Keiji Inafune hat nach Mega-Man, Onimusha und vielen anderen Spielen und dem leider doch enttäuschenden Mighty No. 9  eine neue IP mit ReCore erschaffen. Gemeinsam mit ehemaligen Entwicklern von Metroid Prime soll nun jedoch ReCore ein Hit werden. Ob das gelingt, erfahrt ihr in unserem Test.

Am 16. September erschien das Action-Adventure ReCore in Europa, bereits einige Tage zuvor in Nordamerika und Australien, für Xbox One und PCs mit Windows 10. Die Ausgangslage ist für das Spiel hierbei gar nicht so schlecht. Fähige Leute arbeiteten am Titel, ein großer Publisher (Microsoft) finanzierte es und doch hat ReCore einige Ecken und Kanten, die wir euch hier in diesem Test zeigen möchten. Die  positiven Dinge wollen wir jedoch auch nicht unter einen staubigen Teppich kehren.

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Kein herzliches Willkommen auf Neu-Eden

Die Geschichte von ReCore beginnt recht merkwürdig. Protagonistin Joule ist aus ihrem langen Tiefschlaf erwacht, den wir jedoch nicht zu sehen bekommen, und gehört als Ingenieurin zu einem Team, das den Planeten Neu-Eden für die Menschheit vorbereiten soll. Die Erde ist nämlich durch eine Katastrophe unbewohnbar geworden und durch Terraforming soll nun der Sandplanet Neu-Eden zur neuen Heimat der Menschheit werden.

Doch etwas geht schief. Die Kern-Bots, die den Menschen beim Terraforming helfen sollten, wurden korrumpiert und Joule erwacht Jahrhunderte zu spät. Gemeinsam mit ihrem Roboterhund Mack geht sie nun dem Geheimnis von Neu-Eden auf die Spur.

Der Plot klingt auf dem Papier sehr spannend und wäre auch toller Stoff für einen Sci-Fi-Film. Doch leider fehlt es der Geschichte an Tiefe. Zum einen liegt es daran, dass wir einfach so in das Spiel hineingeworfen wurden. Hätte man das Erwachen von Joule erlebt und wie sie realisiert, dass etwas auf Neu-Eden nicht stimmt, würde man deutlich eher mit ihr mitfühlen können. Doch Joule scheint der Umstand von einem beinahe allen Menschen verlassenen Planeten nicht viel auszumachen. Die Inszenierung verläuft auch im weiteren Verlauf recht steif und die Geschichte wirkt an einigen Stellen arg gestreckt und konstruiert. Zudem fehlt auch eine charakterliche Entwicklung bei Joule komplett. Es fehlt ihr stellenweise einfach an Persönlichkeit, an etwas, bei dem man bei ihr mitfühlen möchte. Der einzige Lichtblick bei den Charakteren sind ihre Roboter-Begleiter. Diese sind nicht nur essenziell für das Gameplay, sondern haben wirklich eine Persönlichkeit. Mack, der Hund, ist aufgeweckt und sehr treue. Die Spinne Seth hingegen wirkt wie eine echte Spinne. Er ist etwas ängstlich und so zieht es sich bei den anderen weiter durch, wie ein roter Faden.recore

 

Anvisieren und Feuer

Für das Gameplay sind die Roboter-Begleiter durchaus von Bedeutung. Nicht nur, dass sie mit Joule gegen andere Roboter kämpfen, sie haben auch alle unterschiedliche Fähigkeiten. Während Mack die Fähigkeit hat, in einem kurzen Radius nach versteckten Objekten zu suchen, kann Seth an speziellen Wänden uns tragen, wodurch wir an neue Orte gelangen. Der Gorilla ähnliche Duncan hingegen kann große Steine zerschmettern, die uns im Wege stehen. Dadurch können wir auch in alte Gebiete zurückkehren und neue Orte erkunden.

Die Kämpfe hingegen sind im Kern doch sehr einfach gehalten. Selbst zielen müssen wir nicht. Durch das Anvisieren treffen wir, solange der Gegner nicht ausweicht, immer automatisch das Ziel. Durch eine aufgeladenen Schuss lassen sich die Schilde brechen, wodurch man ab einem bestimmten Punkt in der Lage ist den Kern des gegnerischen Roboters herauszuziehen. Dadurch werden sie ohne weitere Umschweife zerstört. Bei Boss Gegnern, von denen es einige gibt, ist dies sogar der einzige Weg sie zu besiegen. Den Schüssen und Fähigkeiten der Gegner kann man durch hüpfen und seinem Dash sehr gut ausweichen. Das sollte man auch, denn viel hält Joule nicht aus. Bei den Kämpfen unterstützen euch eure Begleiter zudem sehr tatkräftig. Außerdem gibt es noch unterschiedliche Munition. Sind die Gegner blau, dann ist die blaue Munition besonders effektiv gegen sie. Sind sie rot, dann ist die rote Munition die erste Wahl. Diese kann in den Kämpfen mit einem Tastendruck gewechselt werden. Dadurch kommt gemeinsam mit der Mechanik der Kerne herausziehen etwas  Tiefe in die Kämpfe.

Die flotten Kämpfe sind durchaus eine Stärke von ReCore. Gleichzeitig aber auch eine Schwäche, denn nach einigen Stunden fühlen sich die Kämpfe, mit Ausnahme der Boss Gegner, repetitiv an. Sie sind dann nur noch eine Herausforderung, wenn besonders viele Roboter gegen euch bekämpfen. Es fehlt dann irgendwann schlichtweg an Abwechslung. Die Hüpfeinlagen sind dabei nur ein kleiner Trost, denn durch die stellenweise schwierige Kameraperspektive gibt es einige Stellen, an denen man unabsichtlich in den Tod stürzt oder in Kämpfen zwischen einem Gegner und einer Wand eingeklemmt ist. Leider sind die Ladezeiten auch unerträglich lang und können durchaus mal zwei Minuten dauern, weshalb ein Tod durchaus doppelt frustrieren kann. Gleichzeitig ist die Steuerung bei den, manchmal Millimeter genauen, Hüpfeinlagen ein Problem. Sowohl die Kämpfe als auch die Hüpfeinlagen machen Spaß, aber irgendwann ist die Luft raus. Der letzte Schlief hat bei beiden dann doch gefehlt.

 

Nicht zum erkunden geeignet

Die größtenteils offene Spielwelt, die sich in mehrere Gebiete aufteilt, ist übersäht von Sand, Steinen und Trümmerhaufen. Es gibt mit Ausnahme von Hüpfeinlagen; Kämpfen; Sprachnachrichten, die mehr zum Hintergrund erzählen; und den Dungeons kaum sehenswertes in der Welt. Die wenigen freundlichen Gesichter die man mit Joule trifft bieten zudem auch keinerlei Nebenhandlungen. Die Dungeons sind hingegen recht spannend und bieten eben ihrer optischen Abweichungen vor allem einige Herausforderungen in Sachen Kämpfe und Sprungeinlagen. Am Ende erwarten uns Belohnungen in Form von neuen Bauplanen zur Verbesserung von Joules Begleitern, Crafting Gegenständen und Kernfragmente, die zur Verbesserung der Statuswerte von Mack und Co. benutzt werden. Das Levelsystem funktioniert im Grunde recht gut, doch Joule lässt sich selbst kaum verbessern. Zwar macht sie durch Levelaufstiege, wie auch ihre Begleiter, mehr Schaden, doch wirkliche Anpassungen kann man an ihr nicht vornehmen. Ganz anders bei ihren Begleitern. Durch neue Ausrüstung machen sie mehr Schaden, haben bessere Schilde und ihre Fähigkeiten werden besser, zudem bekommen sie einen neuen Anstrich.

Technisch zählt ReCore definitiv nicht zu den Glanzleistungen. Auch wenn die Lichtstimmung, besonders in den Höhlen wo Kristalle an den Wänden wachsen, sehr stimmungsvoll und passend ist. Andererseits gibt es hin und wieder Frameeinbrüche und matschige Texturen. Die Spezialeffekte sind hingegen ganz in Ordnung. Optisch und Inhaltlich lädt aber ReCore, mit Ausnahme der Dungeons, kaum zum Erkunden ein. Was schade ist, aber auch dem kargen und verlassenem Setting geschuldet ist.

Was den Sound angeht, so stimmt die Soundkulisse. Eure Begleiter sprechen kein verständliches Wort und doch tragen sie viel mit ihren Geräuschen zur Atmosphäre und ihren charakterlichen Zügen zum Geschehen bei. Joule hingegen versteht sie ja. Auch eure Waffe und ihre unterschiedlichen Munitionen hören unterschiedlich und differenziert an. Die Atmosphäre wird durch ihre Sounds gut eingefangen, die Stimme von Joule hingegen ist etwas schwach. Sie ist okay, aber echte Emotionen vermisst man etwas, was aber zugegebenermaßen auch ihren Dialogen liegt.

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Wertung
Gameplay75
Story40
Inszenierung35
Genre-Wertung70
Visualisierung75
Sounddesign75
Bedienung70
Feedback70
Interessante Begleiter
Flotte Kämpfe
Abwechslungsreiche Boss Gegner
Gute Atmosphäre
Technisch nicht ausgereift
Viel verschenktes Potenzial
Schwach inszeniert
Keine Charakterentwicklung
Story unspannend erzählt
64
Potenzial verschenkt
Fazit
ReCore ist ein Spiel, das wie einige andere ein typisches Erstlingswerk bei Microsoft ist. Bereits Sunset Overdrive oder Alan Wake waren in ihrem Kern gute bis sehr gute Spiele, aber der letzte Schliff hat gefehlt. Bei ReCore ist es jedoch noch etwas tragischer, denn der Plot und das Setting, die Charaktere und das Gameplay bieten wirklich viel Stoff. Doch das Potenzial bleibt bei allem auf der Strecke. Alles hätte besser werden können, wenn man noch etwas mehr Zeit gehabt hätte. Einige Dinge wie die Performance, die Probleme mit der Kamera oder die langen Ladezeiten ließen sich durch einen Patch beheben, aber so wie es auf den Markt kam, wirkt es unfertig. Letztendlich ist es ein guter Versuch in einem beinahe toten Genre der 3D-Plattformer. Wer Fan von Metroid Prime ist, darf durchaus bei ReCore zugreifen und wird auch seinen Spaß haben, alle anderen sollten wohl noch etwas warten. Auch wenn 40 Euro für 10-12 Stunden schon okay sind. Es ist schade für das Potenzial des Spiels und für Mack, der sehr sympathisch ist, denn größtenteils macht es schon Spaß.