Nach langen Testphasen ging Overwatch nun endlich am 24. Mai für den PC, Playstation 4 und Xbox One an den Start und jetzt gibt es die Review zum Helden-Shooter aus dem Hause Blizzard. Darin klären wir auch die Frage, ob sich das Spiel zum Vollpreis lohnt.

Stellen wir zu Beginn dieser Review schnell eins klar: Overwatch ist kein MOBA und steht deshalb auch nicht zur Konkurrenz von Battleborn oder Smite. Tatsächlich ähnelt Overwatch eher Team Fortress 2 oder Arena-Shootern wie Quake und es ist ein Helden-Shooter mit verschiedenen Rollen: Offensiv, Defensiv, Konstrukteure, Scharfschützen, Tank und Support. Nachdem wir das einmal geklärt haben, gehen wir doch zum eigentlichen Test über und klären einmal auf wie sich Overwatch so spielt und was man so erwarten sollte und was nicht.

roadhog

 

Die perfekte Mischung

Zum Launch von Overwatch gehen 21 Helden an den Start. Wie bereits erwähnt gibt es hierbei verschiedene Rollen, die die einzelnen Charaktere erfüllen. Dabei hat jeder Charaktere seine einzigartigen Fähigkeiten, die anders als bei MOBAs von Beginn an verfügbar sind. Mit Ausnahme der Ultimativen Fähigkeit, die besonders stark ist und sich erst während dem Spiel auflädt. Die Rolle der einzelnen Charakter ist hierbei sehr wichtig, denn ein Match zu gewinnen ohne einen Tank oder Support im Team zu haben ist schwierig, wenn auch nicht unmöglich. Eine gute Mischung aus allen Klassen sorgt meist für höhere Erfolgschancen.

Allerdings ist es gelegentlich auch Situationsabhängig. Sollte man beispielsweise eine Fracht transportieren müssen, dann lohnt es sich für den Erfolg eher Winston oder Reinhardt als Tank zu nehmen, da sie beide Schilde haben und Winston sich auf die fahrende Fracht stellen kann und ein Schild um es herum erschaffen, das jeglichen Schaden blockiert. Gleiches gilt bei Reinhardt, der sich jedoch vor den Wagen stellt und seine Schildbarriere erschafft. Denn solange Helden in der Nähe der Fracht sind bewegt sie sich auch und Schilde wie die von Winston und Reinhardt helfen dort enorm weiter. Ein Tank wie Roadhog bringt da schon eher weniger. Er hat dafür andere Talente und Fähigkeiten. Wichtig ist zudem, dass man während eines Matches seinen Helden wechseln kann. Merkt man, dass der Gegner einen auskontert, so sollte man womöglich einen anderen Helden versuchen, da jeder Held gekontert werden kann und eine Schwäche besitzt. Für dieses Konzept ist es besonders von Bedeutung, dass sämtliche Helden sofort verfügbar sind und nicht erst freigeschaltet werden müssen.

Was die anderen Rollen angeht ist es recht offensichtlich was sie tun sollen. Offensive Charaktere verursachen den höchsten Schaden; Defensive sollen andere aufhalten und verlangsamen; Tanks stecken viel Schaden für das Team ein und beschützen die Schwächeren; Supporter bringen Schilde, Heilung oder Schadensbuffs oder ähnlich hilfreiches wie ein Portal mit sich; Scharfschützen erklären sich wohl von selbst und Konstrukteure bauen zum Beispiel kleine Geschütztürme oder sonstiges auf. Sie alle erfüllen diese Rollen mit ihren Fähigkeiten und bisher ist jeder Charakter nicht nur einzigartig auf seine Art, sondern auch jeder nützlich und die Balance stimmt auch größtenteils. Genügend Tiefe hat jeder Charakter übrigens auch, was bei einem Helden-Shooter natürlich sehr wichtig ist.

 

Einzigartig und doch klassisch im Geschmack

Wo wir doch gerade bei den Helden waren, so bleiben wir doch auch bei ihnen. Blizzard legte sich merklich für das Design und ihre Fähigkeiten ins Zeug. Zudem ist auch die deutsche Synchronisation sehr passend und stellenweise besser als im Original, zumindest bei Mercy und Reinhardt. Da beide eigentlich deutsch sprechen (Mercy ist Schweizerin mit Schweizer Akzent und Reinhardt Deutscher mit schwäbischen Akzent). Zudem gab Blizzard jedem eine passende, wenn auch teilweise klischeebeladene Hintergrundgeschichte. Im Allgemeinen kann man jeden Charaktere von einem anderen merklich unterscheiden und selbst mit den einzelnen Skins die es gibt, die von normalen Farbvarianten bis hin zu wirklichen optischen Veränderungen gehen, ist die Identifikation kein Problem. Neben den Skins gibt es aber noch weitere persönliche Anpassungen für jeden Charakter, darunter sind Sprays, Sprüche, Emotes, Siegerposen und Highlight-Intros.

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Für Sammler ist dieses Spiel also perfekt, denn für jeden der 21 Helden gibt es 50 Anpassungsmöglichkeiten, die man durch Lootboxen erhalten kann. Diese Boxen bekommt man nach jedem Levelaufstieg, wer es aber schneller haben möchte kann diese auch per Mikrotransaktionen kaufen. Vorteile hat man dadurch aber absolut keine, auch weil die Boxen ein reines Glücksspiel sind.

Bei all den Individualisierungsmöglichkeiten vergisst Blizzard leider eins und das ist eine Singleplayer-Kampagne. Auch wenn die Helden teileweise Klischeebeladen sind, so wollte ich doch von ihnen und ihrer Welt mehr erfahren und die Comics, Hintergrundgeschichten und Cinematic Trailer sind schön und gut, doch eine Kampagne ersetzten sie nicht. Es ist schade, da man hier wirklich Potenzial für einen reinen Multiplayershooter liegen lässt. Auch wenn sich das Spiel zu keiner Zeit ernst nimmt, wäre es schön gewesen eine Geschichte im Spiel zu haben die es zumindest ein bisschen tut. Das fällt leider flach und darauf zu hoffen, dass diese mit Updates nachgereicht wird ist wohl gleich null.

 

Bunt, aber es läuft

Wie bereits erwähnt nimmt sich Overwatch nicht so wirklich ernst und das zu keiner Gelegenheit. Das ist aber auch nichts Schlechtes und der bunte Grafikstil unterstreicht dies in jedem Moment. Wer also mit schrillen Farben kein Problem hat, dürfte optisch sehr zufrieden sein. Mir gefällt er sehr gut, aber dafür darf man technisch gesehen keine Meisterleistung eines Star Wars: Battlefront (2015) erwarten. Das ist es definitiv nicht.

Dennoch läuft das Spiel stets flüssig, Bugs sind mir bisher keine untergekommen und Serverprobleme gab es bei mir bisher auch noch keine. Nach dem Debakel von Diablo 3 und der sehr langen Testphasen des Spiels konnte man das aber auch erwarten und Blizzard hat sich daran gehalten. Von den Soundeffekten und der Musik bin ich durchgehend zufrieden. Jede Waffe und Fähigkeit fühlt sich durch ihre Sounds richtig an und die Ultimativen Fähigkeiten hört man sogar (eine bewusste Entscheidung der Entwickler) über die gesamte Map. Sollte man also einen zum Bespiel einen Drachenschrei hören, dann nehmt lieber eure Füße in die Hand und rennt.

 

Ohne Teamplay kein Sieg

Ein Spiel wie Overwatch macht mit Freunden noch mehr Spaß als alleine, das dürfte wohl aber auch auf viele Multiplayerspiele zutreffen. Nichtsdestotrotz ist Teamplay in Overwatch sehr wichtig, denn ihr könnt die perfekte Mischung an Helden haben, wenn ihr nicht zusammenspielt verliert ihr sehr schnell. Mit einem Tastendruck landet ihr im Spiel und auch wenn der Einstieg ins Spiel sehr einfach ist und man auch als Anfänger relativ schnell Erfolgserlebnisse hat, so steigert sich mit zunehmender Spielerfahrung auch das Erlebnis. Genauere Kartenkenntnisse oder Schwächen von Charakteren werden genauer und das hilft auch beim Zusammenspiel mit den eigenen Teamkollegen.

Bei der Zusammenarbeit mit den Mitspielern helfen besonders die einzelnen Befehle wie „Hier sammeln“ oder „Brauche Heilung“. Diese bekommen alle Mitspieler mit und können auch dementsprechend handeln. Vergessen sollte man auch nie welche Rolle man derzeit einnimmt, der Tank und der Support sollten wenn möglich stets in der Nähe sein. Da Supporter wie Mercy nur wenig Lebenspunkte haben und demensprechend ohne ausreichend Schutz schnell das zeitliche segnen und anders als andere kann sie sich nicht selbst wiederbeleben, wenn sie stirbt. Es sei denn man hat zwei Mercy in einem Team, was durchaus möglich ist. Scharfschützin Widowmaker sollte beispielsweise auch nicht zu nah an der Front sein, sondern eher aus dem Hintergrund ihre tödlichen Salven abfeuern. Und so zieht es sich bei allen Rollen und Charakteren durch das gesamte Spiel. Teamplay ist wichtig und führt zum Sieg.

overwatch

Wertung
Gameplay100
Inszenierung80
Genre-Wertung90
Visualisierung80
Sounddesign85
Bedienung90
Feedback90
Spaßiges Gameplay
Leichter Einstieg
Viele Individualisierungsmöglichkeiten
Perfekte Balance
Bunter Grafikstil
Hoher Kaufpreis
Kein Singleplayer
88
Viel Spaß für hohen Preis
Fazit
Kommen wir also zum Ende des Tests und der Frage ob sich Overwatch zum Vollpreis lohnt. Man sollte für Overwatch eine gewisse Affinität für Helden- und Arena-Shooter mitbringen, gleichzeitig keinen Singleplayer sondern ausnahmslos Multiplayergefechte erwarten. Der Preis ist happig und der Grafikstil wird nicht jedem gefallen, ebenso wenig die rein optionalen Mikrotransaktionen. Doch zumindest sollen zukünftige Charaktere, Maps und Modi kostenlos per Updates kommen. Für mich hat sich all das gelohnt, aber bei mir trifft auch all das zu. Der fehlende Singleplayer ist schade, doch irgendwie auch verkraftbar, denn von Beginn an macht Overwatch sehr viel Spaß und Blizzard kommunizierte auch nie einen Singleplayer oder Kampagne zu bieten. Zudem sind die unterschiedlichen Charaktere alle größtenteils einfach zu spielen, aber schwer zu meistern und bieten demensprechend genug Tiefgang. Einen Pluspunkt gibt es aber für Reinhardt, der mit meinem heimatverbundenen schwäbischen Akzent spricht. Der Umfang im Allgemeinen ist ordentlich, könnte aber besser sein, denn gerade bei den Spielmodi die an den einzelnen Karten gekoppelt sind, darf es ruhig mehr Innovationen und Abwechslung geben. Hier sollte Blizzard definitiv noch nachlegen. Ansonsten lässt sich sagen, dass Blizzard hier einen tollen Grundstein für eine neue Marke legte und man noch einiges von Overwatch erwarten kann.

Über den Autor

Profilbild von Florian Brändle
Lead Editor

Autor, Gamer, Star Wars-Fan, Typ-der-alle-böse-anglotzt, Student ...

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