Des einen Leid ist des anderen Freud. So könnte man den Werdegang von Rise of the Tomb Raider beschreiben, denn nicht wenige fühlten sich vor den Kopf gestoßen als das Spiel auf der E3 2014 als (zeit)exklusiv-Titel für die Xbox One angekündigt wurde. Doch hat sich der Einkauf den gelohnt? Wir klären auf.

Okay, vergessen wir einmal für ein paar Minuten wie es dazu kam, dass das Spiel nun vorerst exklusiv für die Xbox One und Xbox 360 erscheint und konzentrieren wir uns stattdessen darauf wie es denn so wurde. Denn lohnt sich vielleicht für ungeduldige und Fans der Reihe der Kauf einer Xbox One oder reicht es zu warten, bis es im Frühjahr auf dem PC erscheint und im Winter 2016 für Playstation 4? Das erfahrt ihr hier, beim Test zu Rise of the Tomb Raider.

 

Indiana Jones ruft!

Zu allererst komme ich zur Story des Spiels. Diese ist, nun wie soll man sie beschreiben? Am besten lässt sich wohl sagen, dass sie ein wenig nach Standard aussieht und nicht nur einmal wird man sich denken, dass hier eigentlich gerade die Geschichte des ersten Indiana Jones-Film erzählt wird. Nur sind nicht die Nationalsozialisten hinter Lara her, sondern ein religiöser Fanatiker Orden der sich „Trinity“ nennt und bereits seit langer Zeit nach der verlorenen Stadt Kitesch sucht, wo sowohl Lara als auch Trinity ein Artefakt finden möchten, das angeblich die Unsterblichkeit in sich birgt.

Die Geschichte ist also ziemlicher Abenteuer-Standard aber noch lange nicht schlecht geschrieben oder erzählt, lediglich altbekannt und auch ein bisschen klischeebeladen. Aber es fühlt sich wie die weibliche Ausgabe des noch jungen Harrison Ford als Indy an und das kann ja wohl kaum schlecht sein, oder?

Doch nicht nur die Geschichte ähnelt der von Indiana Jones, auch ist Lara Croft mittlerweile keine kleine und weinerliche junge Frau, sondern durch und durch ziemlich abgehärtet. Genau wie Indy selbst. Auch wenn sie bei Kälte verständlicherweise zittert und bei dem ein oder anderen Sturz sich ordentlich verletzt, so ist sie nun sehr viel tapferer und vielleicht auch so ein kleinwenig kaltblütig. Denn Reue oder Gnade gegenüber Trinity kennt sie kaum noch, das war zu Beginn in Tomb Raider (2013) noch ein wenig anders. Dies führt nun dazu, dass die Geschichte aber sehr viel plausibler und besser ist als die des Vorgängers ist, da die Story sich nicht mehr mit dem Gameplay beißt.

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Mehr erkunden, weniger ballern.

Im Vorgänger stimmte das Verhältnis zwischen Gameplay und Story nicht, was allerdings fasst nicht zu finden war, waren die Gräber, die Tombs, für die Tomb Raider doch einst so bekannt war. Diese sind nun in deutlich höher Anzahl und Vielfalt zurück. In allen großen Gebieten lassen sich Gräber finden, die man erkunden kann um durch das bewältigen von durchaus kniffligen Rätseln am Ende eine nützliche Belohnung einzusacken. Zumeist sehen diese Gräber auch wunderbar aus und bieten eine tolle Kulisse. Doch eigentlich zeigt das gesamte Spiel wunderbar gestaltete, wenn auch nicht immer ganz so urlaubsreife, Schauplätze.

Betrachtet man das Gesamtgeschehen so zeigt sich, dass Rise of the Tomb Raider sehr viel mehr zu Erkundungen einlädt als sein direkter Vorgänger. Dies liegt jedoch auch an der Größe der neuen Areale. In diesen wunderschönen Gebieten lassen sich neben den Gräbern auch Höhlen, Nebenmissionen, Herausforderungen, Krypten, Relikte, Dokumente und allerhand sammelbares finden, um damit dann eure Waffen und Taschen und Co. zu verbessern. Durch Dietriche, Sprengsätze und Seilpfeilen kommen wir auch nach und nach an bis dato unerreichte Orte, denn beim ersten Erkunden eines großen Gebiets kann man noch nicht alles erreichen. Auch ist es nun möglich unterschiedliche Sprachen zu erlernen. Darunter Russisch, Griechisch und Mongolisch um versteckte Beute zu finden. Diese Beutel führen euch dann zum Beispiel in eine Krypta, die ihr zuvor überhaupt nicht bemerkt habt, da ihr nicht wusstet, dass es an dieser Stelle überhaupt eine gibt. Genauso sollte Erkundung funktionieren!

Die Ballerwut hingegen hat abgenommen, so sind sie zwar verständlicherweise immer noch vorhanden, aber sie waren auch noch nie so gut. Durch die unterschiedlichen Waffen hat man erneut verschiedene Möglichkeiten mit Trinity und wilden Tieren umzugehen. Klettert ihr nun auf einen Baum und wartet auf einem Ast bis sich euer Opfer euch zu nahe kommt, um ihn dann durch einen Sprungangriff mit eurem Kampfmesser niederzustechen, oder versteckt ihr euch im Gebüsch oder hinter Kisten oder Wänden und schaltet sie mit lautlosen Pfeilschüssen aus. Ihr habt auch die Wahl Dosen oder Flaschen zur Ablenkung in die Nähe eures Feindes zu werfen. Zudem könnt ihr auch Molotow Cocktails und ähnliches herstellen, z.B. Giftpfeile. Durch diese Vielfalt lässt sich einiges anstellen und bringt eine ganze Menge Abwechslung mit sich. Dank der drei Talentbäume könnt ihr Lara auch nach eurem Spielstil anpassen und es gibt allerhand hilfreiche Fertigkeiten zu erlernen.

Für vieles wird allerdings auch Materialien benötigt und diese findet ihr in der Spielwelt. Egal  ob von Kisten, Feinden oder durch das Jagen von Rehen und Hasen oder sogar Bären. Das Kampfsystem und das Sammeln von Rohstoffen gehen also Hand in Hand.

Was das Kämpfen selbst angeht, so ist es zumeist sehr befriedigend egal mit welcher Waffe. Lediglich die Steuerung hat manchmal ein paar Hacken. Das bemerkt man besonders bei den zahlreichen Kletterpassagen im Spiel. Nichtsdestotrotz sind die offenen Feuergefechte spannender geworden. Besonderen Dank bekommt hierbei die KI der Gegner, denn diese agieren nun sehr schnell. Sie suchen Deckung, flankieren und werfen Granaten um Lara aus der Deckung zu bekommen. Auch sind andere Methoden bei den unterschiedlichen Gegnertypen nötig, somit führt hirnloses schießen bei aktiven Kämpfen nur selten zum Erfolg.

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So schön können Eis und Haare aussehen

Rise of the Tomb Raider ist kein exklusives Spiel für die Xbox One, doch so wirkt es. Exklusivspiele haben in den meisten Fällen eine gut, bis sehr gute, Qualität im Bereich der Technik, da sie auf eine Plattform ausgelegt sind. Dieses Spiel wirkt genauso. Technisch ist das Spiel über alle Zweifel erhaben und läuft zu jeder Zeit absolut flüssig und trotzt nur so vor Details und scharfen Texturen. Nur ein bis zwei Mal sind mir schwache Schattentexturen aufgefallen, die sind jedoch leicht zu verschmerzen.

Egal ob es um Licht oder Schatten geht, dieses Spiel hat eine unglaubliche stimmige Ausleuchtung und egal ob es in Syrien oder im kalten Sibirien ist, alles sieht fantastisch aus. Alleine beim erklimmen des Berges, denn man bereits in einigen Trailern gesehen hat, sieht nicht nur das Eis und Schnee grandios aus. Auch Lara Croft selbst sieht besser aus denn je. Sie weist in sämtlichen Belangen sehr viel mehr Details auf und besonders auf die Haare können die Jungs und Mädels stolzen sein. Ja, genauso müssen Haare 2015 aussehen. Nehmt euch hier einmal ein Beispiel, liebe Konkurrenz.

Auch bezüglich der Animationen hat sich ein bisschen was zum Vorgänger getan. Auch wenn es bei manchem nur Kleinigkeiten sind. So wirken die Bewegungen von Lara und Co. authentischer und das nicht nur in den klasseaussehen Zwischensequenzen.

Im punkto Sounddesign kann man nur selten etwas bemängeln. Explosionen sind knallig, das Heulen und Knurren der Wölfe wirkt echt und auch knarrende Holzbalken dürfen nicht fehlen. Insgesamt ist das Spiel sehr stimmungsvoll. Nur eines passt nicht so ganz und das ist die neue Stimme von Lara Croft. Im direkten Vorgänger wurde sie im deutschen von Nora Tschirner vertont, hier jedoch wird sie von Maria Koschny, die deutsche Stammsprecherin von Jennifer Lawrence, gesprochen und das passt nicht. Zumindest meiner Meinung nach. Nicht weil sie einen schlechten Job macht, aber irgendwie will es nicht zünden. Falls sie euch ebenfalls nicht gefällt, empfehle ich auf Laras Originalstimme zu wechseln. Diese wird erneut von der britischen Schauspielerin Camilla Luddington vertont und macht ihre Sache brillant.

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Rise of the Tomb Raider hat nicht sonderlich viele Schwächen, dafür viele Stärken. Die Spielwelt ist wunderbar und sehr detailgenau, Lara ist endlich kein weinerliches Mädchen mehr und das Kampfsystem steht nun zum Glück hinter der Erkundung, auch wenn ersteres eine konsequente Weiterentwicklung erfahren hat. Die Gräber sind endlich in großer Vielzahl zurück, technisch ist es einwandfrei und die Story sorgt dafür, dass wir einen Indy-Film selbst nachspielen können. Im Grunde kann man also sagen, dass Rise of the Tomb Raider eine peinlich genaue Verfolgung von: „Größer, Besser und Weiter“ wollte und es mit Bravour absolvierte. Schlechtweg macht mir das Spiel sehr viel Spaß, auch mehr als der Vorgänger. Lohnt sich aber jetzt eine Xbox One dafür zu kaufen? Nun, es ist ein klasse Spiel geworden, dieses Rise of the Tomb Raider, aber wenn es wirklich das einzige Spiel sein sollte, das man für die aktuelle Konsole von Microsoft kaufen möchte, dann empfehle ich doch eher auf die PC- oder PS4-Version zu warten. Verpassen solltet ihr das Spiel aber unter keinen Umständen, denn genauso stellt man sich ein neues Tomb Raider-Spiel vor.
Gameplay85
Visualisierung100
Story & Integration75
Genre-Wertung85
Feedback90
Positiv
Wunderschöne Spielwelt
Technisch hervorragend
Vieles zu erkunden und Gräber
Negativ
Deutsche Stimme von Lara Croft
Steuerung stellenweise schwammig
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