Gerade einmal vier Jahre nach dem Release von Civilization V erschien jetzt der spirituelle Nachfolger von Sid Meier’s Alpha Centauri. Civilization Beyond Earth spielt in der fernen Zukunft, in der die Erde nicht mehr bewohnbar ist. Die Menschheit macht sich auf die Suche nach bewohnbaren Planeten. Ob Beyond Earth zu den Sternen fliegt oder eine Bruchlandung hinlegt erfahrt ihr in unserem Review.

Wir befinden uns in der Mitte des dritten Jahrtausends. Die Menschheit ist nach einem Ereignis,welches “Der große Fehler” genannt wird, gezwungen die Erde zu verlassen und andere Erdähnliche Planeten zu besiedeln. Organisationen über den gesamten Globus verteilt konstruieren Raumschiffe, auf denen die Besatzung bis zur Ankunft auf dem neuen Planeten in einen künstlichen Kälteschlaf versetzt wird. Die Organisationen senden Raumschiffe zu allen bekannten erdähnlichen Planeten um das Überleben der Menschheit zu sichern. Es ist nun an uns der Menschheit, welche sich am Rande der Auslöschung befindet, ein neues Zuhause auf einem fremden Planeten zu errichten. Dabei stellen nicht nur die einheimischen Kreaturen eine Gefahr dar, denn Raumschiffe der rivalisierenden Organisationen landen ebenfalls auf den Planeten.

Außerirdisch

2014-10-26_00007Bislang stehen insgesamt 8 Fraktionen zur Auswahl mit denen wir uns auf neue Welten stürzen können. Dabei wählen wir neben einem Sponsor noch zusätzliche Parameter wie Fracht und Besatzung aus, die die initialen Attribute unserer Expedition beeinflussen. Besteht die Crew zum Beispiel aus Ingenieuren, so ist die Produktion in unseren Städten leicht erhöht, was besonders zu Anfang ein großer Vorteil sein kann. Unsere erste Stadt errichten wir indem eine Landezone aus einem begrenzten Gebiet ausgewählt wird. Einmal für einen passenden Ort für unsere erste Stadt entschieden landet das Raumschiff und errichtet die erste Stadt. Das unbekannte Terrain und die einheimischen Lebensformen schränken uns jedoch im Gegensatz zu den Barbaren im Vorgänger stark ein. Die “Aliens” sind uns Anfangs deutlich überlegen und das über weite Strecken verteilte Miasma richtet zusätzlichen Schaden an unseren Einheiten an. Der Start in Beyond Earth verläuft sehr langsam, was spielerisch in den ersten einhundert Zügen zu Langeweile führen kann aber storytechnisch Sinn ergibt. Auf einem fremden Planeten lebt es sich nun einmal nicht so wie auf der Erde.

2014-10-24_00001Langsam aber sicher haben wir unsere Stadt und das umlegende Gelände befestigt. Ein Laserzaun hilft dabei die aggressiven Kreaturen in Schach zu halten während unsere Kundschafter das Land nach neuen Ressourcen absuchen. Wir wollen schließlich bald neue Siedlungen gründen um unser Territorium zu erweitern. Doch auf unserem Weg durch die Wälder und Schluchten des Planeten begegnen uns Kundschafter der slawischen Föderation. Anscheinend ist ihr Raumschiff ebenfalls unbeschadet auf dem Planeten gelandet. Vorsichtig wird der erste Kontakt geknüpft, wobei sich herausstellt, dass sie bereits damit begonnen haben das Ökosystem dem der Erde anzupassen. Ist es wirklich notwendig die Bewohner des Planeten aus ihrem natürlichen Habitat zu vertreiben? Man könnte sich doch genauso gut dem Planeten anpassen. Den Truppen der slawischen Föderation gefällt unsere Sicht der Dinge gar nicht. Sie beschuldigen uns das Erbe der Erde mit Füßen zu treten. Neben der Gefahr durch die Aliens scheinen neue Konflikte hervorzutreten. Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Kolonisierung des Planeten könnten wieder zur Kriegen führen. Ist die Menschheit auch auf ihrer neuen Heimat dazu verdammt sich gegenseitig zu bekämpfen ? Ist es nicht möglich den Planeten zu besiedeln ohne das Ökosystem zu zerstören ?

2014-10-26_00009Hier gibt Beyond Earth verschiedene Möglichkeiten vor. Man kann sich entweder dazu entscheiden sich den Bedingungen des Planeten anzupassen oder rücksichtslos das Ökosystem des Planeten zu verändern. Unterteilt werden diese Kategorien in Harmonie, Reinheit und Vormacht. Die Erforschung neuer Technologien bestimmt welchen Weg man einschlagen wird. Dementsprechend schaltet werden unterschiedliche Einheiten im Verlauf des Spiels freigeschaltet, welche durch Upgrades ihrer entsprechenden Vorgänger hervorgehen. Die neuen Einheiten sind deutlich stärker und dem Thema der Ideologie angepasst. Wählt man hauptsächlich Harmonie, so ähneln die eigenen Einheiten immer mehr den Aliens. Das neue System verspricht zusammen mit dem Forschungsnetz deutlich mehr Abwechslung und Individualisierung der Spielweise.

Die NSA lässt grüßen

2014-10-26_00010Gegenüber Civilization V wurden einigen Features beibehalten und andere vorerst gestrichen. So hat man auch in Beyond Earth die Möglichkeit Handelsrouten mit anderen Völkern einzurichten. Das Prinzip der Religion hat jedoch noch nicht seinen Weg ins Spiel gefunden, wobei man im Trailer deutlich einen Priester sehen konnte. Inwiefern Religion und andere Features nachgeliefert werden steht allerdings noch nicht fest. Auch die Spionieren kann man in Beyond Earth wieder. Jedoch hat die Spionage deutlich an Komplexität gewonnen. Spione können nun in vielerlei Hinsicht eingesetzt werden. So ist es zum Beispiel möglich die Satelliten seines Kontrahenten zu sabotieren oder ihm Geld aus der Tasche zu ziehen. Die deutlich breitere Auswahl an Spionageaktionen sorgt auch hier für taktische Tiefe und mehr Möglichkeiten seine Kolonien zu entwickeln.

2014-10-26_00012Neben der erweiterten Spionage stehen zahlreiche neue Geländeverbesserungen zur Verfügung, die es erlauben sich jeder Spielsituation anzupassen. Vorausgesetzt man hat die benötigte Verbesserung bereits erforscht. Zudem sorgt das neu eingeführte Questsystem dafür, dass der eigenen Spielstil noch weiter dem persönlichen Spielstil angepasst werden kann. Für jedes zu ersten mal errichtete Gebäude erscheinen sogenannte Auswahlquests, bei denen man noch eine vo zwei zusätzlichen Eigenschaften auswählen kann. Die Klonfabrik kann zum Beispiel entweder mehr Nahrung produzieren oder Stammzellen zur medizinischen Versorgung.

Die wohl größte Neuerung allerdings ist die orbitale Ebene auf der zusätzlich Einheiten und Satelliten stationiert werden können. Während militärische Einheiten aus dem Orbit Feuerunterstützung gewähren, erhöhen Solarsatelliten die Energieproduktion rund um die Stadt. Die eigentliche Nutzung des Orbits kommt aber leider ein wenig zu kurz. Hier hätten deutlich mehr Optionen zur Verfügung stehen können, wobei der bisherige Stand eine gute Basis für Erweiterungen bietet. Es bleibt zu hoffen, dass diesem neuen Feature in Zukunft mehr Beachtung geschenkt wird. 2014-10-26_00011Die Geschichte jeder neuen Runde Beyond Earth zieht sich durch das gesamte Spiel bis hin zum eventuellen Sieg. Die Entscheidungen, die getroffen werden sei es bei Quests oder bei der Wahl der Ideologie spannend ein Netz auf, welches eine Einzigartige Geschichte über eine Gruppe von Menschen erzählt, die zu entfernten Planeten aufgebrochen sind um der Vernichtung auf der Erde zu entkommen. Dadurch entsteht eine lockere, glaubhafte Geschichte, welche sich positiv auf die Atmosphäre des Spiels auswirkt.

 

Lasst uns Freunde sein

2014-10-26_00013Die KI war in den bisherigen Spielen der Civilization Reihe nicht immer die beste. Dies hat sich mit Beyond Earth leider nicht großartig geändert. Es werden teils haarsträubende diplomatische Entscheidungen getroffen, die nicht unbedingt nachvollziehbar sind, wobei es solche Fälle in Wirklichkeit auch geben soll.So wird dem Spieler ein Freundschaftspakt angeboten nur um ihm 5 Spielzüge später in den Rücken zu fallen. Der resultierende Krieg sorgt dann für die fast vollständige Vernichtung des Militärs der KI, worauf diese noch immer für keine Friedensverhandlungen bereit ist.

Es scheint als wurde die KI größtenteils von Civilization V übernommen, was jetzt nicht sonderlich schlecht ist, wobei eine überarbeitete KI bezüglich Diplomatie niemandem geschadet hätte. Im Krieg selbst agiert die KI doch recht solide und sorgt auch auf geringen Schwierigkeitsstufen öfters mal für den ein oder anderen zerstörten Panzer. Auch die Reaktionen auf die Adaption anderer Ideologien sind gut gewählt und meistens passend. Wer übrigens schon einmal Civilization V gespielt hat, der wird es sicherlich nur allzu gut kennen, wenn KI-Spieler um “Gefallen” bitte, die Jenseits von Gut und Böse sind. Im Gegenzug zu erbrachten Gefallen bekam man eigentlich meist nur eine Kriegserklärung auf dem Silbertablett serviert. Dazu wurde in Beyond Earth das Prinzip der Gefallen eingeführt. Sollte ein KI-Spieler einen Gefallen erbitten so tauscht er dieses gegen einen “Gefallen”, welcher später gegen Ressourcen wieder eingelöst werden kann.

Keine Zukunft ohne Recycling

2014-10-26_00003Die Spielmechaniken wurden von Civilization V fast unverändert übernommen. Was früher Gold war ist jetzt Energie und aus Zufriedenheit wurde Gesundheit. Auf neuen Planeten sollten man sich natürlich erst über seine Gesundheit sorgen machen, da ist es egal ob man Zufrieden ist oder nicht. Das Überleben der Menschheit kommt schließlich an erster Stelle. Auch Dialoge in der Diplomatie wurden gnadenlos kopiert, was sehr schade ist, denn neue Dialoge hätten für mehr Immersion gesorgt. Das Kampf und Wirtschaftssystem sind ebenfalls größtenteils identisch gegenüber den Vorgängern. Der einzige Unterschied ist hier, dass es keine Luxusressourcen mehr gibt, die die Zufriedenheit bzw. die Gesundheit erhöhen. Strategische Ressourcen zur Produktion mächtiger Einheiten und fortgeschrittener Gebäude sind ebenfalls noch vorhanden.

2014-10-26_00005Die Grundlegende Steuerung ist ebenfalls überwiegend gleich geblieben. Das Interface hat ein Makeover bekommen um mehr nach Weltall und Zukunft auszusehen. Einige Element der Stadtansicht und der Statusleiste wurden verschoben. Die bei jedem neuen Spielstart generierten Planeten erwecken deutlich den Eindruck einer extraterrestrischen Welt, auf der hinter jede Ecke Gefahren lauern. Das Design von Einheiten und Gebäuden wirkt futuristisch und passt hervorragend in die Welt. Besonders die Unterschiede, die durch die verschiedenen Ideologien hervortreten sind außerordentlich gut gewählt und geben das Gefühl, dass die eigenen Entscheidungen einen Einfluss auf das Spiel haben.

2014-10-25_00006Nach dem Motto “Never change a running system” wurden nicht viele Dinge an der allgemeinen Steuerung verändern. Das Spielgefühl eines Civilization Spiels bleibt erhalten nur dieses mal nicht auf der Erde sondern in der Zukunft auf fremden Planeten. Als Civilization Veteran wird man somit keine Probleme haben sich im Spiel schnell zurecht zu finden, auch wenn einige sich einigen Optionen jetzt an anderer Stelle befinden. Für Neueinsteiger bietet das interaktive Tutorial einen guten Einstiegspunkt. Hierbei wird ein ganz normales Spiel durch einen Guide begleitet, der zu neuen Ereignissen immer wieder Tipps gibt und Bedarf die Funktion einiger Mechaniken genauer erklärt.

Mit Civilization Beyond Earth haben es Sid Meier und Firaxis Games geschafft einen würdigen Nachfolger für sowohl Civilization V als auch Alpha Centauri zu veröffentlichen. Während das Franchise nicht neu erfunden wurde hat Firaxis sich auf dessen stärken gestützt um ein solides rundenbasiertes Strategiespiel zu entwickeln. Die neuen Features bringen noch mehr Abwechslung und frischen Wind, während die bereits bekannten Features beibehalten wurden. Beyond Earth wird leider noch von ein paar Bugs geplagt, wodurch einige Quests nicht abgeschlossen werden könne. Hierbei handelt es sich um Storyquests, welche eventuell im weiteren Verlauft wichtig werden könnten. Im Prinzip ist es aber jedem frei gestellt sich den Quests zu widmen oder seine eigene Geschichte zu schreiben, denn das Gefühl eine eigene Geschichte zu schreiben wird mit Beyond Earth deutlich stärker vermittelt als bei den Vorgängern. Wer Civilization bis jetzt gemocht hat wird auch mit Beyond Earth nichts verkehrt machen, wenn man dazu sogar noch ein Sci-Fi Fan ist sollte man sich fragen warum das Spiel noch nicht in seinem Regal steht. Für mich eines der Spiele des Jahres, welches ausnahmensweise nicht enttäuscht hat. Galaktisch, Fantastisch,Außerirdisch! Civilization ist ein Pflichtkauf für alle Freunde der gepflegten rundenbasierten Strategie.
Gameplay85
Visualisierung90
Story & Integration90
Genre-Wertung100
Feedback90
Postiv
Stimmige Grafik
Hoher Wiederspielwert, viele kleine und große neue Features
Individualiserung in hohem Maße
Negativ
Langsamer Start
KI stellenweise mit Aussetzern
91