Ich bin seit Street Fighter II ein großer Fan dieser Serie, was man wohl auch daran erkennen kann, dass ich Street Fighter IV vier Mal für meine Xbox 360 besitze und zwar als Street Fighter IV, Super Street Fighter IV, Super Street Fighter IV – Arcade Edition und Ultra Street Fighter IV. Bei mir reichten DLCs auch nicht aus, ich musste immer die Retail-Versionen haben und natürlich besitze ich auch gleich zwei Arcade Sticks. Diese sind ausgestattet mit originalen Automaten-Teilen, um gleiche Chancen für jeden Herausforderer zu bieten! Ich denke, damit sollte klar sein, dass ich mich sehr auf Street Fighter V gefreut habe.

Seit Tag Eins spiele ich es jetzt und weiß nicht genau wo ich anfangen soll. Ich beginne eigentlich jedes Fighting Game damit, dass ich die Story durchspiele um mich so an Charaktere, Gameplay und Gamespeed zu gewöhnen. Bei Street Fighter IV habe ich das dann auch gleich mit allen Charakteren gemacht, da man so alle Charaktere freigeschaltet hat. Die Story war nicht ansatzweise so gut wie die von Mortal Kombat 9 und X, aber sie gehört nun mal dazu und stimmt einen auf das Spiel ein. Genau diese Story ist in Street Fighter V aber überhaupt nicht vorhanden! Ihr könnt lediglich einen Charakter auswählen und dann kämpft ihr drei bis vier 1-Runden-Kämpfe hintereinander die völlig handlungsarm sind und im Anschluss landet ihr wieder im Menü. In Kens Story geht er mit Frau und Kind zu einer Party, in einer Rückblende gibt es eine Runde gegen Ryu.

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Auf der Party ist Birdie der Türsteher, der nicht glaubt, dass wir eingeladen sind und will deshalb Kämpfen, danach gibt es einen Entschuldigungskampf (ohne Witz!) gegen die Gastgeberin und das war die komplette Storyline von Ken Masters. Selbst die Zwischensequenzen sind nur Standbilder! Kein Fighting Game muss mit seiner Story ein Star Wars: Knights of the old Republic schlagen, aber vorhanden sein muss sie schon. Hier auf den Arcade Modus zu verzichten mag ja für Profis OK sein, aber ich kann und will nicht auf die Story verzichten. Gerade die Rival-Kämpfe, die dich gegen den meinen Quasi-Erzrivalen in Street Fighter IV kämpfen musste, waren sehr stimmungsfördernd. Im Allgemeinen gewinnt die Handlung von keinem Street Fighter Spiel einen Preis, aber als Mittel zum Zweck habe ich hier um nichts anderes als um das Schicksal der Welt gekämpft und nicht gegen einen Türsteher der mich blöde anquatscht.

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Leider ist der fehlende Story-Modus nicht das einzige Problem von Street Fighter V. Die Serververbindung ist instabil und bricht immer wieder ab! Gerade der Survival-Modus ist unspielbar, weil nur er nur in der Rangliste gewertet wird. Wenn man online spielt, der Spieler aber bei einer Serverunterbrechung direkt wieder im Hauptmenü landet und sein ganzer Fortschritt dahin ist, dann ist das extrem ärgerlich. Leider sind diese Verbindungsprobleme alles andere als eine Seltenheit. Hier herrscht immer noch dringender Verbesserungsbedarf! In den Online-Matches die ich gemacht habe, sind diese Abbrüche zum Glück nie in den Matches aufgetreten, jedoch davor und danach. Auch die Spielersuche dauert oft sehr lang.

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Abseits der ganzen Meckerei will ich aber auch natürlich die positiven Dinge aufführen, denn auch von denen gibt es einige. Die Grafik ist ein Traum. Die Charaktere sind rasiermesserscharf dargestellt und absolut butterweich animiert. Hier sieht man einen wirklichen Sprung zu der schon sehr guten Grafik von Street Fighter IV. Die Hintergründe könnten vielleicht noch etwas lebendiger sein, aber technisch bin ich von der Grafik von Street Fighter V begeistert. Der Grafikstil hat allgemein sehr viel Kritik geerntet, wegen der sexistischen Darstellung einiger weiblicher Charaktere. Das kann ich jedoch nicht wirklich nachvollziehen und dass liegt nicht daran, dass ich diese Darstellung als nicht sexistisch empfinde, sondern daran, dass es nie anders war! Warum beschweren sich jetzt auf einmal alle bei Street Fighter V? Cammy war schon bei Super Street Fighter II 1993 eine extrem sexistische Darstellung einer Frau! In Mortal Kombat ist es auch nichts anderes und teilweise sogar sehr viel schlimmer als in Street Fighter V. Dead or Alive hat dem ganzen sogar die Krone aufgesetzt, da es für den gesamten Sexismus-Part eine eigene Serie geschaffen hat, denn in Dead or Alive Xtreme treten alle weiblichen Charaktere in noch viel knapperen Bikinis auf als ihre eh schon knappen Kostüme aus der Hauptserie, nur um hole Minigames für Polygon-Voyeuristen darzustellen! Ich werde also keine Abwertung wegen einer sexistischen Darstellung vornehmen, weil ich sie in diesem Spiel nicht als übermäßig oder untypisch feststellen kann. Das soll jedoch nicht heißen, dass ich Sexismus egal in welcher Form gutheiße, denn das tue ich nicht! Ich erkenne bei keinem der weiblichen Charaktere eine dargestellte Abhängigkeit zu einem Mann oder dass Männer als besser dargestellt werden. Jeder Charakter hat Stärken und Schwächen und kein Charakter ist schwach, weil er weiblich ist. Wäre dieser Punkt anders, dann hätte es von mir eine starke Abwertung gegeben, da ich so etwas überhaupt nicht toleriere!

Die Spielmechanik ist natürlich wie bei fast allen Street Fighter Teilen nahezu perfekt. Mir fällt direkt nichts ein, was mir nicht gefällt. Selbst einen der wenigen Haken von Street Fighter IV, das das Kämpferfeld aus sehr vielen Hadoken-Schleudern bestand, wurde in SFV vollständig geändert. Sehr viele Charaktere sind mit verschiedenen Würfen ausgestattet und haben nahkampfbetontere Attacken. Gerade Neuzugang Necalli hat es mir sehr angetan! Seine Moves sind mächtige Nahkampfattacken und ein Slidemove zur Überbrückung von Entfernung bei dem man durch eine Hadoken durch geht! Sehr effektiv um Nahkämpfer zu stärken. Auch bei SFV gilt natürlich wie bei fast allen Fighting Games Arcade-Stick Pflicht, nur mit einem solchen Controller kann man die Stärken der perfekten Steuerung aus dem Spiel heraus kitzeln.

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Als Fazit bleibt mir nun zu sagen, dass Street Fighter V euch bestimmt nicht überzeugen wird, wenn ihr mit Teil IV nichts anfangen konntet. Solltet ihr eigentlich nur allein Spielen und ihr wollt euch halt nur hin und wieder mal virtuell Prügeln, dann lege ich euch Mortal Kombat X ans Herz, was über den wesentlich interessanteren Story-Modus verfügt. Ihr wollt keine Profi-Karriere einschlagen und es soll das möglichst komplette Fighting Game Vergnügen sein, dann ist Ultra Street Fighter IV die wesentlich bessere und günstigere Wahl. Ihr habt eine harte Schule von hunderten oder tausenden Matches in SFIV hinter euch? Dann wird euch eh niemand davon abhalten SFV zu spielen und genau für euch ist dieses Spiel auch! Die Spielmechanik ist fantastisch und die Änderungen werden Profis schätzen lernen! Ob SFV jemals die großen Fußstapfen von Street Fighter IV füllen kann, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, was ich jedoch sagen kann, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch weit davon entfernt ist!
Gameplay95
Visualisierung90
Story & Integration25
Genre-Wertung85
Feedback85
Positiv
Bestes Kampfsystem aktuell als On- und Offline Multiplayer-Kracher
grafisch und technisch unglaublich sauber
Dominanz der Hadoken-Schleudern aufgelöst
Negativ
Die Serververbindung ist ein Desaster
Geringer Umfang, außerdem: Story-Modus ist ein schlechter Witz
Kann Street Fighter IV (noch) nicht das Wasser reiche
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