Die Ausrede „Early Access“ findet bei der aktuellen Masse an veröffentlichten Spielen auf Steam nunmehr wenig Beachtung. H1Z1, aus dem Hause Sony (u.a. Planetside 2), soll den bekannten Zombie-Survival-Horros aus DayZ und hundert anderen erweitern und völlig neu mit Inovationen füllen. Ob das gelingt erfahrt ihr hier.

Eigentlich ist es schwierig neue Spiele, die noch unter dem Titel Early Access stehen, zu bewerten. Viele Entwickler nutzen, zum Beispiel im Steam Greenlight, die Vorabversion um nur eines zu generieren: Geld. Dabei geht es primär leider nicht mehr um Spielqualität oder den Nutzen eines Tests. Ob das im Fall H1Z1 auch zutrifft sei einmal dahin gestellt. Jeder Darf sich nach dem eigenen Spielen oder diesem Review sein eigenes Bild machen. Aber aus genau diesem Grund haben wir uns dazu entschieden dennoch einen Blick auf den Zombie Ableger zu werfen. Als großes Vorbild dient dabei natürlich DayZ, denn, wie kann es anders sein, ist das der große Bruder des Genres und somit recht relevant für unsere Bewertung.

 

Die gleiche Leier

2015-01-16_00002In H1Z1 geht es mal wieder um Eines: Überleben, Zombie töten, Kill on Sight und vorallem Looten. Dass sich all das in Sonys Early Access Spiel als recht schwierig herausstellt wird sich gleich noch zeigen. Zuersteinmal werfen wir einen Blick auf das Offensichtliche. Schon vorab kündigten die Entwickler von H1Z1 eine gigantische, offene Welt an, die es zu durchstreifen lohnt. Hunderte Spieler auf einer Karte, Zombies die mit lauten Schreien hinter dem Überlebeden laufen, Fahrzeuge und der ultimative Überlebenskampf gegen Hunger, Durst, Energie und die Untoten.

Nach den ersten Schritten in Richtung laufendes Spiel stehen wir vor einer Serverliste, die gefüllt ist mit reichlich amerikanischen Servern, und ein paar kleinen Europäischen, die, wie zu erwarten, nicht einmal ansatzweise dafür ausreichen Spielermassen den Zurtritt zum Spiel zu gewähren. Vielmehr hängen wir nach dem stundenlangen Fehler G99 in der Warteschlange und warten bis 150 Spieler vor uns das Spiel betreten haben. Rund eine Stunde später stehen wir mit einer Taschenlampe und unseren zwei Fäusten inmitten eines Motels. Um uns mehrere Spieler die wie wild durch die amerikanische Idylle brüllen. Zombies sind zu diesem Zeitpunkt noch fremd und in erster Linie gar nicht vorhanden. Vielmehr versuchen wir anhand des Lootsystems in Mülleimer, Kisten und Schränke zu schauen um hilfreiche Tools oder Nahrung zu finden.

 

Leere Taschen

Die Suche nach brauchbaren Gegenständen stellt sich dabei komplizierter als erwartet dar. In all den verfügbaren Objekten finden wir neben einem schwebenden Pfeil nicht mehr als eine leere Wasserflasche. Auch nach einer Stunde des Suchens in verschiedenen Fabrikhallen, Tankstellen, Autos und Wohnhäusern bleibt uns Loot verwehrt und wir sterben um Punkt 0% unserer Lebensanzeige. Ob es damit zusammenhängt, dass wir uns in einem viel bereisten Gebiet befinden oder wir einfach nur Pech hatten etwas Interessantes zu finden wissen wir nicht. Eins ist uns dafür umso bewusster. Mehr als herumlaufen und sterben ist bei verwehrtem Loot aber leider nicht möglich. Obwohl, da gibt es doch eine Option.

 

Pay-to-Win

Erlogenermaßen setzt H1Z1 auf das, was viele Spieler befürchtet hatten: Mikrotransaktionen im Pay-to-Win Stil. Natürlich muss ein Free-to-Play Titel wie H1Z1 eine Art der Einnahme beinhalten, dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn es bei den Einnahmen aber darum geht einen erheblichen Vorteil aus der Ganzen Sache herauszuholen, dann ist das grundsätzlich Pay-to-Win. Und eben dieses Merkmal hatte uns Sony vorab eigentlich nicht versprochen. Vielmehr dürfen wir anhand von Vorratsabwürfen Kisten öffnen, die wir mit Echtgeld erworben haben und das, obwohl H1Z1 doch gar keine Möglichkeit dieses Systems bieten sollte. Sind wir also bereit Geld zu investieren um uns Waffen vor die Nase werfen zu lassen, sind wir binnen Sekunden vollkommen ausgerüstet und machen uns daran unschuldige Nicht-Bezahler zu flankieren und zu töten.

Das ist nicht nur ganz schön unfair, sondern verschlechtert das Spielgeschehen für alle Nicht-Bezahler ungemein. Zudem lassen sich bei diesem Vorhaben viele Spieler auf einen Deal ein, der zurecht umstritten ist. In der Early Access Phase ist H1Z1 für rund 20 Euro zu erwerben. Nach dieser Phase wird der Survivial-Horror allerdings kostenlos zur Verfügung stehen. Warum also will ein Entwickler vor einer Veröffentlichung noch Geld für ein Produkt, dass für ein ganz anderes Modell bestimmt ist. Bezahlen wir den Entwickler um uns testen zu lassen?

 

Aus dem Schatten

2015-01-16_00001Aber genug des Bezahlens. Grafisch erinnert H1Z1 stark an Planetside 2, und damit meinen wir nicht die futuristische Welt, sondern den eigentlichen Stil. H1Z1 ist kein hässliches Spiel, aber auch nicht besonders schön. Es tut eben das, was es soll und das ist auch gut so. Hervorheben sollte man hierbei die wirklich schöne Lichtstimmung. Wenn wir mitten in der Nacht auf einen Überlebenden treffen und mit unserer kleinen Taschenlampe auf ihn leuchten, dann hat der dahinter entstehende, und sehr detailierte Schatten, schon etwas ganz Besonderes und lässt H1Z1 zu einem bombastischen Athmophärenspiel machen. Auch die dazugehörenden Sounds lassen den Eindruck recht gut vermitteln, dass wir uns in einer Welt befinden, die ruhig und aufmerksam ist. Jedes Rascheln lässt uns zucken und wir schauen uns recht zügig um, um die Störquelle herauszufiltern. Das Manko hinter dieser recht guten Soundkulisse definiert sich aber leider durch die plötzlich und vor allem total überflüssige Musik, die wir schon aus TheWarZ bzw. Infestation Survivor Stories kennen. Aus dem Nichts ertönt eine Musik, die uns vermuten lässt, das neben uns etwas unglaublich schlimmes passiert. Letztendlich war da aber rein gar nichts und der unspektakuläre Adrenalinaufbau war unbegründet.

 

Umgänglich aber Umständig

Spielerisch bietet H1Z1 trotz schönem ersten Eindruck aber nicht viel mehr als auch ein DayZ oder Infestation: Survivor Stories. Grundlegend kann man hierbei von einem Zombie-Horror reden, der viel wollte, aber wenig geworden ist. Die Einstellung ist zwar recht umgänglich, dennoch haben wir es nicht geschafft eine einzige Taste umzusetzen. Ob das schlicht an der aktuellen Version liegt, nicht beabsichtigt ist oder vielleicht nur ein doofer Fehler war bleibt abzuwarten. Den Spaß am Spiel stört es dennoch leicht. Da ändert es auch nichts, dass Fahrzeuge und Tiere schon seit Spielstart verfügbar sind und wir so blitzschnell auf der Map herumreisen oder sogar das nächste Reh erlegen können. Das funktioniert übrigens recht einfach und ergänzt das wirklich einfache Crafting-System recht gut, indem wir lediglich unser Rezept auswählen und ausführen. Weitere Rezepte lassen sich simpel durch Finden freischalten.

 

Shake it, Baby!

Die wohl spannendste Tätigkeit hinter all dem sind die F-Tasten, die H1Z1 zu einer Rocky Horror Picture Show machen, jedenfalls wenn wir ein Zombie wären. Durch die Verwendung der F-Tasten zeigt uns unser Charakter welche Emotionen wirklich in uns stecken. Die sind dabei nicht nur total bescheuert, sondern ab und zu auch witzig. Die neue Form des Tea-Baggings bekommen wir mit F6 zu Gesicht. Eine Geste die sowohl an einen recht ungewöhnlichen Stuhlgang erinnert, als auch an die Bandits aus Boderlands

H1Z1

Diese Review und die unten stehende Wertung bezieht sich auf eine Alpha-Version des Spiels und nicht auf das endgültige Produkt.
Lange Rede, kurzer Sinn. H1Z1 hat viel versprochen und wenig erbracht. Neber der fast dreisten Methode Geld mit einem Early Access Titel kann auch das Spiel an sich kaum überzeugen. Ja, wir haben Fahrzeuge, ja, wir können Jagen und nein, das macht H1Z1 noch lange nicht zu einem guten Spiel. Die aktuellen Fehler, denen wir in unserer Spielzeit begegnet sind, sind minimal und für eine Vorabversion vollkommen vertretbar. Die Methode hinter allem wird sich langfristig aber nicht ändern und das macht H1Z1 zu einem weiteren Zombie-Survival ganz unten im Regal.
Gameplay25
Visualisierung75
Story & Integration55
Genre-Wertung35
Feedback45
Positiv
Nette Atmosphäre
Negativ
Schlechte Umsetzung
Pay-to-Win
Null Konzept
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Über den Autor

Profilbild von Pascal Grawinkel

2009 habe ich mit und für euch PlayCrits gegründet. Seither informieren wir über die Welt der modernen Videospiele. Von mir gibt's dabei die Portion Action, Online und Roleplay. Allerdings nur auf dem PC. Sorry, Masterrace.

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