maschinenherden, Ruinen oder Dörfer bereits eingezeichnet. Auch Sammelgegenstände wie Metallblumen und Holologs sind auf der Karte zu finden, sollte man sich denn die Schatzkarten vom Händler kaufen wollen. Viele kleine Events besonders in den Städten laden dazu ein sich hinzusetzen und zuzuschauen oder zuzuhören. Atmosphärisch wäre Horizon: Zero Dawn eines der besten aktuellen Titel wären da nicht zum einen die schon fast Komikhafte Lippensychronisation von unwichtigen Charakteren und Questgebern. Hauptcharaktere wie Aloy und Rost sind einwandfrei synchronisiert. Allerdings wird die Sychronisation proportional zur Wichtigkeit des Charakters schlechter, sodass man am Ende denken könnte, dass gerade ein Goldfisch versucht mit Aloy zu kommunizieren. Auch viele Nebenquests sind etwas langweilig und inspirationslos gestaltet. Hauptquests, die zur Story beitragen sind hingegen deutlich interessanter und verzweigen sich nach und nach immer wieder in spannende Nebenquests, die zur Geschichte beitragen oder aus welcher sich plötzlich wieder eine Hauptquest entwickelt. Ein Indikator für gute Quests in Horizon wäre damit die Qualität der Lippensychronisation.

Die Steuerung ist zunächst sehr intuitiv gewinnt aber im Laufe des Spiels immer mehr an Komplexität. Nach einer kurzen Zeit ist es sogar möglich relativ sicher zu zielen insofern genügend Abstand zwischen dem Ziel und Aloy befindet. Im Nahkampf ist die Kameradrehung einfach viel zu langsam um den Maschinen vernünftig folgen zu können. Die Schwächer der Kamera zeigen sich besonders im Kampf gegen fliegende Gegner. Steht Aloy im Gras oder in der nähe eines Busches so wird dieser die komplette Perspektive einnehmen sollte man versuchen in die Luft zu zielen um die Maschinen abzuschießen. Ein sehr unnötiger Fehler, der zudem noch einiges an Frustration mit sich bringen kann. Das HUD ist vollständig Individualisierbar. Einzelne Elemente lassen sich hier beliebig Ein- oder Ausschalten sowie, falls nicht erforderlich, verstecken. Das HUD natürlich auch schon, wie im Trailer gesehen, gut durch den Anfang der Story erklärt und mit in die Geschichte eingebaut. Die Screenshotfunktion ist ein schönes Extra, das es erlaubt das Spiel zu pausieren und die Kamera beliebig auszurichten um einen Screenshot zu machen. Wer eine ernsthafte, von den Maschinen und Menschen, ausgehende Bedrohung spüren möchte, die zumindest halbwegs realistisch ist, der sollte sich vielleicht überlegen direkt auf schwerer oder sehr schwerer Schwierigkeitsstufe einzusteigen. Erst dann mach Horizon: Zero Dawn so richtig Spaß.

Wertung
Gameplay90
Story90
Inszenierung90
Genre-Wertung95
Visualisierung95
Sounddesign90
Bedienung90
Feedback95
Positiv
Packende Story
Atemberaubende Atmosphäre
Spannende Kämpfe
Glaubwürdige Charaktere
Erstklassiges Sounddesign
Negativ
Verbesserungswürdige Spielbalance (Erfahrungspunkte, Speicherpunkte)
Primitive KI von Gegnern
Lippensynchronisation schlecht bei vielen (Neben)Charakteren
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Postapokalyptisch Genial
Fazit
Insgesamt spielt sich Horzion: Zero Dawn sehr flüssig und wirkt bis auf ein paar Kleinigkeiten, wie bereits beschrieben, sehr hochwertig und aufpoliert. Soundtrack, Panorama und Effekte harmonieren meist außerordentlich und tragen zur gelungenen postapokalyptischen Atmosphäre bei. Das Kampfsystem ist bis ins Detail durchdacht und funktioniert wunderbar insbesondere mit den abzuschießenden Einzelteilen, die die Maschinen deutlich in ihren Funktionen beeinträchtigen. Ein paar kleine Mängel findet sich dann doch bei der Synchronisation und den Nebenquests, welche aber das Gesamtbild kaum beeinträchtigen. Es ist kaum möglich Horizon in seinem vollen Glanz zu beschreiben ohne zu viel vorweg zu nehmen deswegen sollte man es besser selbst aus erster Hand erleben. Horzion: Zero Dawn ist der Titel, der Zelda: Breath of the Wild für die Nintendo Switch ist: Ein (weiterer) guter Grund sich eine Playstation 4