Es gibt ein sehr klassisches Spielelement, das in unserer heutigen Zeit kaum noch wahrgenommen wird. Heute ist alles in Echtzeit und je schneller desto besser. Wo kommt dieser Anspruch her? Ich habe von Quake 3 Arena bis Titanfall vieles gespielt, jedoch gibt es auch Abende an denen ich es ruhiger angehen lassen möchte und genau hier fehlten die rundenbasierte Strategiespiele!

In der 80ern und 90ern gab es in den meisten Rollenspielen rundenbasierten Kämpfe und vor Command & Conquer gab es in Strategiespielen fast ausschließlich (Dune II und Herzog 2 sind bekannte Ausnahmen) rundenbasierte Kämpfe (Was? Der Satz macht keinen Sinn). Oft hatte dies natürlich auch technischen Hintergrund, da rundenbasierte Strategie immer nur eine agierende Einheit hat, während bei Echtzeitstrategie mehrere Einheiten parallel verschiedene Aktionen durchführen. Aber selbst die Echtzeitstrategie ist schon seit Jahren in der Krise und wenn sie in den 90ern noch zu den beliebtesten Genres gehörte ist sie heute in der Nische angekommen. Außer StarCraft 2 gibt es kaum noch erwähnenswerte Titel im Triple-A-Sektor, was daran liegt, dass es keine mehr gibt.

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Jetzt bleibt natürlich die Frage welche Chance hat die rundenbasierte Strategie, wenn deren „Nachfolger“ schon keine erwähnenswerten Absatzzahlen mehr bringt? Wohl nicht allzu große, wenn man bedenkt, dass XCOM 2 nicht mehr für die Konsolen portiert wird. Aber auch wenn XCOM – Enemy Unknown heute nur noch „Nische“ ist, sollte man diese Art von Spiel unbedingt mal versucht haben! Rundenbasierte Strategie hat einen ganz eigenen Charme und eine ganz eigene Spannung. Gebt dieser Art von Spiel eine Chance und versucht es mal 2 Stunden! Es wird nicht jedem gefallen, aber einigen schon die auch bestimmt nicht damit gerechnet hätten.

Jetzt aber zum Spiel. XCOM – Enemy Unknown ist wie ja schon zur Genüge erwähnt ein rundenbasiertes Strategiespiel. Darüber hinaus hat der Spieler auch noch eine Basis zu betreuen, die genauso wichtig für den Erfolg des Spiels ist wie gewonnene Kämpfe. Das war schon 1994 im ursprünglichen UFO – Enemy Unknown so, auf den XCOM – Enemy Unknown basiert. Wenn das Wirtschaftssystem in eurer Basis vor die Wand läuft, könnt ihr das Spiel nicht gewinnen! Die Länder der Welt stellen Mittel und Personen und davon wird das Projekt XCOM gegründet um eine aktive Bedrohung durch Außerirdische in den Griff zu bekommen, der Spieler wird als der Commander von XCOM eingesetzt. Wenn Länder von Außerirdischen angegriffen werden und die XCOM mit einem Einsatztrupp eine Rettungsmission durchführt muss man sich oft entscheiden, denn bei den Entführungsmissionen zum Beispiel sind es immer drei Länder die parallel angegriffen werden. Egal welche Mission ihr annehmt, in den zwei anderen Ländern wird automatisch die Panik steigen. Wenn ein Land völlig in Panik Gerät wird es XCOM nicht mehr unterstützen, wenn acht Länder aussteigen ist das Spiel verloren. Gerade in diesem Punkt ist das Spiel sehr „Oldscool“, da es Spielstände geben kann, in denen es euch nicht mehr möglich sein wird das Spiel durchzuspielen, da in jedem Fall zu viele Länder in Panik geraten werden und man durch eine unsaubere Bauweise der Basis nicht über die nötigen Mittel (in diesem Fall Satelliten) verfügt um sie wieder zu beruhigen. In der Basis gibt es eine Forschungsabteilung, die die Alientechnologie erforscht und ihren Soldaten neue Waffen, Rüstung und Fähigkeiten beschert. Es wird aber tatsächlich geforscht, da man als Spieler vorher nicht weiß, was Beispielsweise die Autopsie eines bestimmten Aliens bringt. Mal ist es eine Rüstung, mal eine Waffe, vielleicht aber auch ein Ausweichmanöver für unsere Abfangjäger.

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In der Kaserne werden Soldaten angeheuert, die einzeln Erfahrungspunkte sammeln und in ihrem Rang aufsteigen. Nach Ihrer ersten Beförderung werden sie automatisch einer von vier Klassen zu sortiert die sich wie folgt aufteilen: Heavy, Scharfschütze, Sturm und Unterstützung. Mit jedem Rang kann der Commander dem Soldaten eine neue Fähigkeit zuweisen, fast immer muss man sich aus zwei angeboten Fähigkeiten eine aussuchen. Soldaten von einem höheren Rang sind somit für die Kampfstärke der Truppe von unglaublicher Wichtigkeit, da sie besondere Fähigkeiten besitzen. Stirbt so ein Soldat in einer Mission ist er unwiederbringlich verloren. Die einzige Möglichkeit ist einen alten Spielstand zu laden und im nächsten Anlauf diesen Verlust zu vermeiden. Warum das so gemacht wurde? Weil es die Kämpfe unglaublich spannend macht! In diesem Spiel habt ihr wirklich etwas zu verlieren und der Sieg in einer Mission in der zwei eurer besten Soldaten gestorben sind war ein sehr bitterer Sieg. Einfach drauf los zu stürmen ist in XCOM nie eine gute Idee und wird so gut wie immer bestraft. Ein defensives Vorgehen und eine gute Vorausplanung sind der Schlüssel zum Erfolg in den Kämpfen. Aber natürlich gibt es auch Rettungsmissionen in den der Spieler mindestens die Hälfte der Menschen retten muss, während die Aliens versuchen alle NPCs zu töten. Hier hilft keine defensive Abwehrtaktik, hier hilft nur das Vorstürmen um vor den Aliens bei den NPCs zu sein.

Die Kämpfe mögen langweilig aussehen, sind aber unglaublich spannend! Wenn einer meiner Soldaten eine 63 prozentige Trefferwahrscheinlichkeit hat, zittere ich hier oft einem Treffer entgegen, da sich das Blatt ganz schnell zu Gunsten der Aliens wenden kann, wenn er nicht trifft.

Ich mag rundenbasierte Gefechte sehr, schon ein Shining Force auf dem Mega Drive hat mich wochenlang an den alten Kasten gefesselt und erst vor kurzem habe ich Advance Wars Dual Strike auf dem Nintendo DS für mich entdeckt. Diese Art von Spiel wird zu Unrecht als altmodisch abgetan, es ist ein fesselndes Spielprinzip! Heute kostet XCOM – Enemy Unknown und das Addon (Stand Alone für Konsolen) XCOM – Enemy Within keine 10 Euro mehr. Eine klare Kaufempfehlung gibt es von mir, auch gerade weil es quasi verschenkt wird. Viel Spaß beim testen!

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