Ich mag Sony nicht besonders. Das liegt an vielen Dingen, aber wohl hauptsächlich, dass ich ihnen eine Hauptschuld am Scheitern des Sega Dreamcast gebe. Jedoch gibt es auch für mich nicht immer die Möglichkeit die Firma zu umgehen. So ist es nun bei der Playstation Vita gewesen.

Ich habe mir von einem Kumpel bei einem längeren Krankenhausaufenthalt eine Playstation Portable kaufen lassen und war mit dieser auch immer sehr zufrieden. Als Sony im Jahr 2012 die Playstation Vita veröffentlicht hat, war ich doch sehr interessiert, da die PSP schon eine gute Hardware darstellte. Die zwei God of War Teile (Chains of Olympus und Ghost of Sparta) alleine waren schon die Anschaffung wert! Das viele Kollektionen von SNK Playmore mit Neo Geo-Spielen auf der PSP erschienen sind war für mich super. Die Samurai Shodown-Serie und die Metal Slug-Serie habe ich immer wieder gerne gespielt.

Also warum hätte ich sie mir nicht kaufen sollen? Microsoft baut keine Handhelds und Nintendo kam mir vom Spieleportfolio etwas zu „für Kinder“ daher, also blieb es bei der Vita. Was kann da schon schief gehen? Gute Hardware, gute Ideen und selbst als reine PSP 2 wäre ich ja schon zufrieden! Doch was ist passiert? Sony schafft es wohl nicht gute Spiele für irgendwen zu produzieren und selbst im Land der aufgehenden Sonne liegt der schwarze Kasten wie ein Stein im Verkaufsregal. Anfängliches aufbäumen mit guten Konzepten wie Gravity Rush oder Escape Plan scheinen auf dem Massenmarkt keine Bedeutung zu haben. Selbst richtig gute Spiele wie Tearaway können keine wirkliche Besserung der Verkaufszahlen bewirken, wobei Sony hier auch vielleicht zu nah am kindlichen Nintendo Konzept war. Aber auch grobe Fehler bei den eigenen Spielen selbst, machten nicht unbedingt Werbung für die Vita. Wie ich schon erwähnte mag ich die beiden God of War-Teile für die PSP, jedoch hatte ich nie die Gelegenheit die Hauptteile der Serie zu spielen, da ich weder eine PS2 noch eine PS3 besitze. Meine Freude war also riesig, als Sony die God of War Collection mit den HD-Remakes von Teil 1 und 2 der Hauptserie für die PS Vita ankündigt hat. Ich freue mich zwar, dass ich die Spiele heute spielen kann, jedoch ist die technische Umsetzung der Spiele nicht gut. Die beiden Teile sind zwar nicht unspielbar, jedoch liefen die beiden Spiele schon auf der PS2 einer konstanteren Frameraten und das kann einfach nicht das Optimum der sehr guten Technik der Vita sein! Killzone: Mercenaries dagegen ist technisch sauber und sieht fantastisch aus, jedoch kann ich nicht frei speichern und muss jede einzelne Mission immer wieder von Anfang an starten, wenn ich die Mission beim letzten Mal nicht komplett abgeschlossen habe. Bei einem Handheld, mit dem ich mal kurz im Bus eine Runde spielen möchte, ist das ja wohl eine Mega-Pleite!

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Was ist die logische Konsequenz für eine Firma, wenn das eigene Produkt vom Markt nicht so angenommen wird, wie man es gerne hätte? Das ist wohl je nach Firma sehr unterschiedlich! Microsoft zum Beispiel nimmt bei der Xbox One eine Menge Geld in die Hand und investiert um die Xbox One auf dem Markt nach vorne zu bringen. Man geht auf Kundenwünsche ein, lockert Regeln und versucht dem potentiellen Kunden so gut wie möglich entgegen zu kommen.

Bei Sony ist dieses wohl nicht erwünscht. Nach gerade einmal dreieinhalb Jahren hat Sony mitgeteilt, dass es keine weitere First-Party Unterstützung mehr für die Playstation Vita geben wird! Das bedeutet, Sony wird keine Spiele mehr für die Playstation Vita produzieren. Kein Uncharted mehr, kein God of War oder Killzone, kurz gesagt Sony gibt seinen Handheld auf!

Was sollte einen Publisher jetzt noch dazu veranlassen ein Spiel für die Playstation Vita zu entwickeln, wenn nicht einmal der Entwickler der Vita noch Vertrauen in sein eigenes Produkt hat?

Ich fühle mich von Sony verraten! Ich habe mir vor drei Jahren einen Handheld gekauft, der jetzt vom Hersteller nicht mehr unterstützt wird und in meinen Augen auch schon vorher nicht genug unterstützt wurde. Wo sind die ganzen Spiele und Aktionen die neue Kundschaft anlocken sollte? Ja, der Markt hat sich verändert und die meisten spielen unterwegs auf dem Smartphone, aber wo war der Kampf? Wo war Sonys Versuch die Vita zum Erfolg zu führen? Die Entwicklung der Vita wird Sony einiges gekostet haben, also warum zur Hölle haben sie aufgegeben ohne je versucht zu haben der potentiellen Kundschaft etwas zu geben was Smartphones nicht können? Tearaway war ein guter Ansatz aber ein Spiel ist nicht genug! Sony hat die Vita aufgegeben bevor sie eine Chance hatte!

So werden wir wohl niemals Freunde Sony!

 

Update

Am 29.10.2015 meldet sich der SCE Europe Präsident und CEO Jim Ryan zu Wort und spricht von einem Missverständnis. Masayasu Ito (von dem die ursprüngliche Aussage stammt) hat damit wohl tatsächlich gemeint, dass Sony keine weiteren Triple-A-Titel mehr produziert. Es gibt aber First-Party-Inhalte an denen gearbeitet wird. Wobei es sich dabei handeln soll hat Ryan nicht erwähnt.

Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den Versuch irgendwie die Wogen zu glätten und den Shitstorm zu vermeiden. Warum sollte Ito sonst behaupten es wären keine Spiele in Entwicklung? Hat er die kleineren Produktionen vergessen? Warum spricht Ryan von First-Party-Inhalten und nicht von Spielen? Ich glaube tatsächlich, dass Sony die Vita aufgegeben hat, weil sie in keiner Weise die internen Erwartungen an Verkaufszahlen erreichen konnte! Letztendlich werden wir dieses erst in einigen Monaten genauer beurteilen können, aber wenn Sony tatsächlich noch Spiele für die Vita veröffentlicht, dann würde mich das sehr überraschen!

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