Hatred vom polnischen Etnwickler Destructive Creations ist nicht nur enorm umstritten, sondern bricht mit dem Release des „Amok“-Shooters auch den ein oder anderen Rekord. Auf Steam ist Hatred bereits Tage vor Veröffentlichung nicht mehr verfügbar, Käufer bekommen zwecks Ländersperre zwei Zugänge und die Verkaufszahlen zeigen dennoch, dass das Interesse an Hatred nicht gesunken ist. Ob alle Vorurteile gegenüber dem Top-Down Shooter berechtigt sind oder sich dahinter nur warme Luft verbirgt erfahrt ihr in unserem Review.

Die Fachpresse spekulierte fleißig die Intention hinter Hatred, einem Top-Down Shooter, der maßgeblich darauf zielen sollte einen Protagonisten zu spielen, der seine Umwelt hasst und diese mit allen Mitteln bekämpfen will. Jetzt, nach Veröffentlichung, blicken wir auf Hatred und können genau diese Strategie auch im eigentlichen Spiel sehen. Wir schlüpfen in die Rolle eines namenlosen Mannes, der, ohne Hintergrundgeschichte, einen Hass auf seine Mitmenschen pflegt und versucht mit Waffengewalt jedes einzelne Individuum auszulöschen.

Warum der Hass?

article_post_width_Hatred_Destructive_CreationsSoweit, so gut. Die Beweggründe bleiben uns dabei zwar verschlossen und wir tappen hinsichtlich seiner Vergangenheit im Dunkeln, das macht aber insofern nichts, da Hatred auf eine hausgemachte Geschichte eigentlich nicht abzielt. Vielmehr soll Hatred eine Art Schnätzelspaß für zwischendurch sein. Eine schnelle Runde durch die Stadt laufen, drauf los ballern und dann wieder in den Alltag starten. Das klingt im ersten Moment mehr als kontrovers, verfolgt aber keine andere Strategie als ein Postal oder Manhunt. Auch diese beiden Ableger waren mehr als diskutiert, erreichten aber schnell einen gewissen Kultstatus.

Hatred an sich kann diesen Kultstatus noch nicht auf sich beziehen, denn dafür fehlt noch einiges, zum Beispiel ein annehmbares Leveldesign. Unser Spielablauf besteht darin durch acht vollkommen offene Gebiete zu laufen und scheinbar unschuldige Bürger hinzurichten. Der moralische Unterschied zu einem freien Open World Titel wie Grand Theft Auto oder Saints Row besteht darin, dass das Abschlachten von Menschenmassen in Hatred zum Ziel gehört. Benannte andere Titel stellen dieses „Feature“ optional zur Verfügung und wir müssen oftmals mit den Folgen leben (zum Beispiel bei mehrfacher Hinrichtung in Assassin’s Creed).

Das Leben schwer machen

article_post_width_hatred_gameOb das alles verwerflich sein mag oder nicht liegt letztendlich im Sinne des Betrachters und jeder wird diese verfolgte Taktik anders beurteilen. Durch die angewendete Top-Down Sicht nimmt Destructive Creations trotz dieser schwierigen Situation einiges an Luft aus der Kontoverse. Vielmehr wirkt das Gameplay wie eine Art Zombie Shooter, bei dem wir so viele Wellen an Gegnern wie möglich auslöschen müssen. Für zwischendurch kann das sogar Spaß machen, wenn auch nicht langristig. Das liegt vor allem daran, dass Hatred mehr als monoton abläuft. Die Aufgabenstellung besteht, fast ohne Ausnahme, darin Zivilisten zu jagen und einen Ort aufzusuchen, um dort zu Jagen und ggf. das Level abzuschließen. Optionale Quest geben vor zum Beispiel einen Supermarkt aus zunehmen oder die Polizeistation zu stürmen. Diese Nebenhandlungen bescheren uns dann durchaus wichtige Extraleben und die ein oder andere Munition. Die brauchen wir auch zu allen Bedingungen. Sterben wir ohne ein Exraleben dürfen wir das komplette Level wiederholen.

article_post_width_Hatred_gameplayLeben sind in Hatred mehr als wichtig. Die KI im Spiel macht uns den Umgang mit der Waffe nicht unbedingt leichter, wenn uns Polizisten und Soldaten durch Wände sehen und den eigenen Charakter schon hinter dem nächsten Regal anvisieren. Taucht die KI dann hinter dem Objekt hervor eröffnet sie augenblicklich das Feuer und wir können schon vorher absehen, wann wir schießen müssen. Die KI handelt dabei stets nach der gleichen Abfolge. Bewaffnete Gegner wirken also keineswegs klug, sondern verhalten sich simpel und einfach. Einfach ist Hatred hingegen nicht. Der Schwierigkeitsgrad baut im späteren Verlauf deutlich auf und wir haben teils Probleme die schieren Massen zu bewältigen. Das zählt in erster Linie für Soldaten, die ohne schwere Waffe wie ein Schwamm jede einzelne Kugel auffangen. Das kann schnell nerven, schafft aber einen gewissen Anreiz. Unser Leben füllen wir in all dem Trouble mit Hinrichtungen auf. Liegt eine person am Boden und quält sich können wir mit dieser agieren und sie vom gegenwärtigen Leid erlösen. Die gezeigten Animationen dieser Hinrichtungen wirken bei den ersten malen noch spannend, nerven aber im späteren Verlauf. In den Optionen können wir sie aber deaktivieren.

Destructive Creations

article_post_width_unnamed__3_Destructive Creations wird bei all dem seinem Namen gerecht. Fast alle Wände, Objekte, Häuser und Zäune lassen sich mit Granaten, explodierenden Gasflaschen oder Autos, die sich unglaublich schlecht fahren lassen, bis ins Detail zerstören. Die Explosionen wirken dabei durch die ausgefeilte schwarz-weiß Sicht toll gemacht und bestechen insbesondere durch die farbgebung bei Blut, Feuer und Blaulicht. Der angewendete Stiel erinnert stark an Sin City. Das ist zwar nichts neues, passt aber super zu Hatred. Grafisch zeigt Destructive Creations, dass Hatred auch ansehnlich sein kann. Objekte wirken aus der Top-Down Sicht schön modelliert und schlichtweg gut platziert. Die Welt wirkt stimmig, wenn auch nicht einladend. Schließlich läuft da ein Mann mit der gezogenen Waffe Amok. im Gegensatz zur Grafik ist die deutsche Lokalisierung dafür umso schlechter. Bei Übersetzungen wie „Verbrennt den Affen in der Bank“ fragen wir uns: Was für ein Affe? Schalten wir um auf das standardisierte Englisch sehen wir, dass nicht Affe, sondern Geld gemeint war. Money – Monkey.

Die Sounds in Hatred gehören zwar nicht zu den kinoreifsten, sind aber durchaus für diese Art Spiel ausreichend. Der minimale Soundtrack wirkt nicht aufdringlich und Waffensounds können die nötige Atmosphäre verbreiten.

Die Stimmung in Hatred stimmt, die grafische Richtung auch. Aber vieles dahinter ist einfach nicht auszulassen. Es hakt am Gamedesign, Vielfalt und Sinn. Der namenlose Protagonist wäre viel besser zu verstehen, wenn wir nur mehr über ihn wissen würden. In Hatred erfahren wir aber nichts. Kennen keine Beweggründe und werden nicht aufgeklärt. Schade eigentlich, denn neben Manhunt und Postal hätte Hatred zu einer ernsthaften Alternative werden können. Umstritten, verwerflich, aber mit Kult. Das bleibt hier aber aus.
Gameplay50
Visualisierung80
Story & Integration35
Genre-Wertung65
Feedback65
Positiv
Tolle grafische Gestaltung
Nett für zwischendurch
Negativ
Keine Langzeitmotivation
Moralisch für Einige verwerflich
Einfallsloses Gameplay
59

Über den Autor

2009 habe ich mit und für euch PlayCrits gegründet. Seither informieren wir über die Welt der modernen Videospiele. Von mir gibt’s dabei die Portion Action, Online und Roleplay. Allerdings nur auf dem PC. Sorry, Masterrace.

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