Nach geschlagenen drei Jahren präsentierte ArenaNet vergangene Woche das erste Addon zu Guild Wars 2 und somit auch die ersten ganz großen, kostenpflichtigen, Erweiterungen. Ob Guild Wars endlich seinem Namen gerecht wird, das Herz von Maguma überzeugen kann und der Umgang mit den neuen Klassen Spaß macht erfahrt ihr in diesem Review.

Als recht aktiver Guild Wars 2 Spieler freue ich mich nun schon einige Zeit auf das erste große Addon. Die Entwicklung von Guild Wars 2 über die vergangenen drei Jahre war mehr als interessant und spannend zugleich. Neben der lebendigen Geschichte und allerhand Veränderungen bezüglich des Skillsystems, Metas und Accountbindungen ist Heart of Thorns nun die erste Erweiterung, für die der potentielle Spieler zur Kasse gebeten wird. Das interessante dabei ist, dass ArenaNet erst vor kurzem das gesamte Modell zu einem Free2Play Abenteuer machte. Umso interessanter, was einem kostenfreien Account bevorsteht, wenn er das Addon nicht gekauft hat. Soviel sei vorab gesagt: Auch die Free-Accounts kommen in den Genuss von zahlreichen Features.

 

The Revenant

Mit dem Widergänger bringt ArenaNet die erste neue Klasse ins Spiel. Ich hatte zwar immer auf eine neue Rasse gehofft, aber vielleicht erwartet diese uns ja doch noch in einem weiteren Addon. Im Spiel erlebt man den Revenant als die perfekte Glaskugel, die man sich für das PvE im freien Roamen wünschen kann. Extremer Schaden, fast unendliche Skills, dank der Auswahl von vier Spielmodi, die sich während des Kampfes wechseln lassen und schnellem, wendigen Situation-Movement. Der Revenant ist großteils On-Point, wirkt im Vergleich zu anderen Roamern, wie dem Dieb, aber deutlich Stärker und kann insbesondere mit Axt und Schwert im Einzelkampf punkten. Den nötige AoE-Schaden verteilt der Revenant zum Beispiel mit dem Hammer und kann so auch im Event und der Masse punkten.

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Die Klassen-Mechanik erlaubt es dem Widergänger gleich zwischen vier starken Skillsets zu wählen. Jedes Skillset bietet besondere Vorteile, oder Nachteile. Die legendären Formen werden durch die Zwerg-, Dämonen-, Zentauren-, und Assassinenform wiedergespiegelt. Sie basieren entweder auf AoE gestützem Schaden, Single-Target Spells oder einem heilenden Support. Je nach Auswahl wechseln alle Skills, die der Revenant besitzt. Im ersten Aufgeblick klingt der Wechsel zwischen jeweils zwei Skillungen, die aktiv sein können, recht kompliziert. Entscheidet man sich langfristig aber für zwei Sets ist der Umgang im Kampf umso leichter und der Widergänger kann der Situation angepasst werden.

 

Wir werden Spezialisten!

Jede Klasse verfügt seit dem Update über die so genannte „Elite Spezialisierung“. Mit dieser Erweiterung der Eigenschaften versucht ArenaNet einen Ansporn für begeisterte max Level Spieler zu erreichen. Das gelang bei vielen Spielern nicht auf Anhieb, da das System hinter allem recht weiträumig ausgelegt war. So benötigte ein 80er Charakter rund 400 Heldenpunkte um die komplette Spezialisierung auszubauen. Vor dem Addon wären das 400 Level gewesen oder eben sämtliche gesammelte Heldenpunkte in der Welt von Guild Wars 2 inklusive eigene Level. ArenaNet schenkte den Spielern Gehör und verringerte bereits wenige Tage nach Release die Anzahl von 400 Heldenpunkten auf nur noch 250.

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Ist unser Charakter aber dann mal 80 geht es an die eben angesprochenen 250 Punkte, die wir im neuen Elite Spezialisierungsbaum verteilen können. Das System funktioniert dabei genauso wie auch schon die alten Spezialisierungen, nur als neuer Skilltree, den wir in unseren Eigenschaften anstelle des letzten Slots aktivieren können. Ist die Elite Spezialisierung aktiviert wird unser Charakter automatisch zu einer neuen Klasse:

Klasse Elite-Spezialisierung Waffe
Krieger Icon.png Krieger Berserker Fackel
Wächter Icon.png Wächter Drachenjäger Langbogen
Widergänger Icon.png Widergänger Herold Schild
Dieb Icon.png Dieb Draufgänger Zepter
Ingenieur Icon.png Ingenieur Schrotter Hammer
Waldläufer Icon.png Waldläufer Druide Stab
Elementarmagier Icon.png Elementarmagier Sturmbote Kriegshorn
Mesmer Icon.png Mesmer Chronomant Schild
Nekromant Icon.png Nekromant Schnitter Großschwert

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Jede Elite-Klasse darf eine neue Waffe tragen und erhält neue Hilfsfertigkeiten, sowie eine Elite-Fertigkeit. In der Tabelle oberhalb haben wir die neuen Titel sowie Waffen für euch zusammengefasst. Bei vielen Klassen funktioniert dieses System wunderbar. Je nach Klasse verändert sich unsere Position drastisch oder wird angehoben. Der Waldläufer beispielsweise wird zum Druiden, verliert dadurch zwar deutlich an Kraft und DMG-Output, wird in Zergkämpfen oder zur Unterstützung im Raid und Dungeon aber zum massiven Heiler und kann, bei richtiger Skillung und der richtigen Ausrüstung, mehr Heilung verursachen als ein heilender Elementarmagier. Andere Klassen, wie der Krieger, erhalten eine deutliche Aufwertung und werden, besonders im PvE, agiler und verteilen mehr Schaden. Die Balance zwischen alter Klasse und neuer Elite-Klasse kann im ersten Moment noch für Trouble sorgen. Hat man den Dreh aber nach einigen Fights raus kann man leicht entscheiden, ob und in welchem Umfang man die Elite für den eigenen Charakter nutzen möchte.

 

Das Herz des Dschungels

Die Kartenerweiterung von Heart of Thorns umfasst gleich sechs neue Gebiete, zwei davon sind Gildenareale, auf die ich später eingehe. Die anderen vier Bereiche unterteilen sich in Karten, die unterschiedlicher nicht sein können. Über die „Silberwüste“ betreten wir die „Grasgrüne Schwelle“, einem Kartenarenal, das sich über vier Ebenen erstreckt und zahlreiche Eventreihen und Entdeckungen bietet. Im Südwesten wechseln wir in den „Güldenen Talkessel“, der zwar weniger Ebenen besitzt, dafür aber mit einer gigantischen Ruinenstadt in der der Mitte der Karte auftrumpft. Vom Talkessel geht es Östlich in Richtung der „Verschlungenen Tiefen“, einer von Höhlen und Gängen gespickten Karte, die über mehrere Ebenen verfügt. Die Eventkarte „Widerstand des Drachen“ findet sich südlich der Tiefen und öffnet bei einer gewissen Anzahl an Spielern. Das Kartenevent wird dann bei Eröffnung getriggert  kann von aktuell bis zu 120 Spielern auf drei Lanes gemeistert werden.

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Alle Karten sind ArenaNet typisch grandios gestaltet, sehen grafisch exzellent aus und lassen den Charakter in die Tiefen des Dschungels erkunden. Auch nach drei Jahren sieht Guild Wars 2 fantastisch aus und macht den ohnehin bereits bestehenden Karten noch mehr Konkurrenz. Die Stadt inmitten des „Güldenen Talkessels“ ist dabei der wohl schönste Anblick, den MMO Spieler aktuell zu Gesicht bekommen können.

 

Sweet Little Rewards

Ergänzt wird der gesamte Eindruck durch die neuen Belohnungswege, die Accountweit eingeschlagen werden können. Überall auf den neuen Karten finden sich Belohnugspunkte, die wir durch Interaktion erhalten können. Ähnlich wie ein normales Level steigern wir so die Erfahrung einer Belohnung und erhalten so einzigartige Fähigkeiten, wie das Gleiten oder den Zugriff auf Teleporter und Hüfpilze. Bei der Erkundung der Karte erhalten wir Erfahrung, die uns im Belohnungspfad aufsteigen lassen. Haben wir den Pfad gemeistert können wir unsere verdienten Punkte anwenden und erlernen so die Fähigkeit. Guild Wars 2 setzt dabei auf Langfristigkeit und die neuen Inhalte können hierdurch keinesfalls schnell und konfortabel gelöst werden. Vielmehr bietet uns ArenaNet einen Anreiz über einen längeren Zeitraum, denn die Vervollständigung aller Belohnungspfade kostet uns enorm viel Zeit.

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Die neuen Belohnungspfade beschränken sich aber nicht nur auf die neuen gebiete, sondern auch Zentral Tyria erhält seine eigenen Belohnungen. Auch hier können wir einzigartige Fähigkeiten freischalten, wie zum Beispiel das neue Mentor Symbol, das uns neue Spieler und Anfänger helfen lassen soll. Ähnlich wie der Kommandeur leiten wir so Spielergruppen.

 

Mordremoths Fluch

In Heart of Thorns lassen wir die „Lebendige Geschichte“ fortfahren und tauschen mit unseren Begleitern in den Dschungel ein um das Schicksal unserer Kameraden Trahearne, Logan, der Asura-Lady Zojja und Eir aufzudecken. Wir stoßen dabei auf Mordremoth, der die in der Region ansässigen Pakttruppen in einen Hinterhalt lockte und dort versucht zur Strecke zu bringen.

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Die Geschichte ist Guild Wars typisch spannend erzählt und setzt erstmals auf Ingame-Monologe, die wir direkt über unserem Charakter als Sprechblase sehen. Zuvor gab es Zwischensequenzen die komplett herausstachen. Gleichzeitig können wir uns Bewegen und mit anderen Dingen interagieren. Die langweiligen Zwischensequenzen gehören somit der Vergangenheit an, werden aber durch kleine FIlmchen hin und wieder zurückgeholt.

 

Keep on rockin‘ Guilds

Endlich wird Guild Wars 2 seinem Namen gerecht. Neben zwei neuen Gildenhallen erweitert Guild Wars das Gildensystem um Missionen, Teams und Funktionalitäten. So können Gildenmeister jetzt entscheiden, welche Gildenhalle erobert werden soll, um dann mit der Gildengruppe in die Schlacht zu ziehen. Die Wahl kann dabei auf den „Verlorenen Abgrund“ oder die „Vergoldete Senke“ fallen. Zwei Karten, die unterschiedlicher nicht sein können. Die eine gebaut in einer tiefen Höhle, geprägt von asurischen Bauten, die andere inmitten eines gigantischen Canyons, überdeckt von hellem Sand. Im Rahmen einer sich anpassenden Quest kämpfen Gilden so erstmals um die Vorherrschaft ihrer Halle und können diese nach Erfolg ihr Eigen nennen.

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Die ebenfalls eingefügten Missionen lassen die Gilde wichtige Punkte erarbeiten, die zum Beispiel für den Ausbau der Gildenhalle notwendig sind. Ausbauten wie die Schenke, ein Workshop oder eine Gildenarena, in die auch andere Gilden eingeladen werden können, ist ab Heart of Thorns möglich. Gildenmitglieder können sogar ihre eigenen Objekte, die sich Kaufen lassen, frei in der Halle platzieren. So sind einzigartige Konstrukte oder sogar Jumping Puzzle möglich.

Gleichzeitig verändert ArenaNet die Fähigkeiten und will Gilden besser auf die Konfrontation, zum Beispiel im Welt gegen Welt Modus, vorbereiten. Die Gilde muss vor der Anspruchung von Forts bestimmte Ausbauten anwerfen, um Fähigkeiten, sowohl passiv als auch aktiv, zu erobern. Die Missionen in der Gilde beziehen sich dabei aber nicht nur auf das WvW, sondern können auch im PvE und WvW abgeschlossen werden.

 

Annnnnnnnd… FIGHT!

Nach dem Rand der Nebel tut sich diesmal endlich auch etwas im Welt gegen Welt Modus. Die ehemaligen Grenzkarten wurden durch drei große neue Karten ersetzt, die in einer aktuell noch unbekannten Rotation mit den alten Karten tauschen wird. Auch die neuen Karten sind in Türme, Lager und Festen unterteilt, die eingenommen werden können. Anders wie vor dem Patch sind einige Funktionalitäten dazugekommen, die auch auf der Karte „Ewige Schlachtfelder“ zum Einsatz kommen. So spotten Wachen, die vom Feind eingenommen wurden, Zergs der Kontrahenten und machen diese auf der Karte als kleine orangen Punkte sichtbar.

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Jede Feste verfügt auf den neuen Grenzkarten über Schreine, drei an der Zahl. Für jeden eingenommenen Schrein erhält das Team der eroberten Feste einen Boni. Diese spiegeln sich in unterschiedlichsten Kartenfunktionalitäten wieder. Zum einen erhalten Spieler an verschiedenen Orten Vorteile wie Unsichtbarkeit, oder sie sind Immun gegen Verkrüppelung.

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Forts können ab sofort über das Kartenmenü für die Gilde beansprucht werden. Hier steht nun die Wahl zwischen verschiedenen Ausbaulinien zur Verfügung, die anders wie auf den alten Karten nicht mehr mit einzelnen Ausbauten angewählt werden, sondern immer eine Reihe vervollständigen. Parallel dazu besitzen Home-Festen nun einen Wegpunkt, der egal welcher Ausbau aktiv ist, benutzt werden kann. Durch die neuen, deutlich größeren Karten und die damit verbundenen neuen Laufwege wird das WvW taktischer und durchdachter. Jump-Pads helfen hohe Wände schneller zu erobern und agieren so optimal mit den Schreins. Das macht den drei Zerg Modus actionreicher und spannender, vor allem bei den neuen Belohnungen, die sich durch das WvW nun verdienen lassen. ArenaNet hat erstmals den beliebten Modus komplett auf die WvW-Only Spieler abgestimmt. Mit „Beweisen der Heldentaten“ lassen sich PvE Inhalte eintauschen und Heldenpunkte verdienen. Außerdem stehen in jeder Feste, jedem Turm und Lager Synthetizierer, die alle 15 Minuten einen abbaubaren Gegenstand beinhalten bereit.

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ArenaNet schafft endlich den Sprung in den HighEnd Content und lässt Spieler des maximalen Levels noch lange Spaß haben. Klar lassen sich nicht alle Inhalte von heute auf morgen erforschen, aber das ist ja auch nicht der Sinn eines langfristigen Addons. Vielmehr versucht Guild Wars 2 endlich Fuß zu fassen und für die Zukunft mitzudenken. Die neue Klasse fühlt sich toll an, gleiches gilt für die neuen Karten. Auch Gilden haben endlich eine angemessene Funktion und Gemeinschaftsaktionen steht nichts mehr im Weg.
Gameplay90
Visualisierung95
Story & Integration90
Genre-Wertung95
Feedback90
Positiv
Tolles Gesamtpaket
Enorm viel Inhalt
Keine Levelerhöhung
Negativ
Nicht alle Elite-Spezialisierungen optimal
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