Yakuza 0 ist der sechste Teil der der Yakuza Reihe und das erste Prequel der Serie. Im Jahr 1988 erleben wir wie Kazuma Kiryu und Goro Majima zu den Charakteren werden die wir kennen.

Ja, ich bin ein Fan von der Ryu ga Gotoku- bzw. der Yakuza-Serie, wie sie im Westen heißt. Wenn ein neuer Teil im Westen angekündigt wird, bin ich immer Feuer und Flamme, da das absolut keine Selbstverständlichkeit ist. In Japan ist die Serie ein Riesenhit und bei uns im Westen kommt die Serie pro Teil auf keine 40.000 verkaufte Einheiten. Umso mehr hat es mich natürlich gefreut, dass 2017 Yakuza 0 und Yakuza Kiwami (Remake des ersten Teils) und für 2018 Yakuza 6 angekündigt wurden.  Yakuza 0 ist jetzt erschienen und wurde von mir auf Herz und Nieren geprüft.

Alt aber trotzdem gut!

Das Spiel wirkt auf dem ersten Blick leider etwas altmodisch und abschreckend, hinter dieser Fassade steckt aber ein sehr beeindruckend tiefes Spiel. Im Jahr 1988 spielen wir den schon bekannten Hauptcharakter der anderen Teile Kazuma Kiryu am Anfang seiner Yakuza Karriere. Die ersten Missionen sind sehr linear und ihr lauft eigentlich nur von einem Zielpunkt zum nächsten, bekämpft Gegner und saugt Story auf. Die Story gibt es selten in Form von toll animierten Zwischensequenzen die japanisch vertont und mit englischen Untertiteln versehen sind, meistens jedoch in Form von Textboxen. Diese Textboxen sind zwar ein Graus für Leseunwillige, lohnen sich aber, weil die Geschichte wirklich interessant ist und wendungsreich erzählt wird. In Kapitel 3 wechselt die Szenerie dann nach Osaka wo ihr den Charakter Goro Majima übernehmt, der Serien-Veteranen mehr als nur bekannt vorkommen dürfte. Goro leitet hier das Cabaret Grand. Die ganze Stadt ist sein Gefängnis und die Arbeit seine Strafe für einen Vorfall, bei dem sein Eidbruder Taiga Saejima verhaftet wurde. Serien-Veteranen wissen wovon ich spreche, dem Rest möchte ich nichts vorweg nehmen. Anders als in seinen Auftritten in den anderen Serienteilen wirkt Goro sehr introvertiert und zurückhaltend, noch deutet nichts auf den wahnsinnigen „Mad Dog of Shimano“ hin, wie wir ihn in Teil 1 kennenlernten. Aber es spielt ja auch sieben Jahre vor dem Beginn von Yakuza 1 und 17 Jahre vor der Haupthandlung von Yakuza 1.

GTA in Japan?

Aber was ist Yakuza 0 eigentlich für ein Spiel? Ein GTA in Japan? Ein bisschen ja, aber auch ganz viel nein, denn die Yakuza-Spiele haben zwar immer eine Open World, jedoch ist sie sehr viel kleiner als in jedem GTA, dafür aber auch wesentlich belebter. Autofahren kann man auch nie, außer in Teil 5 und da musste man korrekt Taxifahren, mit Blinker setzten und an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten usw., dafür läuft man durch die Stadt oder nimmt sich ein Taxi, dass einen dann in einer Ladepause zum gewünschten Ort bringt. Auch das Gameplay zu Fuß ist ein völlig anderes, denn Schusswaffen sind der Yakuza Serie völlig nebensächlich, hier prügelt man sich in bester Fernost Manier am besten immer gleich mit einer großen Überzahl an Gegnern. Das Prügelsystem ist dabei weniger Modern, als das der Batman-Serie, aber in meinen Augen trotzdem deutlich besser. In der Yakuza Serie fühlen  sich die Prügelleien an wie ein richtiges 3D-Prügelspiel, während ich das Kampfsystem der Batman-Reihe durch die Konterattacken zu automatisiert finde. Gerade hier legt Yakuza 0 sogar nochmal deutlich zu den Vorgängern zu, da beide Hauptcharaktere drei völlig unterschiedliche Kampfstile besitzen. Dafür gibt es auch nur zwei Charaktere im Verhältnis zu vieren in Teil 4 und fünfen in Teil 5. Die Kämpfe selbst werden dadurch noch Variantenreicher, da man die Kampfstile permanent während der Kämpfe wechseln kann. Bosskämpfe gibt es auch und diese sind aber im eigentlichen auch Prügeleinlagen mit besonders starken Gegnern, die manchmal auch noch Unterstützung dabei haben.

Grafisch merkt man Yakuza 0 an, dass es in Asien auch noch für die Playstation 3 erschienen ist und somit technisch nicht auf der Höhe der Zeit ist. Schön ist es dennoch, denn der Stil vom fiktiven Tokioer Stadtteil Kamurocho ist der Hammer. Die Leuchtreklame, die Passanten, der Krach der Pachinko-Maschinen, die Sega-Arcades, usw. haut mich um. Ich liebe es in dieser Stadt herumzulaufen. Für Osakas Stadtteil Sotenbori gilt dasselbe, wenn es auch etwas ruhiger ist als Kamurocho ist. Auch sonst gibt sich Yakuza 0 sehr klassisch, speichern könnt ihr nur an Telefonzellen oder am Ende eines Kapitels.

Viel zu tun in Kamorocho und Sotenbori

Lasst euch aber von solchen Kleinigkeiten nicht abschrecken! Das Gesamtpaket von Yakuza 0 ist beeindruckend. Selbst bei einer Spielweise in der ihr quasi nur der Hauptstory spielt, beschäftigt euch das Spiel ca. 35 Stunden und die werden nicht langweilig. Ich bin der Story wie im Fieber gefolgt, da ich unbedingt wissen wollte wie es weitergeht. Die Nebenquests sind darüber hinaus wirklich was Besonderes, ob ihr einen Unterwäsche-Ring sprengt, einer Domina auf die Sprünge helft oder euch als Freund eines Mädels ausgebt, damit ihr Vater die Verkupplungsversuche unterlässt. Hier macht man wirklich Sachen, die es in anderen Spielen nicht gibt. Nebenbeschäftigungen gibt es auch, darunter Billiard, Darts, Bowling, Karaoke, Tanzen, sowie zeitlich authentische original Arcade-Automaten wie Space Harrier, Hang On und Outrun. Allein beim Bowling konnte ich mich schon lange aufhalten. Diese Ablenkungsmöglichkeiten können die Spielzeit maßgeblich verlängern.

Der Kern des Ganzen ist jedoch eine Crime-Story, die sich es nach und nach zu einem großen Ganzen enthüllt. So abgefahren Nebencharaktere und witzig viele Nebenquests sind, so ernst nimmt sich die Hauptstory und obwohl das völlig widersprüchlich ist, funktioniert es wunderbar. Wenn man zwischen ernsten Kämpfen mit Yakuza-Bossen Karaoke singen oder tanzen geht, dann ist das eine sehr angenehme und gleichzeitig abgefahrene Abwechslung.

Nach einmaligem durchspielen schaltet ihr den Adventure-Modus frei, wo ihr tatsächlich alles nachholen könnt, was ihr beim durchzocken versäumt habt. Der ist in der Serie nicht neu, bleibt aber eine Spitzenidee für ein Spiel indem es derartig viel zu tun gibt.

Wertung
Gameplay90
Story100
Inszenierung90
Genre-Wertung90
Visualisierung80
Sounddesign85
Bedienung80
Feedback90
Positiv
Hohe Spielzeit
Super Story
Tolle Kämpfe
Negativ
Etwas altbacken
Textboxen
88
Haut rein wie eh und jeh
Fazit
Ich stehe auf die Yakuza-Serie und kann nicht genug davon bekommen. Verwunderlich ist das aber auch nicht, weil Sega es schafft immer und immer wieder abzuliefern. Ich sehe Yakuza 0 auf Augenhöhe mit Yakuza 5, dass zwar mehr Charaktere bietet, aber dafür schleppt es auch ein riesiges Plot-Paket der Vorgänger mit sich herum. Yakuza 0 dagegen ist der perfekte Einstieg, weil es vor allen anderen Abenteuer von Kazuma Kiryu spielt, darüber hinaus hat Yakuza 0 ein super Achtziger Jahre Flair, den ich fantastisch finde. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für all diejenigen, die auch mal über den Tellerrand von Call of Duty und GTA gucken möchten. Solche Spiele erblicken nicht jeden Tag das Licht der Welt (Memo an mich selbst: „5 € ins Phrasenschwein zahlen“)!