Es klingt nach einer gewagten Idee, was Sandbox Interactive da vor hat: Ein Cross-Platform-MMO, das von vielem weg geht, was dieses Genre bisher kennzeichnet. In der aktuellen „Summer Aplha“ konnten wir uns anschauen, wie diese Idee umgesetzt wurde und ob ein MMO auch so funktionieren kann.

Sandbox Interactive verspricht mit Albion Online ein MMORPG, bei dem die Community und deren Entscheidungen im Vordergrund stehen und das selbst nur die nötigsten Vorgaben macht. Während das Spiel lediglich die Spielwelt und das Aufkommen vom NPCs vorgibt, sind die Spieler selbst für das Funktionieren der Wirtschaftskreisläufe und den Bau von Siedlungen verantwortlich und können ihren Mitspielern das Leben schwer oder durch verschiedene Hilfestellungen einfacher machen.

Du bist, was du trägst

Das Setting von Albion Online ist wohl noch das MMORPG-typischste an diesem MMORPG. In einer mittelalterlich angehauchten Welt treffen die Spieler auf wilde Tiere, Wegelager und  andere Spieler – mal freundlich, mal feindlich gesinnt – und sollten jeden Kampf wohlüberlegt angehen.

AlbiOnAlph_Crafting

Jeder Gegenstand kann – je nach Stufe- mit unterschiedlichen aktiven und passiven Fähigkeiten versehen werden.

Typische MMORPG-Klassen oder ein vorgegebenes Set von Fertigkeiten sucht man in Albion Online hingegen vergebens. Stattdessen werden Attribute und Fähigkeiten von der getragenen Ausrüstung bestimmt, dabei verfügen Ausrüstungsgegenstände – je nach Stufe – über unterschiedlich viele Slots für aktive und passive Fähigkeiten, die der Spieler bei der Herstellung aus verschiedenen Vorgaben belegen kann.

Dadurch ergibt sich eine hohe Dynamik im Spiel, da Spieler ihren Charakter jederzeit an eine gegebene Situation anpassen können und nicht Gefahr laufen, sich zu „verskillen“. Aus einem schnellen, angriffsstarken Nahkämpfer kann so durch das Wechseln von Waffen und Rüstung innerhalb kurzer Zeit ein Magier werden, der andere Spieler aus dem Hintergrund heilt.

Das Phänomen des „Eierlegenden Wollmilchschweins“ umgeht Albion Online dabei sehr geschickt. Stirbt ein Charakter, startet er einem nahe gelegenen neutralen Gebiet („Cluster“) neu und verliert alles was er bei sich trägt. Spielerleichen bleiben für 10 Minuten in der Welt liegen und können in dieser Zeit von jedem geplündert werden. Spieler sollten also sehr gut überlegen, welche Ausrüstung sie ständig mit sich herum tragen.

Ich habe ein Ausrufezeichen über dem Kopf

Jeder RPG Spieler kennt sie, die allgegenwärtigen Questgeber, die sich durch ein Ausrufezeichen, einen Stern oder eine andere Markierung bemerkbar machen. Doch auch hier geht Albion Online einen anderen Weg. Quests gibt es nicht, stattdessen wird der Spieler durch Hinweise geführt die ihm anzeigen, wie viel Erfahrung („Ruhm“) er durch bestimmte Aktionen verdienen muss um eine neue Ausrüstungs oder Handwerksstufe freizuschalten. Durch das Fehlen von Quests erzählt Albion Online allerdings auch keine wirkliche, durchgehende Geschichte. Sandbox Interactive zählt hier auf die Spieler die durch die Gestaltung der Welt ihre eigenen Geschichten kreieren sollen.

Diese relativ freie Gestaltung der Welt ist die große Stärke von Albion Online, in den wenigen vorgegebenen Clustern finden sich nur Gebäude auf Einsteiger-Niveau, Spieler müssen sich zusammenschließen und als Gruppe in anderen Gebieten aktiv werden um Gebäude zu bauen und somit Zugang zu höherstufiger Ausrüstung zu erhalten.

Selbstgebaute Wohnhäuser dienen als Lager und sicherer Zufluchtsort in der Welt von Albion Online, können jedoch auch verkauft oder sogar vermietet werden. Genauso können Spieler den Zugriff auf die von ihnen gebauten Produktionsgebäude unterschiedlich handhaben und diese entweder selbst nutzen, für Freunde oder ihre Gilde freigeben oder der Allgemeinheit zugänglich machen und dafür eine Nutzungsgebühr verlangen. Dabei ist das Wirtschaftssystem  völlig frei und wird nicht durch NPC-Händler beeinflusst, Rohstoffe müssen gesammelt werden oder können, wie auch fertige Ausrüstung im Markthaus von anderen Spielern gekauft werden.

Die große Politik
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Viele Gebiete der Spielwelt können von Gilden beansprucht und verwaltet werden

Viele der Gebiete in der Spielwelt können von Gilden erobert und genutzt werden um die Welt zu gestalten. Erobert eine Gilde ein bis dahin freies Gebiet, erhält sie exklusiven Zugriff auf die dort vorhandenen Ressourcen, kann das Bauland nutzen, Baugenehmigungen erteilen und Zölle von durchreisenden Spielern erheben.

Wird das Gebiet einer Gilde angegriffen, werden die Mitglieder darüber informiert und haben Zeit, sich für die Verteidigung zu organisieren. Bereits vorhandene Gebäude können – sofern sie beim Angriff nicht zerstört werden –  von der siegreichen Gilde weiter genutzt werden. Dabei sind die Gebiete so ausgelegt, dass sie im Schnitt für drei bis fünf Spieler geeignet sind und auch nur von dieser Anzahl von Spielern angegriffen und verteidigt werden können. Durch diese Regelung will man es auch kleinenen Gilden ermöglichen eigene Gebiete zu halten und sich gegen „die großen“ durchsetzten zu können.

Anmerkung
Diese Review und die unten stehende Wertung bezieht sich auf eine Alpha-Version des Spiels und nicht auf das endgültige Produkt.
Albion Online ist ein ambitioniertes Projekt, das in der aktuellen Phase bereits ein gewisses Potential an den Tag legt. Der Verzicht auf RPG-typische Elemente wie Quests und Charakterklassen und -Fähigkeiten ist ein gewagter Schritt um sich vom Markt der immer gleichen MMORPGs abzuheben, der allerdings nur bedingt Erfolg hat. Zwar bietet dieses Konzept einige neue Anreize, jedoch ist das zu Beginn doch sehr repetetive Gameplay aus sammeln, töten, craften ohne eine begleitende Story noch zäher, als es so schon ist. Albion Online ist kein Spiel für Spieler, die allein durch eine Welt streifen und diese entdecken wollen. Wer jedoch gerne mit anderen zusammen spielt findet hier ein Spiel, bei dem ein kurzes Anspielen zumindest kein Verlust ist. Durch den Fokus auf kleinere Gruppen und die vollständig selbst herstellbare Ausrüstung haben auch Spieler mit weniger Zeit gute Chancen, erfolgreich spielen zu können und fühlen sich gegenüber den "Powergamern" weniger im Nachteil. Die Idee, ein Spiel zu Hause am PC und auch unterwegs auf dem Smartphone oder Tablet spielen zu können bietet einen gewisen Reiz, stellt den Entwickler aber auch vor gewisse Probleme, da das Spiel für alle Geräte optimiert werden muss. Dabei wird das Potential moderner Computer nicht voll ausgeschöpft, wodurch Albion Online zwar grafisch nicht mit der Konkurrenz mithalten kann, sich dafür aber einen ganz eigenen Charme erarbeitet. Das Interface hingegen profitiert von diesem Schritt und ist sehr simpel und übersichtlich gehalten. Fähigkeiten werden automatisch mit einem Hotkey verbunden, können aber auch durch einen Klick auf das jeweilige Symbol in der Seitenleiste aufgerufen werden, komplexe Menüs entfallen völlig. Getestet haben wir die Clients für Windows und Linux. Der Android-Client lies sich auf unseren Testgeräten (Samsung Galaxy Tab 2 10.1 und Oppo Find 7) nicht ausführen.
Gameplay50
Visualisierung65
Story & Integration45
Genre-Wertung50
Feedback55
Postiv
Intuitive Bedienung
Cross-Platform, Dynamisches PvP
Freie Welt
Negativ
Keine Storyline
Repetetives Gameplay
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Über den Autor

Media Relations Coordinator

Der Mann mit den Kontakten und Verfechter des Story-Prinzips.

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