Virtual Reality Gadgets haben, besonders in den vergangenen Monaten, erheblich an Fahrt in den Medien aufgenommen. Interessenten von Oculus, Hive und Co müssen für ein grandioses, immersives Erlebnis allerdings tief in die Tasche greifen und gleichzeitig einen erheblichen Hardwareaufwand betreiben. Aber es kann auch einfacher gehen.

In Zusammenarbeit mit dem Produktportal verbraucherwelt.de haben wir zwei wertige VR-Alternativen unter die Lupe genommen. Zum einen befassen wir uns heute mit einer Pappvariante, der Magic Cardboard 2.0, sowie der herstellergleichen Magic Cardboard X22. Beide Brillen sind grundsätzlich (nur) Gadgets, die für den Gebrauch am Smartphone bestimmt sind. Wir haben, über Umwege, allerdings die Möglichkeit auch Desktop Anwendungen über das Cardboard wiederzugeben. Hierbei steht dann ein gewisser Streaming Faktor im Vordergrund. Hier konzentrieren wir uns aber lediglich auf die mobile Anwendung.

 

Magic Cardboard 2.0

Variante: Pappe

Preis: 8,99€

Größe: bis 6 Zoll

Magic Cardboard X-22

Variante: Hardplastik

Plastik: 22,99€

Größe: 4,7 – 6,5 Zoll

 

Oculus, Hive und Co sind auf dem Desktop hauptsächlich für Spieleabenteuer bestimmt, Cardboards hingegen setzen grundsätzlich auf passive Anwendung. Heißt: Videos und Point ’n‘ Click. Das Manko bei Google Cardboard Brillen ist dabei der Umgang mit dem Gerät selbst. Zum Teil werden die Apps mit Bewegung und Gesten gesteuert, teilweise müssen aber auch Controller herhalten oder über einen einfachen Magnet-Mechanismus das Smartphone bedient werden. Letzteres stellt sich bei der Pappvariante leichter dar, als mit der Plastikvariante, von der man eigentlich eine bessere Umsetzung erwartet. Aber fangen wir von ganz vorne an.

 

Setup
Im folgenden werden die beiden Brillen nach Suffix benannt. Die Variante aus Pappe heißt demnach schlicht 2.0, die Hardplastik Variante nur X-22. Aufgrund der zwei Testexemplare, die uns bei unserem Test zur Verfügung standen, bewerten wir beide Modelle nicht einzeln, sondern stellen sie sich gegenüber und lassen sie gegeneinander antreten.

Die 2.0 kommt in einer schlichten Plastikverpackung daher, in der sich die noch nicht zusammengebaute Brille befindet. Anhand eines Einschubs wird die Brille geschützt und kann, mit etwas Fummelei, auch nach dem Gebrauch wieder benutzt werden. Die Anleitung auf der Rückseite der Schutzpappe ist zwar sehr minimal gehalten, die Brille lässt sich aber dennoch schnell und einfach zusammenbauen. Es müssen dabei lediglich ein paar Klettverschlüsse zusammengesetzt werden und die Haltebänder angeklebt werden. Der doppelseitige Tesafilm befindet sich aber im Lieferumfang. Die 2.0 ist dann nach wenigen Handgriffen einsatzbereit. Weiter zur X-22.

Magic Cardboard 2.0 mit schützendem Umschlag

Magic Cardboard 2.0 mit schützendem Umschlag

Die X-22 kommt in einem hochwertigen Pappkarton, indem sich eine Anleitung, ein Schutztuch, die Brille und die Haltebänder befinden. Auch hier müssen einige Handgriffe erledigt werden bis die Brille bereit zum Benutzen ist. Anders wie bei der 2.0 muss hier nichts verklebt werden. Die Bänder werden einfach eingefädelt und mit dem Klettband befestigt. Optional lässt sich die Brille noch um ein Cover erweitern, dass die Immersion bei kleineren Handys verbessern soll. Wir haben diese Blende im Test nicht benutzt.

Beide Produkte sind gut verarbeitet. Die X-22 schlägt die 2.0 aber allein schon durch die Tatsache, dass sie nicht aus Kartonagen hergestellt ist. Dennoch macht die 2.0 einen stabilen Eindruck, ist nicht leicht zu verbiegen und hält einem gewissen Alltagsdruck stand. Bei längerer Benutzung wird das Material Wohl oder Übel aber nachgeben. Die X-22 besteht hingegen aus Hardplastik, das sich nicht verformen wird. An einigen Stellen wirkt die Brille dennoch etwas billig und kann nicht an jedem Punkt überzeugen. Die Haltebänder der X-22 sind hierbei aber deutlich komfortabler gestaltet als die der 2.0 und stören auch bei längerem Tragen nur bedingt. Bei größeren Köpfen kann es aber schon mal schmerzhaft sein, die Brille länger zu tragen, da sich die Gurte nur teils noch größer einstellen lassen, als die Klettverschlüsse es zulassen.

 

Sightseeing

Die zwei  „Visiere“ der 2.0 lassen sich nicht verstellen. Sie befinden sich fest in der Pappschale und tun ihren Dienst, können je nach Sichtigkeit aber Probleme machen. Kurzsichtige Personen sollten dabei weniger Bedenken haben. Die X-22 verfügt über zwei Optionen die Sicht zu verändern. Drehen wir an den Linsen können wir den Abstand zum Auge verändern und wirken einem Sehdefizit so entgegen. Die zweite Option sind Schieberegler unterhalb der Brille, mit denen wir den Augenabstand verändern können. Beim Test waren beide Funktionen sehr nützlich und praktisch für den jeweiligen Benutzer. Lediglich eine größere Schiebespanne hätten wir uns gewünscht.

Im Test haben wir diverse YouTube Videos in der VR-Variante benutzt. Außerdem riskierten wir einen Blick in folgende Apps: Jurassic VR, VR Roller Coaster, NVIDIA VR Viewer, sowie diverse weitere.

 

Handle it

Bei beiden Brillen ist der Einschub sehr einfach gestaltet. Bei der 2.0 wird das Handy seitlich eingeschoben und dann mit einem Gummiband fixiert. Festhalten sollte hier aber dennoch Pflicht sein, denn das Gummiband springt schnell ab und so landet das kostbare Smartphone vielleicht schneller auf dem Boden als man will. Bei der X-22 wird das Handy von hinten auf das Cover gedrückt und dann mit einer Art Hebel fixiert. Das hält bombenfest und ist kinderleicht. Um dem Handy die richtige Position zu geben befinden sich am Fuße der Befestigung kleine Positionsbalken, mit denen wir eine horizontale Ausrichtung ausüben können. Hier hält das Smartphone optimal und wir brauchen uns keine Gedanken über ein eventuelles Abfallen machen.

Magic Cardboard X-22 vollständig zusammengebaut

Magic Cardboard X-22 vollständig zusammengebaut

Ab dem Punkt der Befestigung wird es heikel. Die 2.0 verfügt über einen Magnetstreifen, den wir auslösen können, indem wir den Hebel oberhalb der Brille betätigen. So lässt sich das Smartphone steuern und wir können mit Apps interagieren. Bei der X-22 fehlt dieser Aspekt komplett. Es befindet sich rund um die Brille keine Möglichkeit eine Aktion auszuüben. Wir sind beim Plastikmodell also auf ein externes Steuerungsmodul angewiesen, oder nehmen das Handy jedes mal aus der Halterung. Bei umfangreichen Spielen und sogar bei kleinen Videos ist das total umständlich und nervt.

 

Immersion

Die 2.0 bietet im Gegensatz zur X-22 eine geringere Immersion, da sie nicht ganz Lichtdicht ist und verschiedene Lichtquellen durchlässt. In einem abgedunkelten Zimmer ist das aber kein Problem. Die X-22 ist komplett dunkel. Mit dem Cover lassen sich auch Lichteinwirkungen bei kleineren Smartphones verhindern. Durch die flauschigen Polster rund um die Brille bietet die X-22 einen guten Tragekomfort, die 2.0 hingegen schmerz schon nach wenigen Minuten. Die angeklebten Polster sind viel zu dünn und man spürt die Pappe bereits nach dem ersten Aufsetzen. Einen Nachteil haben die dicken Polster der X-22 aber. Die inneren Gläser der Brille beschlagen, besonders bei längerer Benutzung, recht schnell. Da helfen leider auch die kleinen Belüftsungsschlitze an der Stirn nichts.

Um eine optimale Immersion zu erreichen müssen beide Brillen in der Cardboard App eingetragen werden. Mit dem aufgeklebten QR-Code auf den Brillen dauert das nur wenige Sekunden. Beide Brillen bieten eine akzeptable Sicht, können aber Handybedingt pixelig erscheinen. Das ist dabei aber nicht die Schuld der Brille, sondern einfach ein Resultat aus der geringen Auflösung aktueller Smartphones. Auch Oculus und Co kämpfen mit diesen Problemen.

Durch die Abstandsoptionen der X-22 wirkt der Realismus in der benannten Brille deutlich besser. In der 2.0 entsteht schnell das Gefühl einer Kamera, durch dessen Sucher wir schauen.

 

Check!

Beide Brillen haben ihre Vor- und Nachteile. Der fehlende Knopf an der X-22 ist dabei das größte und auch fatalste Manko der Magic Cardboard Brille. Die 2.0 macht ihren Job, besonders in der Benutzung, deutlich besser, muss sich aber in Sachen Komfort und Immersion geschlagen geben. Für den Spaß zwischendurch reicht die 2.0 daher vollkommen aus. Die X-22 kann auch im längeren Gebrauch punkten, lässt sich dafür aber nicht anständig bedienen.

Über den Autor

Profilbild von Pascal Grawinkel

2009 habe ich mit und für euch PlayCrits gegründet. Seither informieren wir über die Welt der modernen Videospiele. Von mir gibt's dabei die Portion Action, Online und Roleplay. Allerdings nur auf dem PC. Sorry, Masterrace.

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