In letzter Zeit gibt es in der Videospielbranche einen sehr unschönen Trend. Da die Entwicklung von Videospielen sehr teuer ist, kommen viele Publisher auf die wahnsinnig tolle Idee ihr Spiel, in meisten Fällen Ego-Shooter, brauche ja gar keinen Singleplayer, da ja eh alle nur den Multiplayermodus spielen.

Ja, die letzten Singleplayer-Kampagnen von Call of Duty und Battlefield waren echt schlecht, aber es gab auch mal eine Zeit, wo man sich darüber aufgeregt hat, dass die Kampagne von Call of Duty zu kurz ist, nicht das sie schlecht ist.

Das erste Spiel, bei dem es mir negativ aufgefallen ist war Titanfall. Ich mag das Spiel, jedoch finde ich es traurig, dass es überhaupt keine Singleplayer-Kampagne gibt. Jetzt kommen die Fanboys und sagen, aber es gibt doch eine Multiplayer-Kampagne in Titanfall. Das ist zwar grundsätzlich richtig aber auch wieder totaler Blödsinn, weil es nur eine aneinander Reihung von Multiplayer-Matches sind und die Story (es ist schon mutig diesen erzählerischen Müll so zu nennen) verhält sich immer gleich, egal ob man gewinnt oder verliert. Darüber hinaus ergeben die kurzen In- und Outros zu den Missionen mit kurzen Einblendungen am Bildschirmrand überhaupt keinen Sinn, besonders sind die Personen, die dort gezeigt werden, nicht auf dem Schlachtfeld, was eine Identifikation mit diesen Charakteren nahezu unmöglich macht. Wer sich sowas ausdenkt und der Überzeugung ist, dass wäre genauso gut wie eine richtige Singleplayer-Kampagne, der gehört in eine Zwangsjacke! Es ist so, als lässt man Schnipsel eines Filmes mit unbekannter Handlung in einem Bild-im-Bild-Modus abspielen, während man ein Multiplayer-Match spielt.

Rainbow-Six-Siege-Screenshot-Wallpaper

Rainbow Six: Siege wird keinen Singleplayer beinhalten

Sehr geehrte Damen und Herren von EA, ich gehe davon aus, dass es sich bei ihrer Hauptkundschaft nicht um wahnsinnige Multitasking-Monster handelt, sondern um normale Männer und Frauen, bzw. Jungs und Mädchen. Wenn ich damit Recht haben sollte, dann sage ich ihnen gerne, dass es für uns „Normalos“, die keine koreanischen Starcraft Profis sind, unmöglich ist, gleichzeitig ein Multiplayer-Match zu bestreiten und einer Handlung in Form von Video- und Audiomaterial zu folgen!

Leider ist Titanfall aber nur ein Beispiel. Die beiden aktuellen Vertreter sind Rainbow Six: Siege und Star Wars: Battlefront.

Sowohl die Rainbow Six: Siege, als auch die Battlefront-Serie hatten immer eine Singleplayer-Kampagne, bei beiden aktuellen Teilen wurde diese aber weggelassen. Klar, EA hat sich bestimmt gedacht, dass eine Kampagne in einem Ego-Shooter im Star Wars Universum eh nicht funktioniert. Das ist aber schon merkwürdig, da die Star Wars Jedi Knight Serie extrem gelungen war und gerade Jedi Knight 1 in mehreren Dingen wegweisend war.

Ähnlich ist es auch mit der Rainbow Six Serie. Gerade diese Serie war ein so perfektes Beispiel, das Ego-Shooter nicht immer nur hirnlose Ballerei sein müssen, sondern ein taktisches Vorgehen verlangen können.

Ganz Frisch kam die Meldung von Activision rein, dass die Singleplayer-Kampagne von Call of Duty: Black Ops 3 nicht mehr für die alten Konsolen umgesetzt werden kann, darum habe man sich dazu entschieden auf PS3 und Xbox 360 lediglich den Multiplayer des Spiels umzusetzen. Aber keine Angst, liebe PS3 und Xbox 360-Freunde, Activision bietet das Spiel deshalb nicht zum Vollpreis an, sondern 10 Euro billiger! Unglaubliche 10 Euro! Das halbe Spiel wird gestrichen und es gibt 10 Euro Rabatt! Ein absoluter Top-Deal, zumindest für Activision. Für die eigentlichen Kunden ja wohl weniger.

Auch Star Wars: Battlefront verzichtet auf den Einzelspieler

Auch Star Wars: Battlefront verzichtet auf den Einzelspieler

Die große Frage bleibt jedoch: Warum? Warum entscheiden sich Publisher und Entwickler gegen die Singleplayer-Kampagne? Leider ist die Antwort ganz einfach, eine Singleplayer-Kampagne ist wahnsinnig teuer! Gerade bei Call of Duty macht die Singleplayer-Kampagne den größten Anteil der Entwicklungskosten aus.

Eine Frage bleibt dann aber, wenn der Publisher den teuersten Teil der Videospielentwicklung einspart, warum müssen wir dann selbst für die Spiele ohne diesen Teil 60 Euro bezahlen?

Ach ja, hier noch eine spezielle Bitte an die Battlefield-Macher! Wenn ihr schon eine Singleplayer-Kampagne macht, dann lasst doch bitte mal die Qualitätsabteilung drauf gucken! Nach Battlefield: Bad Company 2 war alles Schrott! Battlefield 3, Battlefield 4 und Battlefield: Hardline waren alle irgendwo zwischen „ein schlechter Witz“ und „unzumutbar“! Warum kopiert ihr die Kampagne von Call of Duty, die jedes Jahr den Preis für Innovationsarmut einsacken und dessen Verkaufszahlen immer schlechter werden? Ihr habt mit der Bad Company eine sympathische Gruppe erschaffen und die Kampagne weniger ernst genommen und stattdessen mit einem sehr zynischen Humor ausgestattet. Ich mochte das sehr, aber schon bei Teil 2, der immer noch gut war, aber lange nicht so gut wie Teil 1, konnte man merken, dass der Humor zurück genommen wurde. Mein Vorschlag ist hier ganz einfach. Macht im Multiplayer was ihr wollt, ob ernst oder weniger ernst, ob Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, aber der Singleplayer gehört der Bad Company, denn so gut wie da, wart ihr nie wieder.

Bis demnächst, wenn der nächste Wutanfall über mich kommt!

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