Mittlerweile sind wir also bei Folge 7 unserer Serie Cosplay – Mehr als nur verkleiden angelangt. In dieser Folge stellen wir euch die aus dem Spreewald stammende Cosplayerin Diana vor.

Auch diesmal haben wir wieder ganz genau nachgehakt, was unsere Serienteilnehmerin am Cosplay so fasziniert. Natürlich erfahrt ihr in Folge 7 auch alles weitere zu Arbeiten, Conventions und der ganz persönlichen Geschichte.

Meine Welt

>Wie heißt du, wie alt bist du und woher kommst du eigentlich?

Aktuell lebe ich im schönen Berlin und fühle mich dort sehr wohl. Ok, eigentlich stamme ich aus dem Spreewald, aber: Berlin ist Berlin. Sicher, Großstadt und Co., aber ich liebe sie sehr. Und ihr wollt echt wissen, wie alt ich bin? Oh Gott, alte Schachteln fragt mach nicht danach. Spaß beiseite, ich bin 29 Jahre alt.

 

>Neben dem Cosplay, was machst du da so?

Cosplay ist zwar eines meiner wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Hobby überhaupt, aber natürlich nicht Alles. Nebenher leite ich beispielsweise mein eigenes Label „Unessbar“ über Dawanda bzw. Zeichnermeile. Das heißt, ich produziere, vertreibe und mache Werbung. Eben alles, was ein eigenes Geschäft mit sich bringt. Ansonsten liebe ich es zu entspannen, zu kochen und Zeit mit Freunden zu verbringen. Auf Dauer ständig nur Cosplayer zu sein würde mich persönlich überfordern. Pausen sind wichtig.

© Blackshot

© Blackshot

>Wann hast du angefangen?

Cosplay an sich habe ich das erste Mal 2007 zur LBM bewusst erlebt. Zu dieser Veranstaltung trug ich auch mein erstes Cosplay. Richtig los ging es aber erst 1 Jahr später, also 2008. Ab da entstanden mehr oder weniger regelmäßig neue Cosplays, man lernte dazu, entwickelte sich weiter und entdeckte Seiten an sich, die man so vorher nicht kannte. Mich hat dieses Hobby in meiner persönlichen Entwicklung stark beeinflusst.

 

© Black Hat

© Black Hat

>Wer oder was brachte dich zum Cosplay?

Wer es war weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich während meiner allerersten LBM Cosplayer erstmals live sah. Ich habe ihre Cosplays bewundert, die Details und die Selbstsicherheit. Ich hatte einfach den Wunsch so etwas auch zu können. Dementsprechend habe ich mich danach im Internet informiert, Kontakte geknüpft und eine neue Welt betreten.

 

>Wen hast du zuerst verkörpert?

Mein allererstes Cosplay, wenn man es denn so nennen will, war ein Fangirl zur Serie Gravitation, speziell zum Charakter Ryuichi Sakuma. Wobei, mein selbst erdachter Pokemontrainer gehört auch zu den Anfangszeiten. Beides lebt heute aber nur noch in Teilen oder gar nicht mehr.

 

>Was bereitet dir am Cosplay am meisten Spaß?

Ich liebe am Cosplay besonders die Leidenschaft, mit der ich mein Ziel verfolge. Ich liebe die stundenlangen Suchanfälle für dies oder das, die Verzweiflung während des Prozesses und die Arbeit mit dem Charakter an sich. Je länger ich an einem Cosplay sitze, umso mehr fühle ich mich diesem verbunden. Während des Prozesses werden oftmals Pläne über den Haufen geworfen, weil sich Dieses oder Jenes besser macht. Ich liebe einfach die Arbeit vor dem Vergnügen. Ist das geschafft, liebe ich natürlich auch den Auftritt mit dem fertigen Projekt. An sich aber wäre es ohne die ganze Vorarbeit nur halb so schön.

 

>Warum das alles?

Weil Cosplayer darauf stehen wenig Schlaf zu haben? Spaß beiseite, Cosplay schweißt schlichtweg enorm zusammen. Du wirst immer jemanden finden, der dich unterstützt und dir weiter hilft. Auf der anderen Seite kannst du dein eigenes Wissen ebenfalls weitergeben. Man lernt sich zu organisieren, Rücksicht zu nehmen und noch vieles mehr. Cosplay vermittelt Werte fürs Leben und gerade die kann jeder brauchen.

 

© Mr. Generation

© Mr. Generation

>Was ist “Cosplay” für dich in einem Satz?

Cosplay ist für mich das Spiel mit einer anderen Welt und die Akzeptanz unterschiedlichster Menschen.

 

>Hast du dich jemals auf Themengebiete spezialisiert, oder verkörperst du Charaktere die dir gut gefallen?

Hm, speziell würde ich nicht sagen. Ok, ich bevorzuge Pokemongijinkas und generell eher niedliche Charaktere, aber breche auch gern mal aus. Allerdings wird man bei mir fast gar keine Cosplays finden, die sehr viel Haut zeigen, da ich das im Cosplaybereich nicht mag.

 

>Wie lange arbeitest du durchschnittlich an einem deiner Projekte?

Die Arbeitsdauer hängt stark davon ab, was gemacht wird und welche Arbeiten nötig sind. Ich habe beispielsweise auch schon in nur einer Woche ein neues Projekt beendet. Wenn ich jedoch genauer darüber nachdenke, etwa ein Monat ist normal.

 

>Dein tollstes Erlebnis!

Ich weiß nicht mehr welche Convention es war und welches Cosplay ich da trug, aber das Erlebnis hat sich trotzdem eingeprägt. Ein kleines Mädel traute sich nicht mich nach einem Foto zu fragen. Ich habe das jedoch bemerkt und es ihr selbst vorgeschlagen. Himmel, ich hab noch nie so leuchtende Kinderaugen gesehen. Die Kleine hat sich riesig gefreut und war danach mehr als glücklich.

 

>Was stellst du dir zukünftig vor?

Ich möchte als Künstlerin mit meinem Label bekannter werden. Ich möchte noch möglichst viele Conventions erleben, möglichst viele Workshops geben und, solange wie es die Umstände erlauben, dem Hobby Cosplay treu bleiben. Ich möchte einfach Aspekte meines bisherigen Lebens nicht vermissen und mich dennoch entwickeln.

 

© Kleines Keisuke

© Kleines Keisuke

>Was bewegt dich beim Cosplayen?

Mich bewegen viele Sachen, denn die Welt des Cosplay ist extrem groß. Besonders wichtig sind aber für mich der Zusammenhalt untereinander und die Tatsache, dass ich viele Freundschaften ohne den nicht hätte. Ich möchte auf keinen meiner Leute verzichten und bin mehr als froh sie zu haben. Danke für eure Treue.

 

>Dein größter Wunsch!

Dass mich eine größere Convention von sich aus einlädt, um dort meine Waren zu präsentieren oder aber einen Workshop zu halten, damit andere etwas lernen. Ach ja, irgendwann möchte ich ein Cosplay machen, mit dem keiner bei mir rechnet. Leider sind das die teuren.

 

Mein Handwerk

Shiggy | Pokemon

© Jemo Kohiri

© Jemo Kohiri

Ursprünglich war Schiggy das Ergebnis einer Umfrage auf meiner Facebookseite. Ich wusste anfangs nur, dass ich ein Pokémon cosplayen möchte, aber nicht welches. Also habe ich meine Fans gefragt und Schiggy war einer der Vorschläge. Inzwischen ist Schiggy für mich nicht länger nur das Ergebnis einer simplen Frage, sondern eine schöne Erinnerung an die Kindheit. Pokémon kennt so ziemlich jeder und auch Schiggy während seiner Zeit in der Feuergruppe ist vielen ein Begriff. Ich liebe diesen Charakter dafür, dass er anderen das Leben rettet und stets darauf bedacht, ist Unheil zu verhindern. Schiggy ist zwar klein, aber er weiß was er will und geht seinen Weg. Dieses Wasserpokemon ist für mich eine starke Persönlichkeit und als solche fühle ich mich in diesen Momenten auch. Heute möchte ich nicht mehr auf Schiggy verzichten und liebe diese süße Schildkröte heiß und innig.

© Jemo Kohiri

© Jemo Kohiri

Angefangen hat alles erst mal mit Recherche. Ich habe auf animexx und Co. geschaut, was bereits da ist. Da mir das jedoch alles nicht zu sagte, kam ich sehr schnell auf eine eigene Variante. Ich wollte Schiggy so umsetzen, dass es mir gefällt, aber man es sofort erkennt. Nun musste Stoff besorgt werden, Füllung für den Panzer und die Schuhfrage geklärt werden. Eine Wig war ebenfalls vonnöten und manch anderes. Angefangen habe ich mit der Hose, welches sehr schnell fertig war. Im Anschluss kam das Oberteil, bei dem vorne die Schuppen die meiste Arbeit machten. Ansonsten war das Oberteil selbst eher harmlos. Richtig heftig wurde es erst beim Panzer, denn der hat mich einiges an Nerven gekostet. Ich habe vorher noch nie etwas in der Richtung bauen müssen. Folglich brauchte es 2 Anläufe, bis ich zu dem Ergebnis gekommen bin, wie ich es jetzt habe. Beim ersten Anlauf hatte ich den Schlauch bereits fertig und wollte die Rückseite anbringen, als ich merkte, dass das viel zu groß werden würde. Also alles wieder auf Anfang, einen kleineren Schlauch genäht, die Vorderseite mit zuvor aufgestickten Schuppen angebracht und einen Teil der Rückwand. Nun wanderte erstes Stopfmaterial in den Panzer, es wurde wieder ein Teil der Rückwand angenäht und weiter gestopft. So ging es weiter, bis alles komplett war. Zum Schluss brachte ich noch die Gurte, an über die der Panzer auf dem Rücken geschnallt wird. Die eigentliche Fixierung erfolgt beim Tragen unsichtbar unter dem Shirt. Benutzt habe ich dafür simple Trageriemen von Taschen und Verschlüsse von diesen. Allerdings musste ich die Füllung im Panzer nach Schiggys erstem Einsatz erhöhen, da sie sich im Panzer abgesenkt hatte und schlichtweg zu wenig drin war.

© Jemo Kohiri

© Jemo Kohiri

Wirklich großartige Techniken habe ich hier nicht angewendet, es sei denn nähen zählt ebenfalls dazu. Ich habe das gesamte Cosplay schlichtweg in Handarbeit genäht und dafür die übliche Nadel benutzt. Einzig beim Panzer war es an vielen Stellen notwendig zu Zwischenfixierungen zu greifen damit dieser auch während des Prozesses dort blieb wo er war.

Die meiste Zeit ging für den Panzer drauf, denn hier habe ich wirklich lange überlegt wie, wo und was. Ich wollte den Panzer nicht wie bei anderen gesehen als Rucksack haben, sondern einfach als Utensil für den Rücken. Dementsprechend ging diesmal Zeit für die Planung drauf. Insgesamt würde ich sagen stecken etwa 2 Wochen Arbeit in diesem handgefertigtem Cosplay. Für Handarbeit ist das relativ schnell, denn es kann durchaus länger dauern.

 

© Jemo Kohiri

© Jemo Kohiri

Wie bereits oben schon einmal erwähnt, begann alles mit der Recherche. Anschließend wurden passende Wig und Schuhe gesucht sowie ein Helfer für die Brille, da ich mich nicht in der Lage sah diese selbst zu fertigen. Schnittmuster für die Sachen wurden angefertigt und umgesetzt. Für die aufgestickten Schuppen kamen sogar Lineal und Berechnungen zum Einsatz, damit alles etwa gleich ist. Als Letztes stellte ich den Panzer her, welcher Stück für Stück gestopft wurde und am Ende mit Trageriemen versehen. Zwischendrin erfolgten selbstverständlich immer wieder Passproben, um keine böse Überraschung zu erleben, wenn alles fertig ist und Änderungen damit schwierig.

© Jemo Kohiri

© Jemo Kohiri

Schiggy habe bereits auf einigen Conventions und kleinen Treffen getragen. Da es aktuell mein Lieblingslingscosplay von mir ist, sieht man mich damit öfters. Stationen waren bisher beispielsweise AnimaHaro 18, SPIELidee oder die MMC. Die LBM fällt mir dazu auch noch ein. Kirschblütenfest und Ongaku Matsuri gehören ebenfalls dazu. Kurz um: Schiggy hat bereits eine kleine „Weltreise“ hinter sich und wird nicht zum letzten Mal fremde Gegenden erkunden.

© Jemo Kohiri

© Jemo Kohiri

Das wohl prägendste Erlebnis hatte ich während der NorthCon letztes Jahr. Mein Panzer lag bei meinen Sachen, da Schiggy erst am nächsten Tag auf dem Plan stand. Wir verließen den Fotostand kurz bei welchem ich aushalf, kamen wieder und mein Panzer war weg. Sofort rannte ich los und versuchte alles, um meinen Panzer zurück zubekommen. Dummerweise wurde daraus nichts und ich musste die Nacht ohne ihn ertragen. Am nächsten Morgen tauchte er wieder auf, da die Nacht vorüber war und damit kein Kopfkissen mehr notwendig. Fragt lieber nicht, wie fertig ich war. Seitdem liebe ich meinen Panzer über alles. Er ist aber auch ein bequemes Kopfkissen. Richtig böse kann ich dem Entführer da nicht sein.

Schiggy ist und bleibt mein größtes Projekt, was Schwierigkeiten angeht, denn davon gab es einige. Ich bin darüber sehr froh, denn dadurch habe ich vieles gelernt und mich weiterentwickeln können. Herausforderungen bereichern das Leben und es darf gern wieder so ein Cosplay kommen, bei dem das spätere Ergebnis, umso schöner ist.

Meine Inspiration

Ich bewege mich viel im Internet, um dort Kontakt zu Freunden zu halten und mit ihnen zu sprechen. Bei einem Teil davon bleibt mir sogar nichts anderes übrig, weil die Leute zu weit weg wohnen und man sich entsprechend wenig sieht. Ansonsten besuche ich gerne die eine oder andere Convention als normaler Besucher oder aber als Workshopleiterin / Künstlerin. Natürlich mag ich kleinere Veranstaltungen und Animexxtreffen nicht weniger gern. Speziell bei Letzteren trifft der geneigte Cosplayer viele Bekannte. Abgesehen davon, dass die Atmosphäre auf solchen Treffen immer besonders. Ich liebe Kino ebenso wie ein gutes Buch, einfach mal faul sein oder aber eine Runde zocken. Ich versuche eigentlich immer irgendwas zu machen. Gerade in Berlin ist man als Cosplayer nie allein.

Am ehesten findet ihr mich auf animexx, denn da bin so ziemlich jeden Tag, um zu schauen, was los ist und in meinen RPGs zu posten. Ähnlich häufig, wenn nicht sogar noch häufiger findet ihr mich auf Facebook. Ich bin dort jeden Tag, um meine Künstlerseite zu pflegen bzw. die Autorenseite. Überhaupt beobachte ich über Facebook viele Zeichner und Künstler. Mit Facebook seid ihr einfach auf der sicheren Seite, denn da reagiere ich noch schneller als auf animexx.

Mittlerweile bin ich für meine Pokemongijinkas bekannt. Ich habe, ohne es zu merken, einen eigenen Stil entwickelt der im Kopf bleibt. Vielleicht ist es auch schlicht weg meine Vorliebe für einfache und erkennbare Designs. Wie auch immer, mich zeichnet Kreativität, Ideenreichtum und die Suche nach Herausforderungen aus. Ich liebe es mich auf die Wünsche anderer zu stürzen und einen neuen Flauschefreund zu nähen, egal wie schwer es auch erscheinen mag. Ich bin einfach die mit den tollen Plüschtieren XD.

Mein eigenes Label „Unessbar“ steht für flauschige Süßigkeiten, die doch nicht essbar sind. Egal wie oft du es versuchst, es schmeckt sicher nicht. Aktuell widme ich dem Thema „Dangos“, zuvor folgte einiges zum Thema „Onigiris“. Derzeit besteht das Sortiment aus Taschen, Mützen, Kissen, Anhängern und Stickern. Geplant ist so einiges und natürlich nehme ich jederzeit Anfragen für Sonderfertigungen an. Schreib mir einfach und wir werden sehen, was sich machen lässt. Übrigens, meine Kurzromane, die ich unter dem Namen Jemo Kohiri veröffentliche, freuen sich über jeden neuen Leser.

Hier findet ihr mich online:

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Über den Autor

Profilbild von Pascal Grawinkel

2009 habe ich mit und für euch PlayCrits gegründet. Seither informieren wir über die Welt der modernen Videospiele. Von mir gibt's dabei die Portion Action, Online und Roleplay. Allerdings nur auf dem PC. Sorry, Masterrace.

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