Lang erwartet und heiß begehrt, jedoch war Dark Souls 2 aus meinen Augen nicht von der Qualität eines Demon’s Souls oder Dark Souls. Dark Souls 2 ist mit Sicherheit ein sehr gutes Spiel, erreicht aber nie den Charme der Vorgänger.

Dark Souls 2 versucht an vielen Stellen gute Elemente in das Spiel einzubringen, was auch oft gelingt, jedoch sind einige wenige Dinge schlechter geworden, sodass viel vom Spielgefühl verloren geht. Ja, Grafik und Performance sind besser als in Dark Souls 1, aber leider ist die Grafik nicht annähernd auf dem Niveau der Trailer, auch nicht PC- und Next-Gen-Versionen.

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Die Art des Levelaufbaus hat sich grundsätzlich zum Negativen verändert. War es in Dark Souls noch so, dass sich die Spielwelt ringförmig aufbaute, wo Geheimgänge und Abkürzungen einen ständig wieder an bekannte Leuchtfeuer führen. In Dark Souls 2 gibt es ein klassisches sternförmiges Leveldesign, das heißt, dass ihr in der Startwelt Majula losgeht, irgendwann ein Ende erreicht und euch von da aus zurück teleportiert. Auch die Tatsache, dass ihr euch von Anfang an teleportieren könnt, zu Dark Souls 1, wo man sich erst nach dem Erhalt des Herrschergefäßes teleportieren kann, ist ein großer Nachteil, weil ihr die Welt nicht kennenlernt. Ihr schleppt euch bis zum Ende und betretet Abschnitte eigentlich nicht noch einmal. Die Tatsache, dass man nur noch bei der Frau in Majula leveln kann nervt, weil man jedes Mal Ladebildschirme ertragen muss, nur um in Majula aufzuleveln um dann wieder zum letzten Leuchtfeuer zurück zu teleportieren. Auch die Spielwelt an sich ist leider manchmal sehr unlogisch. In Dark Souls 1 war es noch so, dass alle sichtbaren Orte auch tatsächlich dort waren wo man sie sehen konnte und man alle Orte auch erreichen konnte. In Dark Souls 2 sind die Abstände teils völlig realitätsfern von Orten die man sehen kann. Mir muss auch mal jemand erklären, wie es möglich ist, dass ich weit oben bin in der Spielwelt bin und da plötzlich ein Lavasee ist! Fliegt die Lava oder wie ist das möglich?

Wo einem kein Souls Teil enttäuscht ist natürlich das Kampfsytem. Knüppelhart und unverzeihlich wie immer und so genial wie immer. Leider aber nicht ganz ohne Wermutstropfen, denn wo es in Dark Souls noch 3 Rollgeschwindigkeiten, je nach Gewichtsbelastung gab, gibt es in Dark Souls 2 nur noch 2. Die schnellste Rolle gibt es jetzt nicht mehr. Im Allgemeinen gibt es immer wieder daran, dass man sich beim Leveln nicht entscheiden muss, so begegnen einen häufig Invader die Havels megaschwere Rüstung tragen und gleichzeitig über die besten Zaubersprüche im Spiel verfügen. In Dark Souls 1 musste man sich mehr spezialisieren. Das Standardgegner nur zehn Mal respawnen ist auch nicht unbedingt eine gute Entscheidung gewesen, denn es verhindert zwar das endlose farmen, aber ermöglicht es einen ganze Levels leerzuräumen. Am meisten nervt mich jedoch ein neuer Gegenstand im Spiel und das ist das Seelengefäß. Dieses Gefäß kann man mehrfach in einem durchlauf bekommen und es ermöglicht einem seine komplett vergebenen Levelpunkte neu zu verteilen, somit ist ein verskillen in Dark Souls 2 unmöglich und wenn ich nach 40 Stunden Spielzeit keine Lust mehr auf einen Stärke-Charakter habe, dann mach ich mir halt was anderes. Die Endgültigkeit von derartigen Entscheidungen in Dark Souls 1 und Demon’s Souls fand ich viel besser.

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Auch in Dark Souls 2 gibt es das bekannte PvP System bei dem ich die Welt eines anderen Spielers „invaden“ kann, jetzt allerdings auch, wenn der andere Spieler nicht „lebendig“ ist. Das ist neu und eine ordentliche Verbesserung wie ich finde, weil sich so jeder Spieler (außer man spielt komplett offline) mit Invadern auseinander setzen muss. Das Co-op System ist auch wieder dabei, wenn ich lebendig bin, kann ich mit NPCs oder andere Spieler zur Hilfe in mein Spiel rufen, oder ich hinterlasse mit einem Gegenstand ein Zeichen, mit dem mich andere Spieler zur Hilfe rufen können. Neu war die auch die Idee, die Paarungen Co-op und PvP nicht länger anhand des Levels der Spieler auszuwählen, sondern anhand des sogenannten Soulmemories, was bedeutet anhand der Gesamtzahl der gesammelten Seelen, um auch die Seelen zu berücksichtigen, die man in Waffen, Rüstung und ähnliches investiert hat. Da From Software bei Bloodborne und Dark Souls 3 nicht auf Soulmemory setzt, kann man sich vorstellen, dass es nicht wirklich funktioniert hat.

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Die Bosse sind durch die Bank gut gemacht. Ornstein kommt für seinen unvergesslichen Auftritt in Dark Souls hier leider zu schlecht weg, im Allgemeinen sind die Bosse zu oft große Kerle mit großem Schwert und mehrere Bosskämpfe wiederholen sich. Die letzte Sünderin war ein toller Bosskampf, der zwar sehr an dem Bosskampf gegen Atorias aus dem Dark Souls 1 DLC erinnert, aber zusätzlich im Dunklen stattfindet und der Spiegelritter, der wie der Old Monk aus Demon’s Souls eine echten Spieler-Charakter in seinen Kampf zur Hilfe rufen kann, so dass ihr nicht nur mit einem Boss, sondern gleichzeitig mit einem „quasi-Invader“ klarkommen müsst. Hier hat ein sehr guter Freund von mir einen nicht zu gewinnenden Kampf gehabt, da der andere Spieler auf Seiten des Spiegelritters nichts besseres zu tun hatte, als sich hinter dem Spiegelritter zu verstecken und ihn permanent per Wunder zu heilen. Ziemlich gemein, aber so ist die Souls-Serie nun mal.

Im Allgemeinen ist Dark Souls 2 für mich der bisher schwächste Teil der Serie, aber dennoch ist es in meinen Augen ein sehr gutes Spiel. Ich würde jedem erst den ersten Teil eher empfehlen, jedoch ist der zweite Teil etwas einsteigerfreundlicher und hat den wesentlich runderen technischen Hintergrund. Jeder der sich an die Framerate in Bighttown von Dark Souls 1 erinnert weiß wovon ich rede!

Vielen Dank an meinen Kumpel Michael Sebers, denn der ist der eigentliche Experte von Dark Souls 2 und ohne ihn wäre dieser Rückblick nicht zustande gekommen!