Groß, gefährlich und eine atemberaubende Schönheit ist das von uns so weit entfernte Land Australien. Groß ist auch die Spielwelt von Forza Horizon 3 und wunderschön ebenfalls. Gefährlich, nun das eher weniger, aber ein tolles Rennspiel ist es trotzdem, richtig? Richtig!

Gerade einmal vier Jahre alt ist die Forza Horizon-Reihe und nun kam am 27. September der bereits dritte Teil in die Läden. Der zweite Teil, der von mir bereits vor zwei Jahren getestet wurde, kam damals auf die bärenstarke Wertung von 94% und ob das nun Forza Horizon 3 noch übertreffen kann, das erfahrt ihr hier in unserem Test zu Forza Horizon 3.

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Auf großer Reise

Nach Colorado, USA, (Horizon) und Südfrankreich und Norditalien (Horizon 2) dürfen wir nun das Horizon Festival in Australien unsicher machen. Doch anders als in beiden Vorgänger sind wir nun der Boss des Festivals. Dadurch bekommt man einige Freiheiten, die es im Vorgänger nicht gab, dazu aber später mehr.

Das Szenario und die Spielwelt von Horizon 3 sind dabei so abwechslungsreich wie noch nie. Das große und weite Outback, eine Großstadt die „Surfers Paradise“, und an Sydney erinnert, genannt wird, eine kleine Küstenstadt mit den Namen „Bryon Bay“ und der Dschungel, wo am Rand davon sich Felder und kleine Farmen tummeln, bieten eine umfangreiche Kulisse. Wer also nach viel optischer Abwechslung in Rennspielen sucht ist bei Horizon 3 goldrichtig. Dass es dabei noch fantastisch aussieht ist wohl die Kirsche auf der Sahnetorte. Zusätzlich gibt es natürlich auch in Australien wieder Regen, pitschnasse Straßen oder dunkle Nächte im Outback. Der Tag und Nachtzyklus sah in Horizon 3 jedenfalls noch nie besser aus und wer Scheunenautos wieder finden möchte, der darf sich auf viele alte Fahrzeuge freuen. Allgemein wirkt die Spielwelt lebendiger und intensiver als in den Vorgängern.

Als frischgebackener Horizon-Boss müssen wir uns aber nicht mit Zahlen oder der Planung des Festivals konzentrieren. Das überlassen wir glücklicherweise unserer Assistentin Keira, die uns nicht nur viel am Anfang beibringt, sondern auch das gesamte Management übernimmt. Wir als Boss müssen nun nur noch dafür sorgen, dass das Festival gut besucht wird und das machen wir, indem wir Fans gewinnen. Neben Exp und Credits gibt es nun die dritte Währung Fans. Diese gewinnt man durch Abschlüsse von Rennen oder Meisterschaften, indem man die Aufgaben der Löffelliste abschließt oder einfach nur spektakulär durch die Gegend fährt und dadurch Radarzonen oder Driftstrecken absolviert. Unterstützung bekommt man dabei von seiner Crew, das sind Drivatare, die ebenfalls wieder dabei sind, die man anheuert. Davor muss man sie jedoch im 1 vs. 1-Rennen schlagen. Fahren eure Angestellten in Rennen von anderen Spielern mit gibt es Credits, Exp und Fans für euch.

Ihr als Boss habt jedoch auch nun deutlich mehr Freiheiten. So habt ihr auch die Wahl wo ihr das nächste Festival errichten wollt, welches ihr erweitern möchtet, um neue Strecken uvm. freizuschalten, welche Rennen in einer Meisterschaft sind oder welche Fahrzeuge man benutzen darf. Dabei helfen euch die Blaupausen, die ihr sowohl bei Rennveranstaltungen als auch bei der Löffelliste erstellen könnt. Ein Streckeneditor ist es nicht, aber ansonsten könnt ihr so gut wie alles einstellen, so wie ihr es wünscht. Ob Rundenzahl, Wetter- oder Tagesverhältnis, Fahrzeugtypen oder ein Zeitlimit. Ihr habt die Wahl.

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Viel Spaß auf und neben der Straße

Schon im Vorgänger war das Fahren neben der Straße eine große Sache und die wird in Horizon 3 noch einmal verstärkt und das Outback ist dafür der perfekte Ort. Das liegt nicht nur an mehr Offroad fähigen Fahrzeuge sondern an der Spielwelt an sich. Quer durch den Regenwald oder das Outback zufahren fühlt sich intensiver und erfrischender an, als die Weizenfelder oder Weinstöcke aus Horizon 2. Jetzt geht es auch mal quer durch einen Fluss, man springt von einer Klippe ins kalte Nass oder rauscht mit 120 Sachen durch ein Sägewerk am Rande des Regenwalds. Es ist schlichtweg stimmungsvoller und spaßiger als im Vorgänger.

Bezüglich der Abwechslung der Rennevents sollte Playground Games aber in einem potenziellen vierten Teil noch nachbessern. Zwar gibt es mehr als im direkten Vorgänger, aber hauptsächlich stützt es sich auf Rundkurse und Sprintrennen. Zwar gibt es jetzt auch mehr oder weniger illegale Straßenrennen, mit Ausnahme der ständigen Betonung darauf, dass diese nicht ganz legal sind – was jedoch keinerlei Auswirkungen hat – und der Tatsache, dass diese auch nur nachts stattfinden, unterscheiden sie sich im großen und ganz nicht von den normalen Festival-Events. Anders sind hingegen dann doch die Nachtduell. Diese schaltete man erst durch absolvieren von Straßenrennen frei und ist ein 1 vs. 1-Rennen. Gewinnt ihr das Rennen bekommt ihr das Auto eures Kontrahenten. Das ist schon recht cool.

Klasse inszeniert und spannend sind hingegen wieder die Showrennen. Die fünf Stück, die es bisher gibt, sind allesamt originell und sind eine willkommene Abwechslung zu den normalen Festival-Events. Hier spürt man von den reinen Rennevents noch am ehesten, dass Forza Horizon etwas ganz besonderes und eigenständiges ist.

Online kommt natürlich wieder einiges anders. Hier gibt es Fun-Events wie „King of the Hill“ oder „Infektion“, es gibt Speedrennen oder die ganz normalen Rennevents. Wenn ihr mit eurem Club fahren möchtet ist auch das möglich und der Koop-Modus ist ganz neu, denn mit diesem könnt ihr eure gesamte Kampagne gemeinsam absolvieren. Online ist es also wieder eine echte Gaudi.

Abseits von Rennevents gibt es da noch die Löffelliste – wer hat sich diesen Namen ausgedacht? Diese gab es bereits zuvor und sind besondere Herausforderungen. Hier müsst ihr eine Strecke in einer bestimmten Zeit zurücklegen, einen waghalsigen Sprung absolvieren oder möglichste viele Punkt sammeln und das in einem vorgeschriebenen Auto. Sie sind noch etwas umfangreicher als im Vorgänger und können auch mal ganz schön knackig werden. Zum Start gibt es bisher 30 Aufgaben, aber auch hier gibt es einen Blaupausen-Modus, wodurch ihr eure eigenen Herausforderungen erstellen könnt. Hierbei habt ihr etwas mehr Freiraum als bei den normalen Rennevents.

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Fahr wie du möchtest

Vom spielerischen hat sich zu dem Vorgänger nur im Detail was geändert. Die Umgebungen auf dem ihr fahrt wurde aber noch besser verwirklicht und ähnelt nun mehr dem was Forza Motorsport 6 erreicht hat. Man spürt den Druck, wenn man durch Wasser rauscht, den unebenen Boden, wenn ihr durch den Dschungel oder das Outback rast und merkt wie euer Auto bei hohem Tempo euch langsam entgleitet, wenn ihr nicht aufpasst. Auf nassen Straßen brecht ihr in Kurven deutlich mehr aus und ein kleiner Schwenker kann schon euer Auto in einen Baum befördern. Letztendlich ist es deutlich realistischer und auch wenn das Fahrgefühl immer noch etwas arcadig ist, so habt ihr durch verschiedene Optionen die Möglichkeit es recht nah an einer Simulation zu bringen. Ganz an Forza Motorsport kommt es dann jedoch dennoch nicht heran. Das muss es aber auch nicht, denn das Fahren durch Australien macht mit jedem Wagen spaß, auch weil sich jeder etwas anders steuert.

Wie schon weiter oben erwähnt, sind die Drivatare wieder mit am Start. Und im Grunde hat sich nicht so viel zum Vorgänger geändert. Auf niedrigeren Schwierigkeitsgrad sind sie deutlich weniger aggressiv und wirken eher passiv, auf hohen Schwierigkeitsgrad hingegen drängen sie einen auch mal von der Straße ab. Allerdings hängt das auch vom Fahrer ab, an dem sich der Drivatar richtet. Es ist weiterhin eine tolle Sache und ist um weiten besser als die Gummiband-KI von anderen Rennspielen.

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Xbox One zu schwach?

Erinnert ihr euch noch an Sätze wie „die aktuellen Konsolen hinken bereits hinterher“ oder „die Xbox One ist zu schwach“? Na ja, dann zeigt diesen Leuten mal Gameplay von der Xbox One-Version von Forza Horizon 3. Horizon 3 sieht einfach umwerfend aus. Egal ob es die vor Details strotzenden Automodelle sind, die unglaubliche Spielwelt, die sich vor keiner anderen verstecken muss oder der Himmel, der tatsächlich in Australien über ein Jahr lang mit 12K-Kameras aufgenommen wurde und deshalb so verdammt gut aussieht. Ob es Tag oder Nacht ist, Regen oder Sonnenschein, Horizon 3 übertrumpft Horizon 2 optisch in allen Belangen, selbst wenn es größtenteils nur Details sind. Aber die machen es hier wirklich aus.

Auf der Xbox One läuft Horizon 3 lediglich in 30 FPS, auf dem PC hingegen unbegrenzt, aber das dermaßen konstant und flüssig, dass es kaum auffällt. Zumindest geht es mir so. Zudem gibt es jetzt in eurer Werkstatt die Forzavista-Ansicht. Steigt in euren heißgeliebten Ferrari California T aus dem Jahre 2014 oder in sämtlichen anderen Autos ein und seht sie euch in ihrer vollen Pracht an. Egal ob auf dem Fahrersitz, Rücksitz, im inneren der Motorhaube oder einfach nur von außen. Die Autos sehen einfach zum Anbeißen aus und widerspiegeln wirklich den Begriff „Autoporno“. Wer Auto-Fan ist muss dies einfach mal gesehen haben. Für die Motorsport-Reihe ist sie nicht neu, für Horizon hingegen schon und sie fügt sich perfekt ins Geschehen ein.

Da wir ja gerade bei der Technik sind kann ich auch noch über den Sound und Soundtrack sprechen. Die acht unterschiedlichen Radiosender runden das optisch nahezu perfekte Erlebnis nämlich rund um glücklich ab. Auf was ihr auch steht, ihr bekommt es egal ob mit Electro, Pop, Punk, Rock oder Klassik ihr habt die Wahl. Und sollte doch etwas nicht ganz zu eurer Zufriedenheit sein, dann dürft euch Groove-Musik helfen. Der hauseigene Musikstreamingdienst von Microsoft bietet euch Millionen von Songs an, Voraussetzung um eure eigene Musik in Horizon 3 hören zu können ist ein gültiger kostenpflichtiger Groove Musik-Pass. Aber auch ohne diesen bietet euch Horizon 3 insgesamt 150 Songs über die acht Radiosender an.

Der Sound von den Fahrzeugen ist hingegen wirklich klasse und hört sich richtig gut an. Der Motor grollt, aus dem Auspuff entstehen kleine knackige Stichflammen und die reifen quetschen wunderschön in den Kurven. Sowohl akustisch als auch visuell ist Horizon 3 noch einmal besser als Horizon 2 und das war bereits herausragend gut.

Zu viel des Guten?

Während euch Horizon 2 noch von Meisterschaft zu Meisterschaft geschleppt hat, bietet euch Horizon 3 die vollkommene Freiheit an. Denn das Spiel überflutet euch regelrecht mit Rennevents, Nebenaktivtäten oder der Löffelliste. Wem es in Horizon 3 langweilig wird, für den sind Open-World-Rennspiele wohl einfach nichts. Allerdings wirkt man irgendwann auch etwas überfordert, weil eure gesamte Karte beinahe mit Icons voll ist. Das kann schon etwas frustrieren und erinnert etwas im schlechten an die Karte von Spielen wie Assassin’s Creed, wo man vor lauter Icons seine Hauptmission nicht mehr findet. Auch wenn nach und nach immer mehr freigeschaltet wird, wäre etwas mehr Aufteilung wünschenswert gewesen. Zumindest geht es mir.

Bezüglich des Gefühls von „der Qual der Wahl“ könnt ihr im Übrigen jetzt auch euren eigenen Avatar auswählen. Erstellen wie in einem Rollenspiel ist nicht möglich, aber ihr habt die Wahl zwischen einigen Charakteren, für den oder die ihr auch einen Namen auswählen könnt. Dabei gibt es hier einige wirklich skurrile, wie Neo oder Kevin.

Noch viel mehr Wahl habt ihr bei der Möglichkeit euer Auto zu gestalten. Nicht nur technisch könnt ihr euren Flitzer zu Höchstleistungen anreiben, indem ihr neue Teile kauft oder beim Feintuning unterschiedliche Regler feststellt, sondern auch optisch ist wieder einiges geboten. Egal ob ihr selbst euren Wagen lackieren und bekleben möchtet oder ihr von anderen Spielern Designs herunterladet, kein Wagen wird jemals exakt derselbe sein. Viel mehr geht kaum, es sei denn man möchte Neonlichter an sein Auto befestigen. Das geht leider nicht. Ansonsten lässt sich aber so gut wie alles finden oder erstellen.

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Wertung
Gameplay100
Inszenierung90
Genre-Wertung100
Visualisierung90
Sounddesign100
Bedienung90
Feedback100
Positiv
Tolle und abwechslungsreiche Spielwelt
Technisch auf Hochtouren
Fetziger Sound und Soundtrack
Viel Abwechslung
Herausragende Individualisierungsmöglichkeiten
Koop-Kampagne möglich
Negativ
Zu viele Icons auf einmal
Rennevents zu normal
96
Pure Autoliebe
Fazit
Forza Horizon 2 ist bereits eines meiner absoluten Lieblingsrennspiele. Forza Horizon 3 übertrifft seinen hervorragend Vorgänger in allen Belangen jedoch noch. Es ist derzeit sogar eines meiner Lieblingsspiele und reiht sich nun in eine Liste von Mass Effect 2, BioShock Infinite, Guild Wars 2 oder Life is Strange ein. Technisch ist es oben auf und bietet eine tolle Spielwelt, mit viel Abwechslung, sowohl optisch als auch bei den Aktivitäten. Etwas mehr Fun-Events, wie im Online-Modus, wären gut gewesen, aber auch so dürfte es nie langweilig werden, weil man immer etwas zu tun hat. Das Boss-Gimmick ist ganz nett, ist aber auch noch ausbaufähig, allerdings hat man mehr Freiheiten als je zuvor und Sound und Soundtrack sind hingegen einfach wieder grandios. Keine Frage, Playground Games und Microsoft liefern hier die fetteste Autoparty ab, die es bisher jemals gab. Selbst keine Auto-Fans dürften mit Horizon 3 je Menge Spaß haben.