Ein Dragon Ball Spiel, welches tatsächlich Spaß und Langzeitmotivation bietet? Wenn man eine eigentlich ausgelutschte Story aus neuer Perspektive und einige kleine Macken akzeptieren kann, ist man vielleicht am Ende einer langen Odyssee, durch eine niemals endende Flut aus Fortsetzungen und Neuauflagen, angekommen.

Das größte Problem der bisherigen Dragon-Ball-Spiele war es, eine bereits x-fach ausgelutschte und immer wieder neu erzählte Geschichte, mitreisend zu inszenieren.

Das Spiel mit der Zeit

Es gibt keine einzige Geschichte aus dem umfassenden Toriyama-Universium, die nicht mindestens ein eigenes Spiel hat. Über die Jahre sind mehr als achtzig, als Zahl 80!, Dragon-Ball-Spiele auf dem Markt geschmissen worden, kein Wunder also, dass Bandai Namco sich in den letzten Spielen eher auf die Anzahl der spielbaren Charaktere und vollkommen übertriebene Fähigkeiten konzentriert hat, denn eigentlich sind diese ja der Kernpunkt der Beat’em Ups.

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Für Xenoverse hat man sich nun für den ältesten aller Hollywood-wir-haben-keine-Ideen-mehr-Rettungshaken entschieden: Zeitlinien.

Somit haben die Entwickler und Drehbuchautoren keine Grenzen mehr und können die Dragon-Ball-Historie nach Belieben umformen und neu erfinden. So kommt es so wie es kommen musste: Einige der wichtigsten Charaktere der Serie verlieren Kämpfe, welche sie in der Urfassung eigentlich gewannen und der ein oder andere kommt auch nicht ohne kleinere bzw. größere Kratzer aus seinen Auseinandersetzungen mit den Bösewichten der Z-Saga hervor und kann halt nicht in einer Kapsel regeneiert werden. Somit sieht die Trunks, unser Held mit lila Boygroup-Frisur und Hang zur Manipulierung der Zeitlinien, keine andere Möglichkeit, als ein bisschen an Shen Long zu reiben und sich die Hilfe eines unbekannten Recken zu wünschen. Wie das Schicksal so spielt, ist der Spieler eben jener selbstlose Held, der sich nun um die Rettung der Welt kümmern muss.

Wobei ganz so selbstlos ist der Held nicht, da er, genau wie Trunks, Mitglied der Time Patrol ist. Diese Organisation ist nichts anderes als die MIB der Zeitlinien im Dragon-Ball-Universum. Immer wenn sich ein Individuum überlegt die Zeitlinien zu verändern, schreiten diese Frauen und Männer ein und versuchen das Universum zusammenzuhalten. Jeder der sich schon einmal mit dem koreanischen MMORPG Dragon Ball Online auseinandergesetzt hat, wird nun aufhorchen, denn es handelt sich tatsächlich um eben jene Organisation, für die man auch in dem MMO kämpft. Allerdings spielt Xenoverse etwas später und somit haben die Organisationen eigentlich nur noch Namen und Auftrag gemein. Und um ganz fair zu bleiben, kennt außerhalb Asiens kaum jemand DBO oder die Time Patrol und eigentlich passt die Organisation auch sehr gut in das System von Xenoverse: Alle Stärken der verschiedenen Dragon-Ball-Spiele kombinieren, sich einen Freifahrtschein für das Storytelling verpassen, aber trotzdem das alte Dragon-Ball-Feeling zu halten.

Parallel-Quests: Spaß oder Grindhorror?

Erweitert wird die Storyline noch um die so genannten Parallel-Quests. Dies ist nur ein anderer Name für RPG-typische Nebenquests, welche der Spieler nutzen kann, um schneller an EXP und Gear zu kommen. Als Spieler hat man hier die Wahl entweder offline, mit der Hilfe zweier Bots oder online mit zwei anderen Spielern, in Aktion zu treten. Leider enthalten die Parallel-Quests auch einen der nervigsten Aspekte von Dragon Ball Xenoverse: Die Lootverteilung. Ihr könnt vor jeder Quest sehen, welche Items ihr bekommen könnt, allerdings basiert die Gesamte Lootverteilung auf reinem Zufall. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle nötigen Zusatzbosse spawnen ist schon gering, allerdings ist auch der Erfolgreiche Abschluss aller Quest- und Bonusziele kein Garant für die richtige Beute. Somit kann solch ein Ausflug schon gerne mal sehr frustrierend enden und besonders am Anfang sind die Parallel-Quests mit einer gehörigen Portion Grinding verbunden.

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Famous Saiyajin, Geißel der Vielfalt

Ein weiterer RPG-typischer Punkt ist die erweiterte Charaktererstellung in Xenoverse. Einen eigenen Charakter konnte man sich schon in einigen anderen Titeln des Franchise erstellen, doch in keinem gab es derart viele und frei einstellbare Möglichkeiten. So kann der Spieler aus fünf verschiedenen Völkern wählen. Angefangen bei Saiyajin, Menschen oder Namekianer, fügt Bandai Namco noch zwei, als Charakter zwar bekannte, als eigene Rasse aber neue, Wahlmöglichkeiten ein. Den Rassen und Geschlechtern spendiert man nebst äußerlichen Unterschieden gleich noch Rassenboni bzw. Nachteile. So sind weibliche Saiyajin besser im Ausführen von Spezialattacken, während Männer mit ihrer puren Körperstärke einfach alle Gegner kurz und klein hauen. Außerdem haben Saiyajin generell weniger Lebenspunkte als alle anderen Rassen, dafür ist die Angriffskraft die höchste im Spiel. An dieser Stelle muss leider angemerkt werden, dass die Spieleentwickler ihre Chance vertan haben, die anderen Völker hervorzuheben: Die, der Vorlage geschuldete, Popularität der Saiyajin, sorgt für eine wenig überraschende Online-Verteilung von acht Saiyajin auf zwei Anhänger der anderen fünf Rassen. Dies fällt offline natürlich nicht auf, sobald man aber an Online-Turnieren oder Parallel-Quests teilnimmt, ist man umgeben von muskelbepackten Blondinen.

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Dabei ist es durchaus möglich die Unterschiede der verschiedenen Völker aufzufangen. Dazu haben die Entwickler ein einfaches Attribute-System eingefügt: Somit kann der Spieler nach Erreichen eines neuen Levels Attribut-Punkte, wie z.B. Stamina oder Ki, setzen, um seinen Charakter weiter in eine gewünschte Richtung zu spezialisieren.

Finde deinen Meister

Eine weitere Neuerung wird sicher die Herzen aller Dragon Ball Fans höher schlagen lassen: Das Meister-System. In Xenoverse hat der Spieler mit voranschreitendem Level, die Chance bei einem von 12 Meistern zu trainieren. Die Meister sind alles bekannte Charaktere aus dem Dragon Ball Lore, sei es der Manga oder z.B. Kinofilme (Bsp. Beerus aus Dragon Ball Z: Battle of Gods). Umso mehr ihr mit einem Meister trainiert umso stärker wird die Meister-Spezifische Fähigkeit (Bsp. Son Goku lehrt euch natürlich sein Super Kamehameha) und nach abgeschlossenem Training eilt der Meister in Geistform zu Hilfe, sobald der Spieler seine Attacke ausführt. Wie in jedem RPG lehren euch mächtigere Meister natürlich auch mächtigere Fähigkeiten, so könnt ihr bereits mit Level fünf bei Meister Krillin als Schüler antreten, wenn ihr dann aber mit 70 bei Meister Goku die Schulbank drückt, lehrt dieser euch eine neue, wesentlich stärkere Fähigkeit.

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Mit einigen dieser Fähigkeiten wird der Spieler mehr Freude haben als mit anderen, denn einige Fähigkeiten sind ihrem Lore-Vorbild entsprechend leicht auszuweichen, während andere verlässliche Schadensquellen sind. Generell kann man sagen, dass der einzige knifflige Aspekt der Kämpfe in Xenoverse das Ausweichen darstellt. Das Kampfsystem ist extrem simpel und intuitiv. Jeder Charakter verfügt über 4-5 Kombinationen aus leichten und schweren Angriffen, sowie die genretypischen Ki-Angriffe. Das bereits aus den jüngeren Dragon Ball-Ablegern bekannte 3D-Fliegen mit den Cursorn hat jeder Spieler nach 5-10 Minuten Eingewöhnung verinnerlicht. Das System ist manchen vielleicht ein wenig zu einfach, allerdings bekommt man so schnell das Gefühl tatsächlich einer der Elitekämpfer aus dem DBZ-Universum zu sein und lasst uns ehrlich sein: Niemand möchte das ständige hinter-den-gegner-Teleportieren und die darauf folgenden Schlagkombinationen missen, mit welchen man den Gegner durch zahlreiche Felswände und Häusergruppen drischt.

Keine Revolution aber hübsch anzusehen

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Die Kämpfe sehen durch das Genretypische Cel Shading und die teils zerstörbare Welt fast wie ein vollwertiger Anime aus. Bandai Namco Games hat die Engine jetzt nicht unbedingt revolutionär weiterentwickelt, trotzdem erkennt man Dragon Ball Xenoverse an, der neuste Teil des Franchise zu sein. Die Konturen wirken scharf, die Farben prall und die Welten sehen aus, wie dem Anime entsprungen. Einzig Toki Toki City, der Hauptsitz der Time Patrol, sieht etwas zu steril und langweilig aus. Die Stadt fungiert letztlich als begehbares Spielmenü, denn mehr als Aufträge wählen, Items anpassen bzw. erwerben und Kommunikation mit anderen Spielern und der Welt findet hier nicht statt.

Unterm Strich ist Dragon Ball Xenoverse der richtige Schritt raus aus dem Fortsetzungswahn von Bandai Namco. Das Spiel vereint viele der Qualitäten der Vorgänger erweitert diese aber um einige RPG-Aspekte. Die Story ist zwar in Grundzügen bekannt, allerdings fühlt sich der Spieler durch die Position als Zeitwächter und die damit verbundene Aufgabe, die Zeitlinie zu retten, besser ins Spiel eingebunden. Für alteingesessene Fans erster Stunde bietet das Spiel genügend Inhalt und eine gute Inszenierung ist aber doch so simpel gehalten, dass auch blutige Anfänger schnell hineinfinden. Die schiere Masse an Parallel-Quests, Meistertraining, und Storyquests sorgt für genügend Langzeitmotivation und Bandai Namco hat ja bereits den ersten DLC mit neuen Quests veröffentlicht.
Gameplay60
Visualisierung50
Story & Integration80
Genre-Wertung80
Feedback70
Positiv
Veränderte Story
Vielfältige Charakterentwicklung
Actiongeladene Kämpfe
Negativ
Keine deutsche Vertonung
Arg sterile Spielwelt
Teils viel Grindarbeit
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  • Hodor

    hodor! Hodor, hodor hodorhodor Hodor. Hodor hodor?!

    hodor
    Hodor