Die Spieleszene ist in einem stetigem Wandel. Nicht nur Hardware, Grafikengines und Umfang der Spiele entwickeln sich weiter, sondern auch die verschiedenen Genres schreiten stetig voran oder werden durch Neues ergänzt.

So begann im Jahre 2002 mit dem Release von World of Warcraft der große Boom der MMORPGS und mit League of Legends der nicht mehr enden wollende Strom an MOBAs. Die Gamescom 2015 wurde nun von einem neuem Gerne dominiert, wobei neu wohl nicht ganz richtig ist, vielmehr handelt es sich um eine Art „FPS-RPG-MOBA-Mix“.

Auf kleinen, arenaartigen Karten treffen in Spielen wie 2Ks Battleborn, Blizzards Overwatch oder Hirezs Paladins zwei Teams aufeinander um dort gegeneinander um Objekte zu kämpfen, Aufträge zu erfüllen und schlussendlich das andere Team zu besiegen.

Entwickelt hat sich diese Art Spiel wohl aus dem großen Erfolg der klassischen MOBAs wie League of Legends, Dota 2 oder Heroes of the Storm und Teamshootern wie CS:GO oder der Call-of-Duty-Reihe. Im Ergebnis bieten diese Spiele taktische Komponenten aus MOBAs und die Dynamik aus 3rd-Person-RPGs beziehungsweise Shootern. Hierdurch spricht man letztlich alle Spieler an, denen MOBAs entweder zu langsam sind oder die mit der Vogelperspektive nichts anfangen können.

Wir haben uns auf der Gamescom einige dieser Titel genauer anschauen können

Overwatch: TF2 reloaded?

In zwei Partien sechs gegen sechs durften wir einen ersten Blick in die rasante Welt von Overwatch werfen. Dabei entpuppte Blizzards neuestes Franchise als schnelles, intensives und abwechslungsreiches Spiel.

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http://eu.battle.net/overwatch/de/

Publisher: Blizzard Entertainment

Singleplayer: Nein

Multiplayer: 6v6

Perspektive: First Person

Free2Play: Unbekannt

Plattform(en): PC

Release: Unbekannt, Beta beginnt im Herbst 2015

Battleborn: Auf nach Solus

Battleborn ist der neuste Sprössling der Borderlands-Schmiede 2k und diese direkte Verwandtschaft spürt man sofort, wenn man Hand an den Controller legt. Aufbau des UI, Charakter- und Weltendesign und bereits die Erzählstimme im Hintergrund scheinen auf direktem Wege aus Pandora gekommen zu sein. Die hiesige Welt heißt war Solus, trotzdem fühlen wir uns, als alte Borderlands-Veteranen, pudelwohl.

Solus ist im Universum von Battleborn der letzte nicht erloschene Stern und der Spieler hat die Aufgabe diesen Status Quo zu erhalten. Dabei kann er zwischen 25 verschiedenen Helden wählen und sich zusammen mit bis zu vier anderen Spielern in die letzte Schlacht des Universums stürzen.

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Wir konnten auf der Gamescom eine Mission der Kampagne durchspielen und waren recht angetan vom Spielprinzip. Angeleitet von unserem Anführer, einem alten, verschrumpelten Greis, dem man lieber seinen Raumschiffführerschein entziehen sollte, kämpften wir uns durch verschiedenste Wellen an Gegnern, mussten Räume und Objetkives erobern, Kanonentürme aktiveren und riesige Roboter eskortieren. Ganz wie in Borderlands gibt es verschiedene Gegnerklassen, vom einfachen Fußvolk bis hin zum Bossmonster. Die Klassen erschienen uns recht Genretypisch: Vom Tank, der sich in unserem Fall begeistert durch die Massen an Gegnern walzte um dann zu merken, dass seine Teamkameraden ohne ihn aufgeschmissen sind, über die wild rumfuchtelnde Schwertkämpferin bis hin zur vier-armigen Hexe, die zwar viel Schaden austeilt aber auch gerne selbst ein One-Hit-Wonder darstellt, ist alles vertreten.

Ehrlich gesagt hat uns das Gesamtpaket zwar begeistert, aber auf Dauer dürfte dieses reine Monstergekloppe an Witz verlieren, daher hoffen wir auf einen starken Multiplayerpart. Mit den drei Spielmodi: Überfall, Verwüstung und Schmelze hat 2k hier einiges angekündigt.

https://battleborn.com/

Publisher: 2k

Singleplayer: Ja

Multiplayer: 5v5

Perspektive: First Person

Free2Play: Nein

Plattform(en): PC, Xbox One, PS4

Release: 09.02.2016, Beta vorrausichtlich im Herbst 2015

Gigantic: Man sieht das toll aus

Mit Motiga schmeißt sich ein vergleichsweise kleines Studio in den Konkurrenzkampf mit den Brancheriesen 2K und Blizzard. Mit Gigantic ist dem Studio aber ein Geniestreich gelungen, weshalb Microsoft sich wohl auch direkt als Partner angeboten hat. Gigantic nennt sich das Baby der Entwickler aus Washington und hier wittern wir großes Potential.

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Gigantic orientiert sich sehr stark an klassichen MOBAs wie LoL oder Dota 2. Nicht nur die Fantasy-typischen Helden wie Magier, Bogenschützen und Assassinen zeigen diese Verbundenheit, sondern auch das Spielsystem: In strategischen 5v5-Team-Kämfpen treffen hier insgesamt zehn Spieler aufeinander und müssen versuchen den gegnerischen Wächter zu vernichten. Der Wächter entspricht hierbei zwar rein spielmechanisch gesehen dem Nexus aus League of Legends – da man auch diesen zerstören muss, um zu gewinnen – ist aber kein passives Gebäude, sondern ein autarkes Monster, welches sich auch selbst wehrt bzw. angreift.

Auch gibt es keine MOBA-typischen Lanes, sondern eine verschachtelte Karte mit verschiedenen Stützpunkten, welche man erobern muss um dort kleine Wächter zu spawnen, welche für einen Kämpfen. Das Erobern funktioniert hier so, wie bei den Stützpunkten in Battlefield: Das erobernde Team muss alle Gegner im Zielgebiet töten und eine Zeit lang in dem Gebiet verweilen, bis man den Stützpunkt besitzt und ein Monster spawnen kann.

Diese Änderungen und die angenehm überschaubare Größe der Karte verleihen Gigantic eine andauernde Dynamik und ein dermaßen hohes Pacing wie man es selten sieht. Wer also ein MOBA sucht, welches hauptsächlich auf Teamfights ausgelegt ist, der wird an Gigantic viel Freude haben. Außerdem haben uns die liebevolle Gestaltung und das grandiose Chrakterdesign regelrecht vom Hocker gehauen.

https://www.gogigantic.com/de/

Publisher: Motiga

Singleplayer: Nein

Multiplayer: 5v5

Perspektive: Third-Person

Free2Play: Ja

Plattform(en): PC, Xbox One, Crossplattform möglich

Release: 4. Quartal 2015, Beta beginnt am 28.08.2015

Paladins: Champions of the Realm

Hinter Paladins steckt ein alter Bekannter aus der Spiele-, speziell der FPS-Branche: Hirez Studios. Hirez, groß geworden mit Tribes und Global Agenda, ist bereits seit 2011 auf dem MOBA-Markt aktiv. Mit Smite, selbst ein Third-person-Spiel mit sonst klassischen MOBA-Attributen, hat Hirez seine Daseinsberechtigung in der Szene bewiesen und für viel Aufsehen gesorgt. Eine aktive eSport-Community mit teils horrenden Preisgeldern im sieben-stelligem Bereich unterstreicht diesen Erfolg.

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Paladins ist nun das neue Spiel aus der oben angesprochenen MOBA-Evolution seitens Hirez. Wie immer kämpfen zwei Teams á fünf Spieler um den Sieg, indem sie verschiedene Objetkives erfüllen. Auf der Gamescom mussten wir zum Beispiel KI-gesteuerte Belagerungswaffen in die gegnerische Basis treiben um deren Kern zu zerstören. Dies funktionierte schon ganz gut, einzig die Karte war uns teils zu unübersichtlich. So ist nicht genau erkennbar wo die Karte endet und so sind wir oft auf der Flucht vor dem Gegner an einer unsichtbaren Wand gescheitert.

Anhand der verschiedenen Helden spürt man die Herkunft des Spiels: Steuerung und Mechanik ähneln sowohl Global Agenda als auch Smite, auch in den Heldendesigns lässt sich das ein oder andere Vorbild gerade aus Smite erahnen. Die Besonderheit liegt bei Paladins in den Fähigkeiten. Am Anfang jeder Partie kann der Spieler sich verschiedene Fähigkeitsattribute aus seinem Kartendeck aussuchen und diese dann im Spielverlauf leveln. Auf diesem Wege bietet Paladins eine schier unendliche Auswahl an Möglichkeiten beim Bau eines Helden. Die einzige Angst die wir hier haben, ist das enorme Pay2Win Potential, welches in diesen Karten steckt, aber noch ist zum Ingameshop vom Paladins nichts bekannt.

Insgesamt hat uns die Party sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die vielen Tode an unsichtbaren Mauern durchaus nervig waren. Grafisch kann man vielleicht noch ein bisschen an der Karte feilen, aber die Helden und Fähigkeiten sehen schon toll aus.

http://www.paladins.com/

Publisher: Hirez Studios

Singleplayer: Nein

Multiplayer: 5v5

Perspektive: First-Person / Third-Person

Free2Play: Ja

Plattform(en): PC, Xbox One, PS4

Release: 2016, Betaanmeldung bereits möglich

Fable Legends: Fable ohne Singleplayer, geht sowas?

Fable Legends fällt wohl am Meisten aus der klassischen MOBA-Definition raus, trotzdem nehmen wir es hier mal mit auf – zu viele Punkte überschneiden sich dann doch.

Das Fable-Franchise ist eines der Zugpferde der Microsoft-eigenen Spielekonsole Xbox. Besonders die lebendige Welt und die Konsequenzen der Entscheidungen des Spielers für die Entwicklung von Story, Welt und Charakter haben der Reihe einen Platz in der ewigen Rollenspiel-Hall-of-Fame gesichert. Umso verwirrter waren Medien und Fans als Microsoft mit Fable Legends einen reinen Multiplayer angekündigt hat.

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In Fable Legends stürzen sich vier Spieler gemeinsam in den Kampf gegen Massen an feindlichen Trollen, Ogern, Hobbes und anderen Bestien des Fable-Lores. Besonders ist hierbei, dass die Gegner zwar über eine gewisse AI verfügen, letztlich aber von einem menschlichen Spieler kontrolliert werden. Dieser kann die Karte aus der Vogelperspektive betrachten und seine Schergen auf seine Gegenspieler hetzten. Vor jeder Partie kann der Bösewicht seine Strategie bestimmen, seine dunklen Gehilfen an strategischen Punkten positionieren und Fallen legen. Auch während des Kampfes hat er eine Gewisse Kontrolle über seine Einheiten und kann zum Beispiel versuchen die Helden voneinander zu trennen, indem er vorher vorbereitete Holzpalisaden zwischen dem Tank und seiner Gruppe hochklappen lässt. Umso mehr Zeit vergeht, umso mehr Punkte sammelt der Bösewicht und kann diese als Zahlungsmittel für Einheiten und Fallen reinvestieren.

Die Klassen scheinen alle gut durchdacht und spielen sich flüssig. Jeder scheint seine Aufgaben zu haben, verschiedenste Tanks, Heiler, Assassinen, Schützen, Magier sind verfügbar. Veteranen der Fable-Reihe werden sich sofort heimisch fühlen, denn das Skillsystem ist genau wie in den vorherigen Teilen des Franchise. Jeder verfügt über eine Standart-Attacke und einige passende Skills, welche er leveln kann.

HW News Cover

Das 4v1 Prinzip ähnelt stark dem Spiel Evolve von 2k, unterscheidet sich aber letztlich doch stark, da der eine Spieler auf der Seite des Bösen nicht ein übermächtigen Charakter steuert, sondern eher eine Art Echtzeitstrategie spielt und dem Heldenteam so Schwierigkeiten machen kann. Hier sehen wir bisher auch das Hauptproblem von Fable Legends: Das Balancing. Gerade im Anfängerbereich scheint der Bösewicht etwas zu mächtig zu sein. So ziemlich alle Gruppen am Fable-Stand haben klar verloren – spätestens beim Endboss war immer Schluss. Wir hoffen das Lionhead Studios und Microsoft hier noch nachbessern, auch wenn wir verstehen, dass das Balancing in einem asymmetrischen Multiplayer sehr schwer ist.

Insgesamt hat uns auch Fable Legends gut gefallen. Das System erinnert stark an Evolve, hat aber seine Eigenheiten durch die Möglichkeiten des Bösewichts. Die Welt sieht toll aus und die Charaktere und ihre Fähigkeiten passen super zum Fable-Universum. Einzig das Balancing des Bösewichts scheint noch unausgereift. Ebenfalls sehr schade ist die Ankündigung seitens Microsoft, dass man sich alle zu erspielenden Gegenstände, Fallen und sonstigen Inhalte auch einfach für Echtgeld kaufen können wird.

https://www.fablelegends.com/

Publisher: Microsoft Game Studios

Singleplayer: Nein

Multiplayer: 4v1

Perspektive: First-Person / Third-Person / Vogelperspektive

Free2Play: Ja

Plattform(en): PC, Xbox One – Crossplattform möglich

Release: 13.10.2015, Beta läuft bereits

Unser Eindruck

Die Gamescom 2015 stand eindeutig unter dem Stern der Multiplayerfans – besonders der Anhänger der Multiplayer Online Battle Arena: kurz MOBA. Mit Titeln wie Overwatch. Battleborn, Paladins, Fable Legends und Gigantic kommen teils FPS-lastige MOBAs auf den Markt, die allesamt weniger auf Gewalt und Geballer als auf strategische Teamaction im Comiclook setzen. Ein bisschen League of Legends gepaart mit Call of Duty und schon haben wir die Basiskomponenten dieser neuen Generation Spiele. Dies ist vielleicht auch das Geheimnis dieser Spiele, denn man bietet sowohl MOBA-, als auch FPS-Fans tollen Content, der sich zwar irgendwie bekannt, schlussendlich aber doch neu anfühlt. Einzig der F2P-Trend ist mit gesundem Argwohn zu beobachten, aber in Zeiten von massenweise teurer DLCs und teils überteuertem Early-Access ist dies vielleicht das kleinste aller Übel.