Das Leben ist wahrlich seltsam, denn warum sind wir eigentlich hier? Welchen Grund gibt es, dass wir existieren? Darauf gibt es keine Antworten und wird es wohl auch nie geben. Bei dem Adventure „Life is Strange“ (Das Leben ist seltsam) geht stellenweise um genau das, aber es geht auch ums erwachsenen werden und darin, dass das Leben sehr seltsam und unberechenbar sein kann. Hier ist meine Kolumne zu Life is Strange.

Bei unseren PlayCrits Awards 2015 konnte Life is Strange gleich zwei mal einen Preis gewinnen. Einmal für die beste Geschichte und das andere mal für den besten Charakter, wo wir uns für Protagonistin Maxine „Max“ Caulfield entschieden haben. Heute schloss ich die letzte Episode „Polarized“ ab und hatte sofort das Gefühl ein Kolumne darüber schreiben zu müssen. Das hat dieses fantastisches Spiel einfach verdient. Aber Vorsicht, denn ab jetzt herrscht Spoiler Alarm für alle Episoden!

Spoiler Warnung!

In meinen zwanzig Jahren seitdem ich durch diese Welt wandle, habe ich bereits so einiges erlebt und auch so einige Spiele gezockt. Dabei hab ich so gut wie kein Genre ausgelassen und auch wenn ich gerne einmal emotional bei Spielen werde (oder Filmen/Serien), so hab ich nur dreimal wirklich wie ein kleines Kind geheult. Das waren „To the Moon“, Mass Effect 3 und jetzt auch Life is Strange. Als ich dieses Spiel angefangen hab, wusste ich so gut wie nichts über das Spiel. Ich habe mich stets dafür interessiert, aber weder Trailer geschaut noch unsere beiden Artikel zu den PlayCrits Awards dazu gelesen. Es war ein bewusstes zurückhalten. Zum einen weil ich gewartet habe bis alle fünf Episoden veröffentlicht sind, aber auch weil ich schlichtweg völlig unvorbereitet an dieses Spiel herantreten wollte.

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Letztendlich war es die absolut richtige Entscheidung. Eine Aussage die man im Spiel selbst nicht wirklich sagen kann, denn oft genug haben die Entscheidungen im Spiel Auswirkungen, die man sich beim entscheiden nicht vorstellen konnte. Etwas vermeintlich gutes, kann also auch ganz schnell in etwas schlechtes enden. In Life is Strange geht es um so einiges, zum einen spiegelt es das heutige College-Leben in den USA wieder, auf der anderen Seite ist es aber auch eine Geschichte ums erwachsen werden und das man manchmal schwere Entscheidungen treffen muss. Denn letztendlich besteht das gesamte Leben aus treffen von Entscheidungen. Aber Life is Strange ist etwas besonderes und deshalb keine einfache „Coming of Age“-Geschichte, denn Protagonistin Maxine „Max“ Caulfield ist keine normale, etwas schüchterne, achtzehnjährige junge Frau, die an ihren Geburtsort zurückkehrt um dort an der Blackwell Academy ihren Traum zu erfüllen und Fotografien zu werden. Sie hat die Gabe die Zeit zurückzudrehen.

Dank diesem Geschenk – von wem auch immer – war sie in der Lage ihre (ehemalige) beste Freundin Chloe Price vor dem Tod zu bewahren, indem sie die Zeit zurückdrehte und sie so vor einer tödlich treffenden Pistolenkugel vom labilen jungen Mann Nathan Prescott rettete. Doch durch diese Änderungen veränderte sie nicht nur das Leben von Chloe und ihr eigenes, dadurch fanden sie auch nach fünf Jahren Trennung wieder zusammen, sondern auch das von Arcadia Bay, dem Schauplatz des Spiels. Arcadia Bay ist eine kleine Hafenstadt im Bundesstaat Oregon und die hat mit ihren Bewohnern so einige Geheimnis, die man während dem Spielen erfährt und lüftet. Das Größte und Wichtigste dabei ist das Verschwinden von Rachel Amber, einer beliebten Studentin von der Blackwell Academy, und nachdem Max nach Seattle zog, war sie auch für fast fünf Jahre die beste Freundin von Chloe, wie man später erfährt sogar noch etwas mehr als das. Während dieser Reise kommen sich die ehemaligen besten Freundinnen Max und Chloe wieder näher und versuchen zusammen dieses Geheimnis rund um Rachel zu lüften und dabei helfen ihnen Max‘ neue Fähigkeiten ungemein. Das dies nicht einfach ist, lernen die beiden schnell kennen und auch Max‘ Zeitmanipulationen haben ihren Preis, der letztendlich in einem fatalen Ende mündet. In diesem ist Max gezwungen sich zwischen ihrer besten Chloe Freundin zu entscheiden oder zwischen Arcadia Bay, denn ein gewaltiger Tornado rast auf die Stadt zu, den sie durch ihre Fähigkeiten ungewollt beschworen hat, dafür wird die Chaostheorie hinzugezogen um dieses Ereignis zu erklären. Chloe glaubt, dass sie durch Max‘ Fähigkeiten ihr Schicksal – den Tod – nur hinausgezögert hat, was man auch darin merkt, das sie während dem verlauf des Spiels mehrmals stirbt beziehungsweise sterben kann, aber Max sie stets retten konnte.

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Diese Entscheidung, zwischen bester Freundin die sie liebt und Stadt indem ebenfalls Leute sind die Max liebt, ist die wohl schwerste Entscheidung die man treffen kann, nicht nur in diesem Spiel. Ich hab über zwanzig Minuten gebraucht bis ich mich entschieden habe und habe währenddessen mir mögliche Szenarien vorgestellt was passiert wenn ich das eine oder das andere Ende nehme. Gleichzeitig wünschte ich mir aber auch mehr Optionen. Aber gerade weil Chloe Max auch noch quasi bittet sie sterben zu lassen ist diese Entscheidung sehr schwer. Egal wie man sich als Max entscheidet, Menschen sterben und es trifft immer jemanden den man liebt. Am Ende liegt nicht nur diese Entscheidung bei euch, aber mit gutem Gewissen oder guter Laune geht wohl niemand aus diesem Spiel heraus. Ich ahnte bereits nach Folge 2, dass dieses Spiel kein Happyend bekommen wird und ein Teil von mir wollte es auch nicht beenden. Das ist auch etwas das ich sehr bewundere, denn ich habe geheult wie eines kleines Kind und nicht nur am Ende. Beinahe jede Folge hat ein verdammt überraschendes und intensives Ende. Einen großen Anteil haben dabei die Charaktere, die dieses Spiel maßgebend prägen, denn auch wenn manche von ihnen nur so vor Klischees tropfen, sind sie interessant geschrieben und selbst anfänglich gemeine Personen haben nicht nur eine schwarze Seite. Die Welt kann man nicht in schwarz und weiß aufteilen, größtenteils ist sie vor allem grau.

Dieses Spiel ist genau das: Es hat seine wunderschönen Seiten, aber auch seine bitter bösen, die auch Tabus ansprechen, wie Vergewaltigung, Mobbing oder Drogenmissbrauch. Letztendlich spiegelt dieses Spiel auf seine stellenweise sehr surreale Art das Leben dar. Das Leben wird bestimmt von Entscheidung die wir tagtäglich treffen und auch wenn wir keine „Superkräfte“ haben, wie Chloe zu Max‘ Fähigkeiten sagt, können wir uns mit ihr und all den anderen Charakteren identifizieren. Ich liebes dieses Spiel, ihre Geschichte, die Charaktere, den Soundtrack, den Artstyle und die Entscheidungen – wobei ich sie auch gleichzeitig hasse weil sie kein Happyend zulassen, beziehungsweise nicht leicht zu treffen sind. Am Ende kann ich es aber wirklich jedem empfehlen, auch Menschen die sonst nur selten in Berührung mit Videospielen kommen, denn dieses Spiel ist ein Erlebnis das man nicht verpassen sollte und letztendlich lernt man auch noch das ein oder andere fürs Leben.

Also habt viel Spaß, mit Life is Strange. Währenddessen freue ich mich auf Life is Strange 2. 🙂

NO EMOJIS!!!