Aragami ist das neueste Spiel vom Entwickler Lince Works und heißt übersetzt „Zorngott“. Der Spieler schlüpft hier in die Rolle eines Aragami, der beschworen wurde um zunächst die weibliche Protagonistin, Yamiko, aus der Gefangenschaft der Kaiho zu befreien. Die Kaiho, auch bekannt als Armee des Lichts, konnten den Krieg mit Yamikos Heimatland für sich entscheiden und es seitdem besetzen. Aragami begibt sich nun also auf die Suche nach den Kaiho, Yamiko und sich selbst.

Die verwendete Version von Aragami für die Playstation 4 wurde vom Box/Retail-Seller Headup Games zur Verfügung gestellt.
Die Invasion der Kaiho

Es gelingt Yamiko zunächst eine Projektion von sich zu einem Friedhof zu schicken, auf dem sie ein Ritual abschließt, welches einen gefallenen Soldaten, in Form eines Aragami, wiederbelebt. Dieser besteht gänzlich aus Schatten, was ihm erlaubt mit den Schatten zu verschmelzen oder sich von Schatten zu Schatten zu teleportieren. Leider sind Lichtquellen und besonders die Sonne ein Problem für Aragami, sodass hell erleuchtete Gebiete dem Aragami die Energie rauben und bei Sonnenaufgang sich der Aragami komplett auflösen sollte. Der Auftakt sorgt natürlich für viel mehr Fragen als Antworten. Warum sind die Kaiho in das Land einmarschiert? Wer sind wir gewesen? Warum sollten wir Yamiko helfen und sind wir wirklich die „Opfer“ der Invasion? Es beginnt eine kleine aber spannende Geschichte, die nach jedem Level immer mehr Form annimmt.

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Natürlich starten wir das Spiel mitten in der Nacht, sodass uns genug Zeit bleibt unsere Aufträge zu erfüllen. Wie wir jedes Level abschließen ist komplett dem Spieler überlassen. Besondere Abzeichen gibt es allerdings dafür nie den Alarm ausgelöst zu haben und entweder alle oder keinen Gegner ausgeschaltet zu haben. Am Ende des Levels wartet dann ein Ranking, welches Einstuft wie gut der Spieler sich geschlagen hat.

 

Sei eins mit den Schatten

Um die Level erfolgreich abschließen zu können stehen uns durch Skillpunkte freigeschaltete Fähigkeiten zur Verfügung. Diese teilen sich in Offensiv, Defensiv und Unterstützung auf. Offensive Fähigkeiten, wie das Kunai, helfen uns Feinde aus der Ferne auszuschalten, während Defensive Fähigkeiten uns Unsichtbar machen oder Wachen aufdecken. Unterstützende Fähigkeiten zeigen uns zum Beispiel an wo Schriftrollen zu finden sind, die uns Skillpunkte gewähren. Jede Fähigkeit hat zu Anfang zwei Aufladungen. Um eine Fähigkeit darüber hinaus anwenden zu können müssen wir einen Schrein finden, der unsere Fähigkeiten wiederherstellt. Die Anzahl der Aufladungen wird uns auf dem Umhang des Aragami zusammen mit der Schattenenergie angezeigt. Schattenenergie regeneriert automatisch im Schatten und verringert sich im direkten Licht. Sie wird benutzt um Schatten zu erzeugen oder sich zu Schatten zu teleportieren. Im Verlauf des Spiels bekommt der Spieler noch zusätzliche Fähigkeiten oder Gegenstände wie zum Beispiel ein kleines Glöckchen um Wachen abzulenken. Durch die Anzeige von wichtigen Informationen auf dem Umhang des Aramagi wirkt das Interface sehr sauber und minimalistisch, was der Atmosphäre des Spiels zugute kommt. Keine zusätzlichen Anzeigen oder Textfenster sorgen für Ablenkung.

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Leider funktionieren einige Fähigkeiten wie die Unsichtbarkeit nicht richtig. Unsichtbar und geräuschlos kommt es trotzdem manchmal vor, dass Wachen uns im Schatten sehen und uns mit einem Schlag den Garaus machen, denn, wie der Zufall es will, sind wir ein Schattenwesen und die Armee des Lichts schießt mit Lichtstrahlen aus Schwertern und Bögen. Erschwerend kommt hinzu, dass Aragami auf einem Checkpoint System beruht und das Spiel nicht gerade großzügig mit diesem umgeht. So kann es passieren, dass kurz vor dem Ende des Levels ein Unglück geschieht und sich der Spieler wieder von Anfang an durchkämpfen, beziehungsweise durchschleichen, muss. Checkpoints sind auch nicht zwingend an Missionsziele gebunden, sodass sie teilweise gesucht werden müssen. Es kommt auch vor, dass Checkpoints nicht funktionieren obwohl definitiv vom „Autosave-Feature“ gespeichert wurde.

Besonders frustrierend ist es allerdings wenn kleinere Bugs in der Interaktion mit Wachen dafür sorge, dass der Spieler stirbt und dann wieder an den Anfang zurückgesetzt wird, weil der Checkpoint nicht funktioniert. Wir haben es des öfteren erlebt, dass Wachen an uns vorbei gelaufen sind, wir sie aber nicht ausschalten konnten, da keine Interaktion möglich war. Daraufhin hat sich die Wache umgedreht und uns im Gegenzug ausgeschaltet. Selbiges gilt für Interaktionen auf Treppen oder durch Wände. Es ist möglich, warum auch immer, sich unbeabsichtigt durch eine Wand zu glitchen, weil dahinter eine Wache steht und diese dann umzubringen. Schade nur, wenn in dem Raum noch fünf weitere Wachen stehen. Manuelle Speicherpunkte wären hier wirklich sinnvoll gewesen.

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Es gibt definitiv viele verschiedene Wege um ein Level abzuschließen, die man auch teilweise erst im Nachhinein findet. Es erweist sich als durchaus schwierig unter Druck den richtigen Weg zu finden, um alle Wachen zu vermeiden. Sollte man den brutalen Weg wählen, so fallen danach immer wieder Wege auf, die der Spieler hätte einschlagen können, um den Großteil der Wachen zu umgehen. Es ist ohne Zweifel möglich den Großteil, wenn nicht sogar alle Wachen, zu umgehen, wenn auch auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Hier ensteht eine Vielfalt von Optionen, die alle ihre eigenen Vor- und Nachteile haben.

Die Optik

Aragami spielt augenfällig im asiatischen Raum. Zumindest in den ersten Level finden sich häufig Schreintore, Pagoden und klassische japanisch-asiatische Baustile. Die Architektur der Kaiho, die man später im Spiel zu Gesicht bekommt wirkt deutlich steriler, regelmäßiger und durchweg grau. Die Optik von Aragami ist stark stilisiert und wirkt schon fast Comichaft, aber trotzdem stimmig. Besonders die starken Kontraste zwischen den beleuchteten Gebieten tragen zu dem comichaften Aussehen bei. Die Beleuchtung teilt sich grob in drei Stufen ein. Schatten, natürlich beziehungsweise indirekt beleuchtet und beleuchtet. Als Aragami möchte man sich natürlich vorwiegend im Schatten aufhalten und nur  notgedrungen ins Licht.

Die einzelnen Texturen und Objekte sind zwar nicht besonders Detailreich, gehen aber flüssig ineinander über, sodass ein stimmiges und optisch ansehnliches Gesamtbild entsteht. Der Soundtrack ist über weite Strecken eher leise und ruhig, wird allerdings hektischer sobald der Spieler die Wachen auf sich aufmerksam macht oder entdeckt wird. Die Soundeffekte sind wirkungsvoll inszeniert und stechen besonders hervor, wenn der Spieler Geräusche durch das Töten von Wachen verursacht. Durch den ruhigen Soundtrack fühlt sich das Verursachen von Geräuschen umso gefährlicher an, besonders wenn man nicht entdeckt werden möchte.

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Die Charaktere haben zwar eine vollständige Synchronisation mit Untertiteln, jedoch wurden die Dialoge in einer stimmigen aber unverständlichen Fantasiesprache synchronisiert, die teilweise japanisch klingt. In einer anderen Welt, mit der Armee des Lichts, Magie und Aragami, ist es durchaus sinnvoll eine Fantasiesprache zu benutzen, zudem diese durchaus positiv zu der Stimmung beiträgt.

Allwissende Kaiho

Stealth Spiele wie Aragami oder auch Mark of the Ninja bauen natürlich auf eine künstliche Intelligenz auf, die zumindest halbwegs nachvollziehbare Aktionen ausführt. Die Wachen und Bogenschützen der Kaiho reagieren sehr gut auf Geräusche und Leichen ihrer Kameraden. Besonders Bogenschützen versuchen zunächst das Gebiet mit den Lichtpfeilen zu erleuchten um sich einen Überblick zu verschaffen, während die Wachen vorsichtig mit gezogener Waffe um die Ecken schauen. Sollte  einmal eine Leiche entdeckt werden  wird sofort Alarm geschlagen und das Gebiet weiträumig durchsucht. Es passiert leider ab und zu, dass allwissende Wachen plötzlich in die Luft schauen und den Spieler ohne Probleme im Schatten sehen können. Selbiges gilt auch für die Unsichtbarkeit, welche kaum zu funktionieren scheint. Diese kleineren „Features“ ob gewollt oder nicht sorgen natürlich eher dafür, dass man als Spieler nie entdeckt werden möchte damit man nicht dem Zufall zum Opfer fällt. Wachen die mehrmals auf den Spieler aufmerksam wurden sind  zudem deutlich wachsamer und schlagen schneller Alarm.

Eine weitere Fähigkeit erlaubt es die Leichen der Kaiho verschwinden zu lassen. Dabei versinken die Leichen der Kaiho samt Waffe in den Schatten wobei eine Blutpfütze zurückbleibt, die andere Wachen allerdings nicht weiter zu stören scheint. Hierbei handelt es sich im besten Falle allerdings nur um einen Texturfehler, der trotzdessen leicht störend wirkt. Warum sollten die Wachen das verschwinden ihrer Kameraden ignorieren, wenn auf dem Boden auf riesige Blutpfütze liegt? Einige Wachen scheinen allerdings exakt zu wissen wo der Spieler sich gerade befindet und was passiert. Besonders merkwürdig ist es, dass Wachen ein Stockwerk über oder unter dem Spieler  auf Geräusche aufmerksam werden obwohl sie doch normalerweise wissen sollten, dass ihre Kollegen dort patroullieren.

Insgesamt ist die KI allerdings ordentlich und benötigt hier und dort noch ein wenig Feintuning um kleinere Macken auszubügeln.

Problematische Steuerung

Bei unserem Testsystem handelt es sich um die Playstation 4 und das zeigt sicht auch deutlich in der Steuerung und Performance. Der Spieler teleportiert sich von Schatten zu Schatten, indem er auf die jeweilige Stelle zielt und dann die rechte Schultertaste drückt. Problematisch wird es dann allerdings, wenn der Aragami sich auf eine höhergelegene Ebene teleportieren möchte. Dazu muss mann mit dem Fadenkreuz auf die Kanze gezielt werden, was sich teilweise als Fummelarbeit erweist. Sobald man sich auf die Platform teleportierte könnte wird ein Pfeil nach oben anstatt des normalen Fadekreuzes angezeigt.  Es ist allerdings teilweise der Fall, dass dieses Gebiet nur wenige Pixel breit ist, sodass man mehrere Anläufe oder sogar Minuten benötigt, um den richtigen Punkt zu treffen. Erschwerend kommt hinzu, dass man an manchen Stellen zuerst Schatten erzeugen muss um sich zu teleportieren. Dementsprechend frustrierend fällt dies teilweise aus, da Wachen natürlich patrouillieren und Eile geboten ist. Sollte man diesen Punkte einmal nicht treffen teleportiert man sich gerne mal unter die Decke oder an die Wand, was unangenehme Konsequenzen haben kann.

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Zusätzlich beansprucht die Beleuchtung die Hardware der PS4 so sehr, dass in beleuchteten Gebieten deutliche FPS Einbrüche zu sehen sind. Es fängt an zu ruckeln, was nicht gerade dabei hilft die Wachen auszuschalten oder sich in Sicherheit zu begeben. Die FPS fallen in machen Gebieten deutlich unter 24 Bilder pro Sekunde. Wir konnten leider keinen Vergleich zur PC-Version ziehen gehen aber davon aus, dass sowohl Steuerung als auch Performance deutlich besser sind. Insgesamt sind Steuerung und Performance abgesehen von den Problemen mit den Checkpoints und einigen kleineren Bugs das größte Manko.  Vermutlich ist die Beleuchtung einfach zu viel  für die PS4 Hardware wobei die schlichte Grafik eigentlich eine gute Performance erlaubt haben sollte.

Die Spieloptionen glänzen allerdings mit zusätzlichen Optionen wie einem Sichtfeldslider und aktivierbarem V-Sync zur Reduktion von Tearing-Effekten.

Aragmi macht vieles richtig, hat allerdings auch einige kleinere und mittelschwere Macken, die sich durch das Spiel ziehen und durchaus frustrierend sein können. Aus Fehlern lernt man bekanntlich allerdings am meisten und so hoffen wir, dass der ein oder andere Fehler noch ausgebügelt werden kann.

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Wertung
Gameplay60
Story75
Inszenierung85
Genre-Wertung75
Visualisierung80
Sounddesign75
Bedienung40
Feedback70
Entschlacktes, übersichtliches Interface
Interessante Story
Viele Spieloptionen u.a. Sichtfeld Slider
Hoher Wiederspielwert durch verschiedene Spielstile
Wenige Checkpoints, die teils nicht funktionieren
Deutlich spürbare FPS Einbrüche in beleuchteten Gebieten
Allwissende Gegner
Kleine Bugs, die schnell im Tod resultieren
70
Schattig
Fazit
Insgsamt macht Aragami stilistisch und optisch viel her ohne eine eindrucksvolle Grafik zu präsentieren. Die Geschichte hangelt sich von Level zu Level und schafft es dabei immer wieder neue Motivation zu schaffen, die dazu einlädt weiter zu spielen. Steuerung und Performance sind zumindest auf der PS4 Verbesserungswürdig und das Speichersystem sollte dringendst verbessert werden um Frustration zu vermeiden. Alles in allen ist Aragami trotz einiger Bugs und Probleme mit Performance und Steuerung ein solider Titel, den ihr euch als Fan von Stealth-Games nicht entgehen lassen solltet.