Mit Nightbanes versucht Entwickler Diviad und Publisher Headup Games mit einem neuen digitalen Kartenspiel in der Welt der, Achtung, Vampire Fuß zu fassen. Ob Nightbanes mit Hearthstone, Magic und Co mithalten kann erfahrt ihr in unserem Review.

Wir hatten schon eine Woche vor Start des neuen Vampir-Kartenspiels Zeit Nightbanes ausführlich zu testen. Dazu sei allerdings gesagt, dass wir die Matches gegen echte Spieler lediglich untereinander antreten konnten, da die Auswahl an möglichen Fremdgegnern bei einem noch nicht veröffentlichten Spiel nicht allzu groß waren. Aus diesem Grund werfen wir in diesem Review den hauptsächlichen Blick auf die Quests und die Freundschaftsduelle.

Nachdem Nightbanes schon vor einiger Zeit als browserunterstütze Version für den Kartenspielmarkt verfügbar war, wird das Münchener Unternehmen Diviad nun auch eine offizielle Steam Version veröffentlichen, die vollständig auf der Unity Engine basiert. Die Wahl der Engine ist in diesem Fall wohl in erster Linie dafür geeignet, dass eine Umsetzung von Browser zu Standalone, in Unity, nicht allzu schwer umzusetzen war. Leider hat man dabei vergessen das Unity Icon aus dem Taskleistentray zu entfernen und durch das Nightbanes Logo zu ersetzen.

Direkt in’s Geschehen

2015-03-25_00001Nightbanes ist neben Hearthstone und Co im Grunde ein ganz normales Kartenspiel, bei dem wir, dank Free-to-Play, im späteren Verlauf auch auf Echtgeld-Decks setzen können. Wir kommen auf diesen Punkt aber später nochmal zurück. Da Nightbanes in einer Art Vampiruniversum spielt, das neben eigentlichen Vampiren, die wir erwartet hatten, auch verschiedenste Arten von Untoten, Dinosauriern und Pflanzenwesen beinhaltet, beschreibt das Setting des Spiels relativ gut eine dunkle und düstere Atmosphäre. Die Wahl des ersten Decks, zu Anfang des Spiels, fällt uns recht leicht und wir wählen eine Art Flora und Fauna Version der ersten Spielbasis. Kurz umgeschaut steht uns der Questmodus zur Verfügung, der uns gegen unterschiedliche KI-Gegner antreten lässt. Eine Runde gegen einen Gegner wird dabei in einem bestimmten, gewonnenen, Prozentsatz veranschaulicht. Wir müssen 100% erreichen um im Verlauf weiter zu kommen und ggf. auch eine Belohnungskarte zu erhalten.

Sollten wir 100% eines Gegners erreicht haben, so steht uns die Möglichkeit offenen erneut bis zu drei Schwierigkeitsrunden gegen diesen anzutreten. Jedes mal auf einem etwas höheren Schwierigkeitsgrad und mit einer besseren Belohnung und vor allem mehr Erfahrung. Im Spiel selbst stellen wir recht schnell fest, dass Nightbanes dann doch nicht so gut mit Hearthstone und Co zu vergleichen ist, wie wir es eigentlich erwartet hatten. Vielmehr treffen wir Entscheidungen für unsere Karten eher passiv und unsere primäre Aufgabe besteht darin die Karte auf das fast unendliche Spielfeld zu setzen, dass sich je nach Anzahl herein- oder herauszoomt. Die Karten machen dann, im Großen und Ganzen, das was sie wollen.

Eine gespielte Karte verfügt immer über einen bestimmten Angriffs- und Verteidigungswert. Diese sagen uns wann es klug ist sie zu spielen und wann nicht, so jedenfalls die Theorie. In der Praxis stellt sich das Spiel dann leider doch etwas anders da. Die Taktik hinter einem sicheren Sieg liegt darin Karten mit viel Gesundheit an den Start zu setzen. Unser so genannter Blutdurst, den fast jede Karte besitzt, sagt dann darüber aus wann die jeweilige Karte aktiv ist. Besitzt eine Karte beispielsweise einen Blutdurst von drei, so warten wir drei Runden, bis diese aktiv ist. Vorher kann sie lediglich angegriffen werden und hat keine Chance den Gegner zu attackieren.

 

It’s Magic

2015-03-25_00002Gleichzeitig sind viele Karten im Stande spezielle Fähigkeiten durchzuführen. Diese Fähigkeiten symbolisieren beispielsweise einen Heal, ein Schutzschild oder andere defensive Eigenschaften. Setzen wir beispielsweise eine Karte ein, die unsere eigenen heilt, so wird dieser Heal entweder durch eine „Einmal“-Version verbraucht, oder in jeder Runde zufällig angewendet. Schade ist dabei, dass wir erstens den Heal nicht selber setzen können, und wir zweitens nicht einmal sehen ob der Heal etwas bringt, da auf einer Karte nur die aktuellen HP angezeigt werden und nicht die maximale Anzahl. Eine Karte die nur einmalig für die Wiederherstellung von Gesundheit dient ist somit, wenn wir uns vorab die maximale Gesundheit nicht gemerkt haben, teilweise unglaublich unnötig.

 

Erst das Leben, dann der Schaden

Zurück zur Taktik. Setzen wir eine Karte mit hoher HP an den Anfang der Runde, so beißt sich der Gegner erst einmal die Zähne an ihm aus. Setzen wir danach weitere hohe Karten, so wird die Siegchance des Gegners von Runde zu Runde geringer. Wenn unsere Blutdurst auf ausgewählten Karten dann aktiv ist, zerstören diese nur noch das feindliche Deck und die Runde ist gewonnen. Der Trick dabei liegt also nur an der Wahl der ersten zwei bis drei Karten. Je mehr Gesundheit, desto schneller der Sieg. Diese Unstimmigkeit rührt vor allem daher, dass der Spieler keinerlei Einfluss auf die Aktivitäten der Karte hat. Nur Karten die vor den anderen Karten liegen können miteinander interagieren. Alle anderen Karten greifen dann, wenn keine Gegnerkarte vor ihnen liegt, die feindliche Basiskarte an. Diese fungiert ähnlich wie eine Spielkarte, stellt aber im Grunde den eigenen Charakter dar. Auch sie hat eine Spezielle Fähigkeit und eine Geusndheitsanzeige. In höheren Level sind so längeren Runden möglich.

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Weitergehend haben wir auf dem Spielfeld die Wahl eine unterstützende und aktive Karte zu spielen, die sich hinter dem eigentlichen Deck hält. Das kann zum Beispiel eine Karte sein, die zufällig einen Heal verteilt, Schaden gegen den Gegner setzt oder Schutzschild generiert. Auch hier haben wir keinen Einfluss wann und wo eine Fähigkeit angewendet wird. Jede Runde besteht darin nur eine Karte zu legen und dann auf den Gegner zu warten. Langeweile ist da leider schnell vorprogrammiert, zumal es die Funktion gibt, eine Skip-Option bei KI-Gegner einzusetzen, die eine Runde zu einem 10 Sekunden „Vergnügen“ machen kann.

Free-to-Play?

2015-03-25_00003Ein Punkt der negativ in all das eingreift ist der Fakt, dass sich Decks hauptsächlich über Echtgeld erwerben lassen. In Form von Blutdiamanten können wir Decks zum Unkosten Preis von 4€ bis 100€ einkaufen und so unser Deck aufbessern. Durch Quests sind auch archivementbezogene Karten möglich, die wir bei einem Abschluss freischalten und dann im Shop mit Blutabzeichen kaufen können. In unserem Test stellte sich aber schnell heraus, dass es schon einige Zeit braucht um sich nette Karten leisten zu können. Upgrades und Zusammenfügung von Karten sind durch Blutperlen möglich. So erhöhen wir Werte von Karten und können sie bis zur maximalen Stufe drei aufstocken. Perlen erhalten wir durch Aktivität und Echtgeld.

Wenig zum Klicken, viel zu hören

Grafisch wirkt Nightbanes recht klar aber teils auch langweilig. Durch die dunkle Stimmung des ganzen Spiels sehen wir in einer Runde unsere Karten vor einem dunklen, steinernen Hintergrund, über den teilweise bläuliche, helle Partikel und Nebel schweben. Interaktionsmöglichkeiten bestehen nicht und wir müssen uns auf eine Karte pro Runde konzentrieren. Dafür wirken die Illustrationen der eigentlichen Karten toll und sehr detailreich. Der gemalte Stiel jeder Karte wirkt einzigartig und schön. Die Soundeffekte machen dafür einen guten Eindruck. Ausgeführte Attacken knallen gut und haben einen angenehmen Sound. An der ein oder anderen Stelle sind uns aber abgehakte Geräusche aufgefallen, die das Spielgeschehen aber nicht weiter getrübt haben.

Nightbanes kommt leider nicht an die großen Vorbilder, wie Hearthstone oder Magic, heran und kann bei langfristigem Spielspaß nicht überzeugen. Die Duelle wirken monoton, wenig aktiv und fesseln nur gering. Durch den gleichzeitig implementierten Shop ist Pay-to-Win kein Fremdwort und investmentbereite Spieler haben einen klaren Vorteil. Wir hätten uns ein aktiveres und vor allem ausgeglicheneres Nightbanes gewünscht. Hier ist noch etwas Platz zum Ausbessern.
Gameplay45
Visualisierung60
Story & Integration55
Genre-Werung44
Feedback65
Positiv
Interessantes Setting
Negativ
Monotones Gameplay
Keine Eingriffsmöglichkeiten
Überzogener Echtgeld-Shop
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Über den Autor

Profilbild von Pascal Grawinkel

2009 habe ich mit und für euch PlayCrits gegründet. Seither informieren wir über die Welt der modernen Videospiele. Von mir gibt's dabei die Portion Action, Online und Roleplay. Allerdings nur auf dem PC. Sorry, Masterrace.

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