Nach den katastrophalen Geschäftspraktiken von Publisher Trion mit ArchAge wagt mit Daum Games erneut ein Publisher den Sprung auf den Amerikanischen bzw. Europäischen Markt mit einem MMORPG aus dem Hause Pearl Abyss. Das Massively Multiplayer Online Roleplay Game von Entwickler Pearl Abyss wirkt zunächst ungewohnt anders.

In einer mittelalterlich angehauchten Welt fällt zunächst das erfreulich intuitive Kampfsystem auf, welches ohne das Anvisieren von Zielen auskommt. Stattdessen werden Fähigkeiten, wie zum Beispiel bei TERA, per Fadenkreuz in Richtung Monster geschleudert. dabei wird größtenteils auf Combos zurückgegriffen welche durch die Maustasten, WASD und zusätzlich Q,E, Shift und F aktiviert werden. Diese Tasten lassen sich natürlich beliebig belegen. Vor allem aber die Effekte und Choreographie der einzelnen Skills im Verbund miteinander lässt Black Desert glänzen.

Frischer Wind

Wer allerdings auf PvE-Inhalte hofft, der wird enttäuscht. Bei Black Desert dreht sich alles um PvP sowie den Handel von Gütern, die klassisch von zum Beispiel Farmen und Minen produziert werden. Dabei besitzen alle Gegenstände sowohl einen Marktwert als auch ein Verfallsdatum. Der Marktwert sorgt dafür, dass Gegenstände nicht unter dem minimalen Wert und nicht über dem maximalen Wert verkauft werden dürfen. Dadurch soll die Wirtschaft stabil gehalten werden, denn Erze und Holz werden sämtliche Handwerke benötigt. Neben Rüstungen und Waffen kann auch ein eigenens Boot gezimmert werden. Geld regiert auch in Black Desert die Welt. Dadurch, dass die Währung, Silber, nicht handelbar ist muss Profit indirekt über den Handel mit Rohstoffen verdient werden was auch Goldseller größtenteils abhalten wird.

Das Spieler gegen Spieler (PvP) beruht auf einer Vielzahl von Formaten wie Gildenkriegen und Belagerungsschlachten sowie Arenakämpfen und auch Open-World PvP. Hier zeigen sich auch die ersten Schwächen der hauseigenen Engine. Bei den Koreanern als „Teleportation Bug“ bekannt kann es bei einem Duell dazu kommen, dass die Position der Spieler lokal nicht mit der Position des Spielers auf dem Server übereinstimmt. Dadurch scheint es als würde sich der gegnerische Spieler im Spiel teleportieren. Von Vielen bemängelt scheint das Problem tiefer in der Engine zu liegen, sodass bislang kein Fix für dieses Problem bekannt ist. In der zweiten geschlossenen Beta ist uns dieses Problem allerdings noch nicht aufgefallen, da vermutlich nicht genug PvP gespielt wurde.

Die dritte Änderung gegenüber der Idee des klassischen MMORPGs liegt in der Trennung von Questing und Grinding, wobei Grinden das Töten von Monstern in großer Zahl beschreibt. Durch Quests werden nur indirekt durch das Töten von Monstern Erfahrungspunkte ausgeschüttet. Quests versorgen den Spieler zunächst mit Contributionerfahrung, zum Kauf von Häusern, Werkstätten, Farmen und Knotenpunkten und Skillpunkte, die gegen neue Skills und Upgrades im Skillbaum eingetauscht werden können. Zusätzlich existiert für Skillpunkte und Level generell keine Begrenzung. Nach dem erreichen von Level 50 benötigt man allerdings sehr viel mehr Zeit um auf das nächste Level zu steigen. Jedoch ist der Unterschied zwischen Level 50 und Level 51 nicht so groß als, dass dadurch ein unfairer Vorteil entstehen würde. Ein guter Spieler mit Level 50 kann auch einen Spieler mit Level 51 ohne Probleme besiegen. Es ist ebenfalls möglich alle Talente und Fähigkeiten zu erwerben. Dies ist allerdings nicht über Nacht möglich und benötigt mehrere Monate bis zu einigen Jahren.

Die Welt ist groß – noch größer in Korea – aber so groß, dass ein Schnellreisesystem denkbar wäre. Allerdings existiert ein derartiges System nicht und wird voraussichtlich auch niemals existieren. Während man zu Anfang auf seine zwei eigenen Beine angewiesen ist steht schon recht früh im Spiel ein Esel bzw. Pferd zur Verfügung. Es ist aber möglich Wegpunkte zu setzen und dann per automatischen Laufens bzw. Reitens sich zum Zielort zu begeben. Pferde können bei einem Stall erworben oder in der Wildnis gezähmt werden. Zudem können hochwertigere Pferde gezüchtet werden. Bessere Pferde sind schneller und haben bessere Fähigkeiten.

Pay to Win?

Daum Games wurde in den letzten Tagen immer wieder der Gier und eines schnellen „Cashgrabs“ bezichtigt. Neben einer Einstiegsgebühr von mindestens 30€ für das Spiel wird es einen Cashshop geben, der nur kosmetische Gegenstände wie Kostüme und Unterwäsche enthalten sollte. Allerdings ist Black Desert in Korea Free-toPlay und teilweise auch Pay-to-Win. Daum Games hat sich zunächst gegen dieses Bezahlmodell entschieden und die meisten Pay-to-Win Elemente aus dem Shop entfernt. Dabei sind leider einige diskutable Gegenstände und Effekte zurückgeblieben, die sich in einer Grauzone bewegen. Mehr als ein ungutes Gefühl gegenüber der Zukunft von Black Desert sollten diese Gegenstände allerdings nicht hinterlassen. Das Tragen eines Kostüms erhöht die gewonnenen Erfahrungspunkte im Kampf um 10%, während Haustiere wie Hunde oder Katzen Gegenstände von toten Monstern aufheben.

Dabei sind diese Gegenstände nicht gerade billig. Ein Haustier schlägt mit 7€ zu buche und ein komplettes Kostüm mit Waffe kostet sogar um die 32€. Diese Preise waren für die letzte Beta angesetzt und stehen sicherlich noch nicht fest. Die Community äußerte sich den Preise und dem möglichen Vorteil von gut betuchten Spielern jedoch sehr kritisch gegenüber. Es bleibt abzuwarten in welche Richtung Daum den Cashshop und die daraus resultierenden Vorteile lenkt. Die aktuellen erhältlichen Boni sind definitiv noch kein Spielentscheidender Vorteil, sodass niemand gezwungen ist sich mehrere Kostüme und Haustiere zu kaufen. Es bleibt bislang bei größtenteils kosmetischen und Komfortfunktionen.

Atmosphärisch Top

Vom erstellen des Charakters bis zu den liebevoll gestalteten Landschaften und Wettereffekten lässt Black Desert kein Auge trocken. Besonders das Erstellen eines Charakters kann gut und gerne einmal mehrere Stunden dauern. Einer der ausführlichsten, wenn nicht der ausführlichste Charakter Creator bis Heute. Farbe und Form der Haare, Wangenknochen und Körperbau sind nur eine der wenigen Optionen über die bestimmt werden kann. Selbst eigenen Posen können programmiert werden.

Wettereffekte und Terraineigenschaften sind ebenfalls nicht nur zur Zierde um schön auszusehen. Sowohl Wetter als auch Tageszeit und Terrain beeinflussen die Effektivität von Zaubern. In der Wüste, die zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht wird, ist es sogar möglich Tagsüber zu verdursten während man Nachts ohne Zelt erfiert.

Fazit

Black Desert wird offiziell am 03.03.2016 in Europa und Amerika veröffentlicht. Vorbesteller kommen in den Genuss eines Headstarts von bis zu 96 Stunden. Abgesehen von den Kontroversen des Bezahlmodells und dem Fehlen von echtem PvE-Content sowie einigen Problemen mit der Engine ist Black Desert defintiv die 30€ Wert und wird bis zu mehreren hundert Stunden Spielzeit ermöglichen. Vorausgesetzt natürlich PvP und Wirtschaft liegen in dem Interessengebiet des Spielers. Die Spielwelt ist riesig, es gibt viel zu Entdecken allerdings ist der Grindanteil in Black Desert sehr hoch. Es ist durchaus möglich sich mehrere Stunden mit Monstern zu prügeln oder aber mit den Spielern um die Monster. Allerdings macht es eine Menge Spaß gegen eine Horde von Monstern zu kämpfen, da das Kampfsystem außerordentlich flüssig und schön anzusehen ist.

Zum Release werden sieben Klassen zur Verfügung stehen: Krieger, Berserker, Hexe/Zauberer, Schwarzmagierin, Jägerin, Bändigerin und Valkyre. Später werden noch Ninja, Blader, Plum und Kunoichi folgen. Black Desert läuft mit der hauseigenen Engine auch auf Low-End Laptops oder Rechnern (Nvidia 540M, i7, 8GM RAM) auf niedrigen bis mittleren Einstellungen einigermaßen flüssig. Wer in den Genuss der kompletten Grafikpracht kommen will sollte zumindest eine Nvidia GTX 980 mitbringen. Mit einer 980 Ti lässt sich Black Desert auf maximalen Einstellungen spielen wobei große Spielermassen die Framerate zum einbrechen bringen.

Black Desert macht eine Menge Spaß. Wie lange sich der Spaß jedoch im Endgame hält ist noch nicht abzusehen. Es wird auch stark auf die Community und die Population der Server ankommen. Wer Raids und Instanzen sucht ist hier allerdings fehl am Platz. Es gibt viel zu tun und die Sandboxelemente sorgen dafür, dass Black Desert im Endeffekt besser wird je mehr man sich mit dem Setting arrangiert und identifizieren kann.