The Vanishing of Ethan Carter, nun, das ist ein heikles Thema, denn was uns das Entwicklerstudio The Astronauts da vorsetzt ist toll und doof zugleich. Warum? Das erfahrt ihr in diesem Review.

Ganz ohne Vorurteile ging ich an das neue Spiel des polnischen Studios The Astronauts heran. Ein „Weird Fiction“-Horror Titel, der den Spieler in eine bedrückende Lage bringen soll. Nun, klingt im ersten Augenblick nach einem neuen Slender, ist es aber nur bedingt, denn vielmehr handelt es sich bei The Vanishing of Ethan Carter um einen Simulator, mit Gruselaspekten und, wie versprochen, einer bedrückenden Atmosphäre. Aber fangen wir ganz vorne an.

Prologue

TVoEC_ScreenShot_02Der Mittelpunkt des Spiels wird durch Protagonisten Paul Prospero gestellt, der sich anhand von übernatürlichen Fähigkeiten an einen Verbrechensfall herantastet. Dies geschieht, in dem er einen verlassenen Ort aufsucht und an diesem nach Anhaltspunkten eines Verbrechens sucht. Prospero erlebt dabei die Geschichte eines kleinen, idyllischen Dorfes, in der der Junge Ethan lebte.

Durch die übernatürlichen Fähigkeiten des angesehenen und erfahrenen Detectives, so beschreibt er sich jedenfalls selber, kann Prospero durch Gegenstände und Aktionen die Vergangenheit sehen und in dieser mit der Welt interagieren. Prospero rekonstruiert dabei die Verbrechen, indem er logisch Gegenstände und Situationen miteinander verknüpft. Als Spieler gilt es dann diese Szenen in die richtige Reihenfolge zu bringen um dann anhand von gesitlichen Erscheinungen das verbrechen aufzulösen. So führt uns Prospero über Waldgebiete, durch Täler, über einen Wasserfall, durch Höhlen- und Minenschächte bis hin zu einem kleinen Dorf samt Kirche und Friedhof.

TVoEC_ScreenShot_03Die Welt in der Prospero unterwegs ist ist keinesfalls linear. Alles ist offen, jedes Areal lässt sich gesondert betreten oder auch verlassen. Abgetrennt werden diese Bereiche lediglich durch etwas längere Wege oder Schienen-Trassen, die einzelne Sektionen erahnen lassen. An die Hand genommen werden wir dabei keinesfalls, denn The Vanishing of Ethan Carter wirft uns direkt ins kalte Wasser. Aber das erschreckt nicht, denn damit niemand sagen kann wir wären nicht vorgewarnt, ist die erste Schrift, die wir im Spiel lesen, die, dass uns nicht geholfen wird.

In unserem Fall haben wir den Horror Streifen, der eigentlich gar nicht gruselig ist, komplett mit dem Controller gespielt. Das Gefühl mit Maus und Tastatur durch die Welt von The Vanishing of Ethan Carter zu streifen ist unschön und hakend. Mit dem Controller könnte das Erlebniss allerdings nicht besser sein.

Was will Ethan denn von uns?

TVoEC_ScreenShot_04Aber kommen wir zurück auf Prospero und den eigentlichen Negativteil dieser Kritik. Die Geschichte hinter The Vanishing of Ethan Carter ist nicht nur unglaublich zäh, sondern noch viel langsamer als die Geschwindigkeit in der wir uns durch die Spielwelt bewegen. Interaktionen sind lediglich durch das aktivieren von Schriften möglich, die uns Dinge erklären, zum Beispiel indem wir Briefe von Ethan, oder seiner Familie lesen. Dabei werden wir regelmäßig in die reale Vergangenheit geworfen oder in die fiktive Fantasie des kleinen Jungen, in der wir die Geschichte um seine Familie und die des so gennanten „Schläfers“ lösen. Nicht nur, dass diese Fantasien teilweise so absurd und unpassend sind, vielmehr erzählen sich wichtige Aspekte der Story unglaublich schleppend und träge, was mitunter an herumwirbelnden Schlagworten hängt, die den Spieler auf wichtige Situationen hinweisen sollen.

The_Vanishing_of_Ethan_Carter_ChurchDie fiktiven Szenarios gehen dabei soweit, dass wir anhand Ethans Fantasie einem Astronauten treffen, in sein rundes Ufo steigen und damit im Weltall herumschwirren. Und das ist, neben den mehr als überpräsenten Geistergeschichten nicht das einzige Absurdum.

Aber ganz so schlecht wie das, was The Vanishing of Ethan Carter in manchen Erscheinungen so zeigt, ist es an vielen Stellen dann doch auch wieder nicht, denn neben umfangreichen Geschichtssträngen prägt sich die Qualität von The Vanishing of Ethan Carter in der Athmospäre wieder, die vorallem in den Situationen einer Lösung von Mordfällen präsent wirkt.

Bis ins Detail

TVoEC_ScreenShot_03Der Titel sieht, dank neuester unreal Engine, unglaublich toll aus und das bis ins letzte Detail. Jeder kleine Grashalm ist exzellent texturiert, jeder Stein wirkt per Hand platziert und ganz individuell. Dabei passt jeder Gegenstand, jedes Objekt und jede Bewegung zueinander, ohne Ausnahme. Die Inszenierung von The Vanishing of Ethan Carter ist grandios und schön zugleich. Durch die fantastisch untermalte Musik erhält diese lebendige Welt, neben gut situierten Soundeffekten, eine Atmosphäre, die ich bisher in wenig Horrospielen so stark erleben durfte. Nicht der eigentliche Horror, wie erschreckende Momente im Spiel, machen es gruselig. Es ist die Atmosphäre, die mich von beginn an verängstigt und meiner Fantasie vorspielt, dass in jedem Moment ein blutrünstiger Mörder vor mir stehen könnte und mir ein Messer an den Hals hält. Aber dann, kommt doch nur ein Astronaut und bringt mich Lichtjahre von der Erde fort.

EdgePhotogrammetryShot

Für Horrorfans ist The Vanishing of Ethan Carter zwar kein Muss, aber einen Blick wert. Vielmehr ist das polnische Spiel aber ein Erlebniss und kein eigentlicher Horror. Inszenierung, Aussehen, Sound, Steuerung, jedenfalls am Controller, und Idee stimmen. Lediglich die Geschichte mag mich noch nicht so mitreißen, wie ich es mir gewünscht habe. Aber vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich keine Geschichte erleben will, die nach jeder Zeile eine 10 Minuten Pause macht. Ein Laufsimulator ist die Geschichte um Ethan keinesfalls. Der Grusel- und Erlebnissfaktor ist jedenfalls gegeben, auch wenn Erschreck-Momente ehr selten sind und das Spiel durch Atmosphäre und Stimmung lebt, und vor allem das ist die große Stärke von The Vanishing of Ethan Carter. Für 18,99€ ist eine Spielzeit von rund 3 bis 4 Stunden aber nicht gerechtfertigt.
Gameplay90
Visualisierung100
Story & Integration60
Genre-Wertung70
Feedback100
Postiv
Exzellente Atmosphäre, Tolle Vertonung
Grandiose Grafik
Spannendes Spielgefühl
Negativ
Träge Geschichte
Viel zu kurz
84

Über den Autor

Profilbild von Pascal Grawinkel

2009 habe ich mit und für euch PlayCrits gegründet. Seither informieren wir über die Welt der modernen Videospiele. Von mir gibt's dabei die Portion Action, Online und Roleplay. Allerdings nur auf dem PC. Sorry, Masterrace.

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