Das Zeitalter der Drachen und des Chaos ist in Thedas noch lange nicht vorbei. Zehn Jahre sind seit der letzten großen Verderbnis vergangen, doch eine neue, dunkle Bedrohung erhebt sich und wer versucht all das zu verhindern? Ihr, der Inquisitor und Herold Andrastes, aber allein werdet ihr nie sein. An eurer Seite tummeln sich haufenweise neue Gesichter und alte Bekannte. Doch die Frage aller Fragen: kommt Inquisition an Origins heran?

Zu Dragon Age gehört eine große epochale Geschichte, die euch verschiedene Fraktionen und Gefährten zur Seite stellt, um am Ende ein großes Übel, das die Welt von Thedas vernichten oder in die Knechtschaft zwingen möchte, zu besiegen. Mit Dragon Age: Inquisition versprach Entwickler BioWare wieder zu den Wurzeln zurückzukehren, aber auch die Vorteile von Dragon Age 2 – die es durchaus hatte – nicht zu vergessen. Ob diese Mischung aufgeht, erfahrt ihr im Test zu Dragon Age: Inquisition.

 

Plötzlich auserwählt

535435Eine gewaltige Explosion bricht herein und augenblicklich sterben tausende Magier und Templer, sowie hoch angesehene Persönlichkeiten der Kirche, dabei kommt auch die Göttliche, das Oberhaupt der Kirche, ums Leben. Dabei waren all diese Personen gegen den Krieg zwischen Magiern und Templern, den man in Dragon Age 2 ausgelöst hat. Doch ihr, ein normaler Mensch, Elf, Zwerg oder zum ersten Mal Qunari, überlebt dieses schreckliche Ereignisse, das ganz Thedas verändert. Da ihr als einzige Person überlebt habt, ist klar was passiert. Ihr werdet fest genommen und beschuldigt die Bresche, einen gewaltigen Riss im Himmel, geöffnet zu haben, der nun tausende Dämonen aus dem Nichts hindurch lässt und die Länder Orlais und Ferelden ins Chaos stürtzt. Das Problem ist jedoch, dass ihr nicht wisst was geschehen ist und weshalb gerade ihr überlebt habt. Doch bevor ihr euch verseht wurde die Inquisition ausgerufen und ihr werdet, mehr oder weniger, dazu gezwungen dieser neugeründeten Organisation zu helfen die Bresche wieder zu schließen und die Ordnung wiederherzustellen.

Das alles passiert in Inquisition, wohlgemerkt in der ersten Stunde. Was danach passiert werde ich euch nicht sagen. Doch eines kann man wohl erzählen. Die Story ist BioWare klassisch. Eine große Bedrohung kommt auf und ihr müsst sie verhindern oder zumindest dafür sorgen, dass nicht noch schlimmeres passiert. Dafür stehen mehrere Fraktionen zur Seite oder ihr müsst sie überzeugen sich mit euch zu verbünden, dabei kommen große Entscheidungen auf euch zu, die nicht nur die nachfolgenden Ereignisse von Inquisition betreffen, sondern auch Auswirkungen auf Teil 4 haben und glaubt mir einen vierten Teil wird es geben.

BioWare wagt also was die Story angeht nicht viel Neues. Brauchen sie aber auch nicht, denn diese Geschichte ist klasse, klassisch erzählt und grandios inszeniert und hat den ein oder anderen Moment, an den ihr euch selbst nachdem durchspielen noch erinnern werdet.

 

Neue Gesichter und alte Bekannte

535482Über die Gefährten von Inquisition gab es haufenweise Hintergrundinfos und Vivienne, Varric und Eiserne Bulle bekamen sogar ihre eigenen Trailer. Die Frage ist nun ob die neuen Charaktere an Morrigan, Alistar oder Zevran aus Origins herankommen. Zu aller erst sei gesagt, dass Dragon Age 2 mit Anders, Fenris, Aveline und Carver einige für BioWare Verhältnisse wirklich schlechte Charaktere hervorgebracht hat, sie waren allesamt recht langweilig oder übertrieben weinerlich, was einen sehr nerven kann. All das gibt es in Inquisition nicht mehr, keiner euer Gefährten ist auch nur im Ansatz so wie diese vier oben genannten Charaktere. Was vor allem daran liegt, dass sie alle, genau wie der Protagonist, die Welt retten wollen. Im Gegensatz zu … na ja  ihr wisst schon.

Doch kommen sie jetzt an Morrigan und Co. heran? Nein, denn niemand kommt an Morrigan heran, aber Varric, Eiserne Bulle, Sera und Co. wissen zu überzeugen – Varric hat das ja bereits in Dragon Age 2 – und sie alle hat man nach wenigen Missionen bereits ins Herz geschlossen. Wenn Sera versucht Vivienne mit „Viv“ auf die Palme zu bringen, die Eiserne Lady aber ohne mit einer Miene zu zucken eiskalt kontert oder Varric aber auch jedem seinen ganz persönlichen Spitznamen verpasst, dann ist das einfach großartig. Natürlich hat jeder eurer Gefährten und Beratern eine persönliche Questreihe, die ihr erledigen könnt um eure Zuneigung zu ihnen zu erhöhen. Dabei haben diese Entscheidungen auch Auswirkungen auf ihre Einstellungen in Teil 4 oder welche Position und Rolle sie spielen. Zudem gibt es einen wunderschönen Moment indem man einfach nur mit seinen Gefährten und Beratern an einem Tisch sitzt und wie ganz normale Freunde ein Spiel spielt, trinkt und Geschichten erzählt. Diesen Moment werde ich nie vergessen und kommt viel zu selten in Videospielen vor!

Dabei sei zu erwähnen, dass auch alte Bekannte wieder dabei sind. Ganz Prominent dürfte Varric sein, der bereits in Dragon Age 2 mein Lieblings Begleiter war und auch in Inquistion wieder einen hervorragenden Job übernimmt, aber auch Leliana und Cullen sind wieder dabei. Und über weitere werde ich an dieser Stelle nicht sprechen, eine Person dürfte aber für Jubel Sprünge sorgen.

 

Das Leiden der Origins

In Dragon Age: Origins gab es die sogenannten Origin-Geschichten. Eurer Held hat seine von euch ausgewählte persönliche Geschichte, die den beginn eurer Reise definierte. So etwas gab es in Dragon Age 2 nicht und in Inquisition direkt auch nicht. Hier entscheidet ihr über das Geschlecht, Volk und Klasse. Je nachdem was ihr wählt hat euer Charakter eine festgelegte Hintergrundgeschichte. Als Beispiel kommt meine menschliche Magierin aus dem Adeligen Haus Trevelyan, musste jedoch durch ihre magische Begabung in den Zirkel von Ostwick.

Je nachdem was ihr auswählt, dabei spielt wirklich alles eine Rolle, verhalten sich Personen dementsprechend. Templer werden euch als Magier stets mit Argwohn begegnen und mit einem Elf oder Qunari habt ihr es am Hofe von Orlais ziemlich schwer. Doch das macht auch den Reiz dieser Geschichte aus und erhöht durchaus den Wiederspielwert, selbst wenn diese Entscheidungen die Geschichte im Allgemeinen nicht sonderlich beeinflusst. Außerdem ist es auch entscheidend nach der Wahl eures Geschlechts und Volks, mit wem ihr von euren Gefährten und Beratern eine Liebesbeziehung anfangen könnt.

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Nichts destotrotz bleibt die Frage offen, weshalb sich BioWare gegen erneute Origin-Geschichten so sträubt. Wobei man sagen muss, dass diese recht aufwendig sind und einiges an Zeit erfordern. In Dragon Age 4 hätte ich diese jedoch gerne wieder, auch wenn sie es in Inquisition gut gelöst haben. Ansonsten lässt sich über die Charakterwahl nur sagen, dass er kaum Wünsche freilässt und ihr eurem Charakter genug persönliche Falten und Kanten verpassen könnt.

 

Von Origins zu Mass Effect

Was das Gameplay angeht wollte BioWare die Vorzüge beider Vorgänger vereinen. Ihr sollt wie in Origins an jeden Kampf taktisch heran gehen, aber dabei die Action nicht vermissen, die euch Dragon Age 2 bot. Dieses Versprechen geht nur zum Teil auf, denn auf den beiden unteren Schwierigkeitsgraden, werdet ihr die Taktische-Ansicht vermutlich nur zum Einstig in einen Kampf benutzten oder bei Elite und Boss Gegnern, dabei sind sie da auch nötig. Ansonsten werdet ihr alles in der Action-Ansicht erledigen, was dann sehr an das Gameplay von Mass Effect erinnern – dabei sei gesagt, dass ich das Gameplay von Mass Effect 2 und 3 abgöttisch liebe. Auf den beiden oberen Graden bekommt ihr jedoch genau das was ihr wolltet, wenn ihr taktisch vorgehen wollt.

535462Im Allgemeinen funktioniert also beides, doch perfekt ist es besonders mit der taktischen Ansicht nicht. Da sowohl auf den Konsolen als auch auf dem PC es ein paar Macken gibt. Auf den Konsolen solltet ihr noch ein wenig mehr aus dem Geschehen heraus gehen können, jedoch geht das nicht was euch in manchen Situation ein wenig gegen den Strich gehen könnte, wenn ihr zuvor noch drei Schritte auf euren Gegner zugehen müsst, damit ihr in anvisieren könnt. Auf dem PC ist die Steuerung nicht optimal und solltet ihr einen Controller haben, benutzt diesen beim spielen. Mit diesem funktioniert das Navigieren sehr viel besser.

Ansonsten hat BioWare das Skillsystem von Dragon Age 2 und die Ausrüstungspolitik von Origins übernommen, wobei Arm- und Beinschutz jetzt nur noch Modifikationen sind und keine eigenen Ausrüstungsplätze mehr haben. Beides funktioniert und ist gut gelungen, zudem könnt ihr noch Skills von euch und euren Gefährten taktisch anpassen. So könnt ihr einen Skill den anderen bevorzugen und sobald dieser wieder einsatzbereit ist, wird dieser, zumindest wenn die Situation es zulässt, auch benutzt.

 

Die Inquisition ruft

Vor dem Erscheinen von Inquisition war die Frage groß, wie genau BioWare dieses System mit der Inquisition umsetzen wird. Was werdet ihr entscheiden können und wie viele Freiheiten hat man? Nun ist es da und das Feature der Inquisition will ich nicht mehr missen. Tatsächlich schafft es BioWare, dass es sich so anfühlt als sei man den Anführer einer großen Fraktion. Ihr könnt Urteile fällen, eure Festung nach euren belieben anpassen und ihr habt tausende Spione und Soldaten, sowie hunderte adelige Häuser die euch nur zu gern einen Gefallen gewähren, an eurer Seite.

Mit dem Kartentisch könnt ihr dank euren drei Beratern die, die unterschiedlichen Aufgaben der Spione, Soldaten und Diplomatie übernehmen eure Truppen und Entscheidungen fällen. Möchte ich nun den Prinzen von Starkhaven unterstützten die Stadt Kirkwall zu annektieren oder lassen wir Diplomatie wallten und halten uns heraus. Ihr selbst seit zwar nicht Vorort, wenn ihr eure Männer aussendet, doch ein wahrer Anführer kann auch nicht alles tun, oder?

 

Eine Spielwelt zum entdecken

Zum ersten Mal in der Dragon Age-Reihe habt ihr keine schlauchigen Level mehr, sondern große und teils riesige Gebiete die ihr erkunden könnt. Dies ist eine willkommene Abwechslung und macht mich als Open World-Fan doch sehr glücklich. Zudem könnt ihr, ebenfalls zu ersten Mal, nach Orlais gehen und dort spielt auch ein Großteil der Geschichte. Von Schnee, über tropische Wälder und Wüsten gibt es kaum etwas was Inquisition nicht bietet. Dabei sind die Gebiete nicht zusammenhängend, ihr reißt entweder über die Weltkarte oder über euren Kartentisch, doch das ist nicht wirklich schlimm. Schließlich spielt Inquisition in Ferelden und Orlais und beides sind eben große Länder, die nicht mit einem Katzensprung zu durchqueren sind.

516542Optisch sieht Inquisition fantastisch aus, auch wenn die Xbox One- und Playstation 4-Version – gespielt wurde für den Test die Xbox One-Version – etwas weniger Details aufweist als die PC-Fassung. Doch das lässt sich leicht verschmerzen, denn auch so sieht Inquisition sowohl von der Technik als auch vom Artstyle hervorragend aus.

Was den Sound angeht haut Inquisition schon ganz gut in die Pauken und lässt sie Kämpfe schön spratzen und optisch, sowie soundtechnisch explodieren. Auch was die Deutschen und Englischen Synchronsprechen angeht gibt es nichts zu meckern. BioWare gab sich auch bei den Deutschen viel Mühe und viele bekannte Sprecher aus Serien und Filmen sind an Bord, ebenso sprechen die bereits bekannten Charaktere auch die gleichen Sprecher. BioWare hat also durchaus lob verdient, wobei alle BioWare-Spiele im deutschen stark vertont sind, weshalb es auch in Inquisition nicht verwundert.

Der Soundtrack hingegen ist abgesehen von dem Haupttheme, das fantastisch ist, recht klassisch und hat leider nicht die Eigenständigkeit von den Themes aus Mass Effect oder Knights of The Old Republic. Da hätte mehr drin sein können, doch in Zwischensequenzen weiß der Soundtrack, besonders in epischen Szenen, zu überzeugen. Ansonsten fällt er kaum ins Gewicht, was sehr schade ist aber auch schon in Origins und Teil 2 so war.

BioWare hat es geschafft den Makel den Teil 2 der Reihe verpasst hat mit Inquisition mehr als wieder auszugleichen. Besonders das Gefühl wirklich der Anführer einer großen Organisation zu sein hat BioWare hervorragend umgesetzt und auch mit der Story und Charakteren ging es wieder Richtung Origins. Das Gameplay verbindet gekonnt, aber nicht perfekt die Vorzüge beider Vorgänger und die Freude beim Wiedersehen alter Bekannter war bei mir sehr groß und das Erkunden der Welt macht auch in Inquisition eine Menge Spaß. Dragon Age hat mit diesem Teil wieder an die alten Stärken angeknüpft und auch in Teil 4 kann es so weitergehen, dann können wir alle getrost den zweiten Teil vergessen.
Gameplay80
Visualisierung90
Story & Integration100
Genre-Wertung90
Feedback90
Positiv
Stark erzählte Story, Charaktere zum verlieben
Technisch einwandfrei, Gefühl ein Anführer zu sein
Rückkehr zu alter Stärke
Negativ
Soundtrack zu gewöhnlich
Keine Origins
Taktische Ansicht nicht perfekt
90