Was anderen Studios nur mit hundertköpfigen Entwicklerteams und großen Budgets gelingt, setzt Ede Talsoy nahezu im Alleingang um. Nachdem „Meridian: New World“ nach einer vielversprechenden Early-Access Phase nun als Finalversion erhältlich ist, haben wir uns die Special Edition des Spiels einmal genauer angeschaut.

Das RTS-Genre ist schon seit geraumer Zeit nahezu ausgestorben, lediglich Blizzard sorgte mit Starcraft II in letzter Zeit für frischen Wind in der Echtzeit-Strategie. Umso erstaunlicher ist das, was das ungarische Entwichlerstudio Elder Games in knapp zweieinhalb Jahren geschaffen hat. Und das größtenteils im Alleingang, Elder Games besteht nämlich nur aus Ede Talsoy, der sich zwischenzeitlich Unterstützung von drei Freelancern gesichert hat.

Eine neue Erde

Meridian: Intro

Schauplatz der Handlung von Meridian: New World ist der gleichnamige Planet.

Irgendwann in der Zukunft: Die Menschheit hat ein Problem. Sowohl Platz als auch Ressourcen werden auf der hoffnungslos überbevölkerten Erde knapp und es beginnt eine fieberhafte Suche nach einer neuen Heimat. Mit dem Planeten Meridian scheint diese Erde 2.0 gefunden und so stellt die Erdenregierung eine Expedition zusammen, um den fernen Planeten auf seine Eignung als neue Heimat der Menschheit zu untersuchen.

Wir schlüpfen in die Rolle von Daniel Hanson, Kommandant der Expedetion an Bord der KKS Magellan und bereiten grade die Heimreise vor als uns ein unerwarteter Notruf von der Oberfläche des Planeten ereilt. Genau an dieser Stelle beginnt die Geschichte um die Crew der Magellan und deren – eigentlich schon abgeschlossene – Mission auf einem fremden Planeten.
Wenn auch an einigen Punkten etwas vorhersehbar, so ist die Handlung der Einzelspielerkampagne von Meridian: New World jedoch alles in allem sehr stimmig und spannend erzählt und muss sich nicht vor anderen Titeln des Genres verstecken.

Magellan Interior

An einigen Stellen hakt es in der deutschen Übersetzung des Spiels noch etwas.

Zwischen den Hauptmissionen auf der Planetenoberfläche, die mal nach dem klassischen Prinzip „Basis bauen und Gegner überrennen“ ablaufen, mal Tower-Defense Elemente bieten oder als Stealth-/Schleichmission daher kommen, verschlägt es uns immer wieder zurück auf die Magellan. In diesen Zwischensequenzen steuern wir Hanson direkt und können mit anderen Mitgliedern der Crew interagieren, Informationen über Einheiten einsehen, oder kleinere Kampfsimulationen spielen und auch Story-Elemente finden an Bord der Magellan statt.

Stein-Schere-Papier

Magellan Kartenraum

Im Kartenraum der Magellan erhalten wir unser Missionsbreefing.

Das Gameplay von Meridian: New World ist, wie bereits erwähnt, recht abwechslungsreich. In den klassischen Aufbaumissionen sammeln wir zunächst Shardium, die einzige Ressource auf Meridian, und bauen dann Kasernen, Fahrzeugfabriken und Flugfelder und versorgen unsere Gebäude mit ausreichend Energie. Die Gebäudevielfalt ist dabei nicht sonderlich groß, sodass man sich nicht in komplizierten Bäumen bis zum gewünschten Gebäude vorarbeiten muss, sondern relativ schnell alle nötigen Gebäude beisammen hat.
Auch die Anzahl der verfügbaren Einheiten ist übersichtlich, was das Spiel jedoch durch starke Anpasungsmöglichkeiten ausgleicht. Mit Hilfe unseres Forschungslabors entwickeln wir immer neue Waffensysteme und rüsten unsere Fahrzeuge damit aus. Dabei kommt es vorallem auf eine clevere Kombination der verschiedenen Waffensysteme an da jedes Waffensystem spezifische Stärken und Schwächen hat und sich daher mal mehr, mal weniger für einen Einsatzzweck eignet. Den Gegner einfach mit Einheiten tot zu schmeißen funktionert hier nur bedingt, was durch die Recht geringe Kapazität für gleichzeitig verfügbare Einheiten noch unterstützt wird.

Commander Skills

Mit der Zeit können verschiedene Fähigkeiten freigeschaltet und ausgebaut werden.

Während des Spielens sammelt unser Commander Erfahrungspunkte, die dann für Spezielfähigkeiten ausgegeben werden können. Mit diesen Fähigkeiten können dann einzelne Einheiten geheilt, Feuerrate oder Panzerung erhöht, oder feindliche Einheiten beschädigt werden. Dabei verbraucht der Einsatz der Fähigkeiten jedes Mal Energie, die sich über die Zeit wieder regeneriert.

Der Schwierigkeitsgrad der Missionen ist angenehm knackig, RTS-Experten werden nicht unterfordert, Neulinge aber auch nicht völlig überfordert, lediglich die – manchmal etwas hakelige – KI führte bei unserem Test zeitweise zu Anflügen von Verzweifelung. So ist die Wegfindung einiger Einheiten manchmal äußerst kreativ, statt die letzten Meter zum feindlichen Gebäude einfach geradeaus zu fahren wied er Rest der Einsatzgruppe, nahm ein Fahrzeug auch gerne mal einen Umweg über die halbe Karte in Kauf und nach Zerstörung des angewiesenen Ziels stellten viele Einheiten das Feuer auch dann völlig ein, wenn noch ausreichend andere Ziele in Reichweite waren.

Freunde von Multiplayer-Modi in Strategiespielen werden mit Meridian: New World jedoch nicht glücklich werden, ein solcher Multiplayer fehlt dem Spiel völlig.

Frisch poliert

Meridian Sequenz

Die Zwischensequenzen sehen gut aus, können aber mit Tripple-A Titeln nicht mithalten.

Optisch ist Meridian: New World gut gelungen, auch wenn die Charakteranimationen nicht dem aktuellen Standard entsprechen. Die Welt ist abwechslungsreich gestaltet und Einheiten und Gebäude sind recht detailliert. Die kurzen Zwischensequenzen können nicht mit Tripple-A Titeln mithalten, was aber dem Spielerlebnis keinen Abbruch tut.
Auch klanglich ist der Titel gut gelungen, die Vertonung der Charaktere ist gut, wenn auch nicht überragend, die Soundeffekte passen gut und auch der Soundtrack ist rundum gelungen und passt zum Sci-Fi Setting des Spiels.

Meridian: New World knüpft an die klassischen Titel des RTS-Genres an und zeigt deutlich, von welchen Spielen der Entwickler inspiriert wurde, ohne dabei jedoch platt zu kopieren. Dabei kommt es zwar nicht gegen Tripple-A Titel wie Starcraft II an, behauptet sich aber dennoch erstaunlich gut. Für Fans klassischer RTS-Spiele ist Meridian: New World definitiv eine Empfehlung.
Gameplay75
Visualisierung85
Story & Integration90
Genre-Wertung95
Feedback80
Postiv
Klassisches RTS
Abwechslungsreiches Gameplay
Schwerpunkt auf Handlung
Negativ
Kein Multiplayer
Kleinere Bugs
Hakelige Lokalisierung
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