Endless Legend wurde nun aus seiner langen Early Access Phase entlassen und steht als vollständige Release-Version auf Steam zum Kauf bereit. Warum Endless Legend außerordentlich viel Spaß macht und wo noch Schwächen liegen erfahrt ihr in unserem Review.

Was ist Endless Legend ?

Endless Legend ist rundenbasiertes Strategiespiel, von Amplitude Studios, mit Fantasy Elementen. Sowohl mythische Wesen,wie Zentauren und Elfen, als auch Magie spielen eine übergeordnete Rolle in dem Nachfolger des Weltraum Strategiespiels Endless Space. Neben der Gründung und Verwaltung von Städten und Regionen können Truppen und Helden mit erbeuteten Gegenständen ausgerüstet werden. Die Kombination von rundenbasierter Strategie mit Rollenspiel Elementen ist schon aus Spielen wie Age of Wonders bekannt, jedoch besteht bei Endless Legend zusätzlich noch die Möglichkeit aus ‚Blaupausen‘ der Truppen immer wieder neue und voneinander verschiedene Krieger zu erstellen. Der Möglichkeiten zur Individualisierung sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Willkommen zu Endless Legend

2014-09-24_00003Während die ‚Broken Lords‘ versuchen ihrem Volk wieder zu Ruhm und Ehre zu verhelfen wütet eine Plage durch das Land. Die Necrophagen, immer auf der Suche nach neuem Biomaterial für ihren Nachwuchs, halten nicht viel von Diplomatie. Sie attackieren gnadenlos jedes andere Volk um dessen Biomasse zu ergattern. Willkommen zu Endless Legend, willkommen in Auriga, einer antiken und von der kriegerischen Vergangenheit gezeichneten Welt. Sowohl von Magie beeinflusst als auch von vergangenen Kriegen verwüstet. Acht große und eine Vielzahl kleinerer Fraktionen kämpfen um die Vorherrschaft in Auriga, die Welt die sie ihre Heimat nennen. Nur mit der Zeit wird zeigen welche der Völker die Vorherrschaft über das wunderschöne aber auch gefährliche Auriga für sich beanspruchen wird.

Im Hauptmenü angekommen fällt neben dem schlichten aber dennoch schicken Menü der animierte Hintergrund auf, der zusammen mit dem Soundtrack eine angemessene Atmosphäre für den Spieleinstieg schafft2014-10-03_00001. Zur Verfügung stehen neben den Optionen und dem starten eines Neuen Spiels in sowohl Single aus auch Multiplayer, ein Tutorial, welches dem Spieler die Grundlagen von Endless Legend näher bringen soll. Nachdem wir uns ein wenig mit der Menüsteuerung vertraut gemacht haben starten wir direkt das Tutorial um uns mit den Spielmechaniken vertraut zu machen.

Das Tutorial erweist sich als gute Möglichkeit um die Grundlagen des Spiels zu lernen. Wer schon Endless Space gespielt hat, sollte sich hier schneller zurecht finden, da Interface und Spielmechaniken sich sehr ähnlich sind. Ressourcen- und Militärverwaltung sind ebenfalls an Endless Space angelehnt, jedoch intuitiver als zuvor, was den Einstieg erleichtern sollte. Sich mit der Steuerung des Spiels vertraut zu machen ist eine Sache, jedoch sollte man auch bei dem Tutorial eine ordentliche Portion Aufmerksamkeit mitbringen. Die Masse Informationen, mit der man konfrontiert wird, ist derart gewaltig, dass mehrere Stunden vergehen bevor man sämtliche Aspekte des Spiels gesehen und verstanden hat.2014-09-26_00003 So ist es zum Beispiel wichtig seine Städte strategisch gut zu platzieren. In diesen sollte man dann die Einwohner den verschiedenen Ressourcenproduktionen zuordnen. Die grundlegenden Ressourcen werden im Englischen mit FIDSI – Food, Industry, Dust, Science, Influence abgekürzt wobei Dust der Währung im Spiel entspricht. Viele weitere Faktoren wie die Wahl der Gebäude und Distrikte spiele eine große Rolle

Das Tutorial alleine reicht nicht aus um sich komplett mit dem Spiel vertraut zu machen. Trotzdem sind in dem kurzem Tutorial zu viele Informationen verpackt, welche gar nicht in der kurzen Zeit aufgenommen und verarbeitet werden können. Hier wäre ein mehrteiliges Tutorial um die verschiedenen Aspekte des Spiels zu beleuchten angebracht gewesen. Neue Spieler sollten sich aber nicht abschrecken lassen. Learning by Doing sollte hier die Devise sein.

Asymmetrie ist schick

2014-09-24_00001Nach Beendigung des Tutorials steht man dann vor der Wahl zwischen Einzelspieler und Mehrspieler Modus. Eine Kampagne oder einzelne Szenarios gibt es leider (noch) nicht. Bei der groben Gestaltung von Auriga steht man im Menü vor vielen Reglern und Dropdown Menüs. Wie hoch soll der durchschnittliche Höhenunterschied sein? Sollen auf der Karte viele Ressourcen vorhanden sein oder kaum welche um den Start zu erschweren? Viel Auswahl bei dem Kartendesign sorgt hier für die nötige Abwechslung. Aber nicht nur bei der Gestaltung der Karte ist Abwechslung vorhanden.

Die einzelnen spielbaren Völker habe alle ihre eigene Hintergrundgeschichte und spielen sich dementsprechend nahezu komplett verschieden voneinander. So haben die ‚Broken Lords‘ keine Verwendung für Nahrung, da sie selbst nur noch Phantome in Rüstung sind, die sich von Dust ernähren.2014-10-03_00002 Necrophagen sind schlecht in der Produktion von Nahrung sammeln aber von den besiegten Gegnern die übrig gebliebene Biomasse und können diese als Nahrung für ihre Städte benutzen. Kultisten hingegen sind eingeschränkt in die Anzahl ihrer Städte. Ihnen ist es nicht erlaubt weitere Städte nach der ersten zu gründen. Jedes Volk spielt sich dementsprechend anders, was bei anderen rundenbasierten Strategiespielen kaum der Fall war. Jedes Volk hat zu beginn des Spiels sein eigenes Intro, welche die Geschichte des jeweiligen Volkes kurz erklärt. Die Attribute der Völker gehen aus dieser Hintergrundgeschichte hervor, was die gesamte Welt viel lebendiger wirken lässt, da sie die Spielweise jedes einzelnen Volkes beeinflussen. Wer Erfolg haben will spielt also seiner gewählten Rasse entsprechend, denn sonst könnten Vorteile verloren gehen oder Nachteile sich stärker auswirken.

2014-10-03_00007Der individuellen Spielweise sind hier jedoch noch keine Grenzen gesetzt. Der Spieler hat im Spiel noch die Möglichkeit in dem Technologiebaum Schwerpunkte zu setzen, die den Spielstil beeinflussen. Zusätzlich sorgen Haupt- und Nebenquests sowie ein nachvollziehbares Diplomatiesystem für weitere  Möglichkeiten den Spielstil zu beeinflussen. Außerdem können Helden rekrutiert werden, die sowohl in Städten als Statthalter eingesetzt werden als auch  die eignene Armeen kommandieren können. Helden können ebenfalls Skillpunkte durch Level Ups erhalten die zusätzlichen Fertigkeiten freischalten in drei verschiedenen Skillbäumen, welche sowohl als Statthalter als auch Kommandeur nützlich sind.

Der Winter naht

2014-09-26_00010Das Terrain und die Interaktionen mit diesem sind ebenfalls gut durchdacht. Höhenunterschiede zum Beispiel machen sich im Kampf deutlich bemerkbar. Bewegung durch Wälder und Berge dauern länger als über offenes Gelände oder Flachland. Das Kampfsystem ist derart gestrickt, so dass es das Gelände um den Schauplatz des Kampfes mit einbezieht. Die einzelnen Truppen der Armeen können auf der eigenen Hälfte des abgesteckten Gebietes frei platziert werden. Einmal im Kampf werden die Truppen rundenbasiert befehligt. Die Animationen im Kampf sind nicht besonders schön anzusehen aber glaubhaft und erfüllen ihren Zweck. Hier wurde wie im Hauptmenü auf einen eher schlichten Stil gesetzt, der ruhig etwas auffallender hätte sein können. Die Ansätze für die Schlachten sind zwar gut, aber an sich hat der Spieler leider kaum Einfluss auf die Kämpfe. Vielmehr werden Truppen platziert und dann rudimentär befehligt. Dies wurde von Amplitude zwar bewusst implementiert, hätte uns aber mit mehr Freiraum noch besser gefallen.

2014-10-03_00005Neben der Planung wie man denn nun die Umgebung mit in seine Truppenbewegung einbezieht sollte man unbedingt auf den Timer achten der sich in der unteren rechten Ecke des Bildschirms befindet. Hier hat sich eine weitere Spielmechanik versteckt. Jahreszeiten – an der Zahl zur Zeit zwei, nämlich Sommer und Winter. Während der Sommer keinerlei Nachteile mit sich bringt ist der Winter lang, kalt und hart. Die Bewegunggeschwindigkeit der Armeen ist stark eingeschränkt und die Produktion in den Städten leidet ebenfalls unter den harten Bedingungen des Winters . Wer hier nicht im Sommer für den Winter plant, findet sich mitten in einer Hungersnot wieder, denn niemand weiß wirklich genau wie lang denn nun Sommer ist oder der Winter in Auriga andauert. Nur eine grobe Anzahl von Zügen dient als Orientierung wann der Winter kommt und geht.

2014-10-03_00006Das Gründen und Verwalten von Städten ist ebenfalls ein Punkt, der uns sehr gefallen hat. Bei der Gründung einer Stadt wird das vorgegebene Gebiet, in dem die Stadt gegründet wurde annektiert. Die gesamte Region kann dann durch Änderung des Stadtnames umbenannt werden. Alle Ressourcen innerhalb der Region können mit Extraktoren und Minen versehen werden um die strategischen Ressourcen zu nutzen. Die Weltkarte stellt alle aufgedeckten Regionen samt ihrer Ressourcen übersichtlich dar. Der dynamische Übergang zwischen strategischer Ansicht und Spielansicht sorgt ebenfalls für einen flüssigen Spielablauf.

Die Kombination der verschiedenen Spielmechaniken sorgt für einen guten Mix aus Faktoren, die man zu beachten hat. Durch eben diese komplexen Vorgänge hat man bei jedem Zug ausreichend beschäftigung. Besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden oder gegen menschliche Mitspieler können Fehler für eine Katastrophe sorgen. Endless Legend ist ein Strategiespiel, bei dem ein Zug gut geplant und ausgeführt sein sollte. Hier punktet das Spiel mit seiner Komplexität.

Ladezeiten? Nein danke.

2014-09-26_00012Viele Fans von rundenbasierten Strategiespielen kennen das Problem. Je weiter ein Spiel voran schreitet desto größer werden die Ladezeiten zwischen den Zügen. Besonders Spiele wie Civilization V wurden anfangs von langen Ladenzeiten im Endgame geplagt. Die hohe Auslastung der Prozessoren zur Berechnung der Spielzüge der KI sorge für Ladezeiten von mehreren Minuten. Mittlerweile wurden viele Verbesserungen veröffentlicht, die für eine reduzierte Ladezeit sorgen. Überraschend war allerdings, dass Endless Legend in den ersten 200 Zügen kaum von diese Problemen geplagt wurde. Ganz im Gegenteil die Ladezeit zwischen den Zügen betrug über das ganze Spiel verteilt nur wenige Sekunden.

2014-10-03_00010Im weiteren Verlauf des Spiels häuften sich leider Abstürze und Bugs, die den Fortschritt verhinderten. Nichts, was andere Spiele nicht auch schon gesehen hätten, aber diese Fehler passierten gehäuft in späteren Phasen des Spiels, wenn die KI vermeintlich mehr zu tun hatte und mehr Prozessorleistung notwendig war. Leider scheint es ebenfalls noch Probleme mit der KI zu geben, die teils komplett ausfällt. Es werden zwar Städte gegründet um das Territorium auszuweiten jedoch fiel auf, dass teils keine Armeen vorhanden waren um besagte Städte zu verteidigen. Einige Benutzer klagten darüber, dass die KI erst nach einhundert Zügen anfängt zu spielen. Hier besteht definitiv noch Verbesserungsbedarf seitens Amplitude.

Trotz kleiner schwächen im Bereich der Technik überzeugt Endless Legend vor allem spielerisch auf ganzer Linie. Jede neu gestartete Runde spielt sich vollkommen anders. Man merkt, dass Amplitude sich bei der Entwicklung von Endless Legend Gedanken um das Grundkonzept des Spiels gemacht und nicht ein unfertiges Spiel veröffentlicht hat. Die einzelnen Aspekte von Endless Legend greifen hervorragend ineinander über um zusammen eine Welt zu erschaffen die lebendig wirkt. Die einzelnen Völker haben eine glaubhafte Motivation um die Vorherrschaft in Auriga zu erkämpfen. Der Soundtrack unterstreicht ebenfalls die tolle Atmosphäre, die Endless Legend seinen Spielern bietet. Es ist anfangs zwar nicht allzu leicht, jedoch lohnt es sich, denn Endless Legend ist ein richtiges Strategiespiel, welches zwar noch von kleinen Fehlern geplagt wird, die sich aber mit etwas Zeit beheben lassen werden. Der Branchenprimus Civilization, dessen nächster Teil, Beyond Earth, im Oktober dieses Jahres veröffentlicht wird darf sich schon einmal warm anziehen. Endless Legend ist bereits hier und es macht eine menge Spaß! Amplitude hat mit Endless Space schon gezeigt, dass sie rundenbasierte Strategiespiele entwickeln können, welche mit Age of Wonders oder Civilization mithalten können. Mit Endless Legend ist der Sprung von Weltraumstrategie zu Fantasy gut gelungen, während Civilization den Sprung in den Weltraum wagt. Ich bin zuversichtlich, dass Amplitude die diversen kleinen Mackenund Problemchen, welche noch vorhanden sind mithilfe der Community ausbessern wird. Als Fan von rundenbasierten Strategiespielen ist Endless Legend schon fast ein Pflichtkauf, aber auch für interessierte Spieler, die neu in dem Genre sind, ist Endless Legend auf jeden Fall einen Blick wert. Es lohnt sich.
Gameplay80
Visualisierung85
Story & Integration80
Genre-Wertung95
Feedback85
Postiv
Acht voneinander verschiedene Fraktionen
Hoher Wiederspielwert
Gewaltiger Umfang
Negativ
Gelegentliche Aussetzer der KI
Kampfsystem nicht sehr ausgeprägt
Sehr hohe Lernkurve
85

Über den Autor

Freund von gepflegten Strategie- und Rollenspielen sowie des sinnlosen klickens von Kreisen auf dem Bildschirm zu fernöstlichen Melodien.

Ähnliche Beiträge