Das Point&Click-Adventure ‚Randal’s Monday‘ wurde als ultimative Hommage an die Geeks und Nerds dieser Welt angekündigt. Pünktlich zum Release erfahrt ihr in unserem Review, ob die Entwickler bei Nexus Game Studios dieses Versprechen einlösen können.

Ich gehöre zu den Menschen, bei denen allein die Erwähnung des Namens Daedalic Entertainment zu nervösen Zuckungen im Mausfinger führt. Und so habe ich gespannt auf das Release dieses „Point&Geek Adventures“ gewartet um mich dann mit Begeisterung in den wohl denkwürdigsten Tag in Randals Leben zu stürzen.

Montags könnt‘ ich kotzen
Randal's Monday Screen 01

Randal, Matt und Sally verbringen einen verhängnisvollen Abend in ihrer Lieblingsbar.

Es ist Montag, 10:30 Uhr und Randal hat einen fiesen Kater. Doch nicht nur das, er trägt auch die Brieftasche seines besten Freundes Matt bei sich, inklusive dessen Verlobungsring.
Aber von Anfang: Am Abend zuvor saß Randal mit seinen Freunden Matt und Sally zusammen in der Bar um deren bevorstehende Hochzeit zu feiern. Und wie das an solchen Abenden nunmal so ist, gibt es Bier. Viel Bier. Zu viel Bier. Als Sally die letzte Runde organisieren geht, zeigt Matt Randal den Ring, den er für sie besorgt hat. Dieser ist aus purem Gold und umgeben von einer mysteriösenAura, klar das Kleptomane Randal ihn sofort haben will.  Fünf weitere, letzte Runden und einige mehr oder weniger tiefsinnige Gespräche später verschwindet Matt durch den Hinterausgang der Bar um sich zu übergeben, Randal folgt ihm, sammelt bei der Gelegenheit Matts Brieftasche und den Ring auf und irgendwie tritt auch noch ein Esel auf den Plan. Nach diesem Prolog beginnt dann das eigentliche Abenteuer um Randal, der so ziemlich das Gegenteil von dem ist, was uns in Adventures sonst als Held vorgesetzt wird.

Randal Hicks der Antiheld
Randal's Monday Screen 02

Bei der Entscheidungsfindung zum Verkauf des Rings helfen in klassischer Schulterengelchen und -Teufelchen Manier Randals bester Freund Matt und sein Vermieter Mr. Marconi.

Randal ist ein kleptomanischer Soziapath, der für seine Mitmenschen selten mehr als Spott, Hohn und Beleidigungen übrig hat und für den Respekt ein Fremdwort ist. Als er dann auch noch den Verlobungsring seines besten Freundes versetzt, um seine Miete zu zahlen, zieht Randal einen Fluch auf sich, der ihn zwingt, den selben Montag immer und immer wieder zu erleben. Dabei dauert ein Tag immer so lang, wie er eben dauert. Haben wir alles erledigt was wir an diesem Tag erledigen können, legt sich Randal schlafen und erwacht Montags um 10:30 Uhr. Nun versucht Randal also, den Fluch zu brechen und den Ring zurück zu bekommen und die Ereignisse dieses verhängnisvollen Montags zum Guten zu wenden.

Die Story von Randal’s Monday ist dabei ebenso chaotisch wie der Tagesablauf des Protagonisten und springt von einer unvorhersehbaren Wendung zur nächsten. Das passt zwar sehr gut zum Setting, lässt aber an einigen Stellen den roten Faden etwas vermissen und wirkt leider nicht immer zu Ende gedacht.

Randal's Monday Screen 03

Wie Bill Murray in ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ ist auch Randal in einer Zeitschleife gefangen.

In Kombination mit dem anfangs ziemlich unsympathischen Hauptcharakter macht die scheinbar unstrukturierte Handlung es anfangs etwas schwierig, mit dem Spiel warm zu werden, funktioniert aber nach einiger Zeit dann eben doch recht gut, auch wenn Randal mir -im Gegensatz zu vielen anderen Charakteren- bis zum Ende nicht wirklich sympathisch geworden ist, auch wenn er sich im Laufe des Spiels deutlich verändert.
Im Gegensatz zu Randal sind die meisten anderen Charaktere hingegen von Anfang an recht sympathisch, haben einen einzigartigen Charakter und ihre ganz eigenen Macken. „Normal“ ist in Randal’s Monday definitiv niemand.

 

Déjà-vu
Randal's Monday Screen 04

Randal’s Monday ist so voll von Popkultur-Anspielungen, dass es manchmal schon überladen wirkt.

Bei den Zeitsprüngen greift Randal’s Monday einerseits auf den Film ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ mit Bill Murray zurück und lässt Randal den selben Tag immer und immer wieder erleben, andererseits bleibt, ähnlich wie in ‚Zurück in die Zukunft‘, alles was Randal an einem Tag ändert auch am nächsten Tag verändert. So kann Randal einen Gegenstand nur einmal einsammeln und eine zerschlagene Scheibe bleibt auch am nächsten Tag noch zerschlagen.

Doch nicht nur beim Grundprinzip der Handlung spielt Randal’s Monday mit Popkultur-Zitaten. So wohnt Randal in der Threepwood Street, in der Nähe von Matts Wohnung gibt es das Leftorium, im Comicbuchladen steht ein HAL-9000, der GlaDOS typisch, dann auch noch singt und auch in den Dialogen finden sich immer wieder Anspielungen auf verschiedenen Filme, Spiele und Bücher. Leider meinen es die Entwickler von Nexus Game Studios damit manchmal etwas zu gut und die humoristisch gedachten Zitate rutschen schnell mal ins Klamaukige ab.

Ein Augen- und Ohrenschmaus
Randal's Monday Screen o5

Einige Items im comicartigen Inventar verändern sich mit der Zeit.

Optisch ist Randal’s Monday rundum gut gelungen. Die Umgebungen sind gestochen scharf und mit viel Liebe zum Detail erstellt. Auch Charaktere und interaktive Gegenstände passen sich wunderbar in die Hintergründe ein und wirken nicht einfach aufgesetzt und auch Animationen und Effekte sind gut umgesetzt und wirken flüssig. Der Comic-artige Grafikstil unterstreicht dabei gekonnt die vielen Anspielungen und die geekige Atmosphäre.

Auf der akustischen Seite wartet Randal’s Monday mit einem guten Sountrack auf, der die jeweiligen Situationen passend untermalt und auch qualitativ überzeugen kann. Insbesondere die Vertonung der Charaktere ist jedoch der große Trumpf des Spiels, so hat jeder Charakter eine einzigartige Stimme, die perfekt zur jeweiligen Person passt. Absolute Geeks sollten zur englischen Sprachausgabe umschalten, hier spricht Jeff Anderson (‚Clerks‘ Fans aufgepasst!) Randal und auch Jason Mewes (Jay aus ‚Dogma‘ und ‚Jay & Silent Bob schlagen zurück‘) leiht seinem alter Ego die Stimme. Egal ob in der englischen oder der deutschen Fassung, die Dialoge sind gut vertont und selbst der Sprachwitz wurde so übersetzt, dass er in beiden Versionen funktioniert.
In der von mir gespielten Vorabversion fiel jedoch auf, dass sowohl die deutsche, als auch die englische Tonspur an einigen Stellen mit Lautstärkeproblemen zu kämpfen haben. So gehen manche Dialoge in der Hintergrundmusik unter und sind kaum zu verstehen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass dieses Problem zeitnah mit einem Patch behoben wird.

Das Gameplay von Randal’s Monday ist das eines klassischen Point&Click-Adventures. Die Schwierigkeit der Rätsel ist knackig, aber nicht zu schwer, auch wenn es an einigen Stellen aufgrund von mangelnder Intuitivität etwas hakt. Viele Rätsel fallen übrigens leichter, wenn man sich in der Popkultur der 80er und 90er etwas auskennt, hier sind ältere Spieler klar im Vorteil. Besonders überzeugt haben mich die vielen Dialogoptionen, die zwar keine direkte Auswirkung auf den Spielverlauf zu haben scheinen, dem Spieler aber die Möglichkeit geben, mehr über andere Charaktere zu erfahren als unbedingt zur Lösung einer Situation erforderlich.

Randal's Monday Screen 06

Das Konzept von Leben und Tod scheint Protagonist Randal völlig egal zu sein..

Randal's Monday ist ein solides Adventure mit kleinen Schwächen, das es mit den Anspielungen auf die Popkultur der 80er und 90er manchmal etwas zu gut meint, wodurch es nach einiger Zeit durchaus anstrengend zu spielen ist. Es punktet mit einer verrückten, wenn auch nicht immer nachvollziehbaren, Story, guten Dialogen und einer hervorragenden Vertonung und ist eine klare Empfehlung für jeden, der auch nur ansatzweise behauptet, Geek oder Nerd zu sein. Der manchmal etwas sehr spezielle Humor des Spiels, der sich in vielen von Randals Kommentaren und der völligen Ignoranz gegenüber dem Tod seines besten Freundes äussert, könnte allerdings einige Spieler eher verschrecken.
Gameplay80
Visualisierung95
Story & Integration90
Genre-Wertung85
Feedback85
Postiv
Voller Popart-Anspielungen
Sehr gute Charakter-Vertonung
Absurd, geniale Story
Negativ
Teils hakelige Rätsel
Streckenweise zu überladen
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