Das wohl wichtigste Spiel des Jahres ist veröffentlicht, zumindest was den Hype hinter dem Spiel angeht. Ja, Destiny hat einen Hype und zwar keinen kleinen, das wirft dann natürlich die Frage auf, ob es den immensen Erwartungen gerecht wird. Schließlich steht Bungie (Halo) und Activison (Call of Duty) hinter dem Spiel, da kann man doch was erwarten. Oder etwa nicht?

„Halt die Fresse, du Idiot und stell keine Fragen!“ Was sind wir hier beim Mutliplayer von Call of Duty gelandet? Von wegen! Es handelt sich dabei um viele Bereiche bei Destiny und dieser Satz schwirrte mir gefühlt rund tausendmal im Kopf herum. Warum das so ist erfahrt ihr in unserem Test zu Destiny.

Halo als MMO? Her damit, oder?

Die Frage ist eigentlich was kann schon schiefgehen, wenn einer der wichtigsten Entwickler der Welt seine bekannte Formel nimmt und es auf ein MMO überträgt? Das Gameplay von Halo, mit den immensen Freiheiten eines MMOs. Das klingt einfach nur zu schön um wahr zu sein und leider ist es das auch, denn Destiny funktioniert nicht!

warlock-destiny-14824Bevor wir uns falsch verstehen. Ja, Destiny macht viel Spaß, woran das Gunplay schuld ist. Die Waffen fühlen sich einfach unfassbar gut an und es ist einfach eine wahre Freude diese vielen unterschiedlichen Waffen, von Impulsgewehren, zu Raketenwerfern über Scharfschützengewehren und Co. zu nehmen und einfach 20 Gegner damit umzunieten und dabei ist das Feedback der Waffen einfach ungemein befriedigend und fühlt sich sehr mächtig an, was auch an den Animationen der Gegner geschuldet ist und natürlich am Sound der Waffen, der im allgemeinen hervorragend bis grandios ist. Man merkt, dass Bungie Shootern das gewisse etwas geben kann und auch die Steuerung ist gut, ist aber auch kein Wunder. Immerhin ist es Bungie. Das Problem jedoch ist, sie sind absolut unfähig die Vorteile von MMOs mitzubringen. Es gibt kein Handelssystem mit anderen Spielern; Teamplay ist nicht nötig, da die Klassen sich nicht sonderlich stark unterscheiden, rein von der Spielweise; und das hoch angepriesene System der Events, wie man es aus Guild Wars 2 kennt, ist absolut unnötig und fühlt sich keineswegs lebendig oder dynamisch an, da diese absolut keine Folgen haben, sollten sie scheitern oder selbst beim Erfolg. Die Welten sind leer und es gibt nichts zu entdecken. Keine wirklichen Geheimnisse, keine richtigen versteckten Schätze oder Charaktere. Die Welt ist schlichtweg leer.

Klar macht Destiny mit Freunden Spaß, aber es macht eigentlich mehr Spaß sich mit seinen Freunden zu unterhalten. Das ist der eigentliche Spaß. Das Spiel geht eher nebenbei und den Spaß hätte man auch ganz gut ohne.

Leveldesign ist doch total unwichtig!

Doch leider kann eben nicht alles so überragend sein wie das Gameplay. Angefangen mit dem Leveldesign, denn das ist eine absolute Katastrophe! Im Allgemeinen sieht Destiny ja sehr schön aus. Die Texturen sind knackig, die Welten sehen umwerfend aus und sie wissen wie man das ein oder andere Panorama auf den Bildschirm zaubert, doch leider haben sie einiges absolut vergessen und eines davon ist ein gutes Leveldesign.

Stellt euch einfach mal vor, dass eure Frau zu euch sagt: „Schatz, geh mal zum nächsten Supermarkt und bring mir vier Äpfel.“ Ihr geht hin, kauft sie und geht wieder zurück. Dann fällt eurer Frau ein, dass sie noch eine Backmischung braucht. Also geht ihr wieder zurück zum Supermarkt, natürlich schon leicht genervt, weil eure Frau euch das nicht früher gesagt hat. Als ihr wieder zuhause seid, ruft ein Freund von dir an und will mit dir ein Fußballspiel anschauen, allerdings hat er keine Zeit noch Bier zukaufen. Frustriert stimmt ihr zu das Bier zukaufen. Demnach geht ihr also wieder zum Supermarkt, schließlich ist der Getränkemarkt gleich daneben.

Und genauso ist das Leveldesign von Destiny. Ihr geht immer wieder in dieselben Tunnel, Höhlen und Gebäude und holt irgendetwas raus. Wenn ihr fertig seid, gibt es eine erneute Mission die euch einfach wieder in die Höhle schickt, nur plötzlich geht eine Tür auf und zwar ganz am Ende der vorherigen Mission. Als lauft ihr durch dieselben Gebiete wieder und wieder und erschießt immer wieder dieselben Gegner. Abwechslung sieht anders aus und ist eine absolute Frechheit. Die Struktur der Mission ist sowohl bei den Hauptmissionen als auch bei den Nebenmissionen exakt gleich.

Laufen, schießen und holen … wer braucht da schon den Kontext?

warlock-armors-destiny-31991-1920x1200Da wir gerade beim Leveldesign sind, ist es ja nicht weit bis zum Missionsdesign und der Story. Wie sollte es auch anders ist beides, genau wie das Leveldesign, eine einzige Katastrophe.

Ich fasse die Story mal … ja, grob zusammen. Der Reisende, diese riesige Kugel, ist über der Erde gelandet. Es folgte ein Zeitalter des Wohlstandes und die Menschen konnten expandieren. Doch dann kam die böse Dunkelheit und das Licht des Reisenden erlosch. Das war es! Mehr gibt es da nicht. Ihr fragt euch jetzt wie das sein kann, schließlich gibt es so viele aufgebaute Mysterien und das Szenario ist doch cool. Stimmt das Szenario ist cool und hat unheimlich viel Potenzial, umso erschreckend ist, dass Bungie nichts daraus gemacht hat, denn sie vergeigen es bei allen Aspekten der Story. Die Handlung ist öde, was auch am Missionsdesign liegt. Geh da hin, wegen na ja, irgendwelche Aliens sind da halt, mach die kaputt und der Rest ist egal, denn wer braucht schon Erklärungen für irgendetwas. Wenn du fertig bist, mach das Ganze noch zwanzigmal bis Level 20 (das maximal Level). Abwechslung? Fehlanzeige.

Das schlimmste an der Story ist ja, dass nie etwas erklärt wird, z.B. warum bin ich nun ein Hüter (ein Kämpfer des Reisenden), wer bin ich, was sind das für Aliens, was ist der Reisende, was ist die Dunkelheit, warum sind die anderen Aliens überhaupt auf der Erde, Mond, Venus, Mars, wer ist diese Fremde (ein Charakter, zu denen komme ich noch später), wer ist diese Königin und ihr Bruder, wer ist dieser Sprecher des Reisenden, warum kämpfen die Gefallenen (ein Volk der Aliens) für die Königin (die überhaupt keine Gefallene ist), warum ist der Reisende überhaupt auf der Erde, wie ist das Leben in der letzten Stadt auf Erden, warum lag mein Charakter im nirgendwo … ach ja genau: „Halt die Fresse, du Idiot und stell keine Fragen!“

So ist das und zwar die ganze, Gott verdammte, Zeit über. Selbst nachdem ich die letzte Mission abgeschlossen hab, wurde keiner meiner Fragen geklärt und ich hab noch tausend mehr, die mir das Spiel niemals beantwortet hat. Fazit: Story ist absoluter Müll und das Missionsdesign kann sich gleich dahinter anstellen. Hinfahren, schießen, holen und tschüss. Selbst die Strikes (die Dungeons des Spiels) sind alte und bereits bekannte Gebiete, mit denselben Gegnern nur der Endboss ist anders. Boar, da hat man sich ja sehr viel Mühe gegeben.

Und wenn ich schon beim Kritisieren bin, dann können wir gleich zu den Charakteren kommen, die wir im Spiel treffen. Das wären genau sechs Stück, Händler ausgenommen. Die Fremde, der Sprecher des Reisenden, die Königin und ihr Bruder, man selbst und Geist (dein kleiner Roboterhelfer). Und jetzt stellt euch vor, dass diese alle genau einen Charakter haben. Genau gar keinen! Denn auch von denen erfährt man überhaupt nichts, bei einigen weiß ich nicht mal ob die überhaupt Verbündete von mir sind und mein Charakter selbst ist absolut langweilig und hat keinerlei Hintergrundgeschichte, genau wie der Rest dieses erbärmlichen Haufens! Peinlich, wenn man nach dem Master Chief und Cortana solche flachen und unspektakulären Charaktere hinklatscht.

Mass Effect und Star Wars lassen grüßen

Story, Charaktere, Leveldesign, Missionsdesign, all das ist Mist. Doch zumindest im punkto Technik kann Destiny überzeugen. Wie bereits erwähnt sieht Destiny verdammt gut aus und auch im Thema Artstyle weiß es zu überzeugen. Die Rüstungen, Waffen, die „Charaktere“ und die Welten haben einen hervorragenden futuristischen Anstrich, der jedoch immer ein wenig dreckig und geerdet wirkt. Allgemein erinnert der Style sehr an Mass Effect und an Star Wars. Doch auch der Soundtrack und der Sound der Waffen und Gegner erinnert an diese Universen. Der Soundtrack ist knackig und schön episch und in manchen Situationen spürt man wie dieser das Adrenalin durch seinen Körper pumpt. Genau so muss das sein.

Items gehören zu MMOs, aber nicht zu Destiny

bungie_destiny_game-2560x1440Neue Ausrüstung gehört zu jedem guten MMO. Ohne diese geht schließlich gar nichts und auch bei Destiny ist das der Fall. Allerdings aus anderen und vor allem falschen Gründen. Denn das Levelssystem funktioniert nicht. Hier wird dieses als Endcontent benutzt, denn um den Raid und alle noch kommenden (hochrangigen) Inhalte spielen zu können, braucht man Gegenstände mit Lichtpunkten. Die Lichtpunkte erhöhen euer Level. Hä? Hab ich vorher nicht gesagt, dass Level 20 das Maximum sei? Doch, aber mit diesen Items steigt man mit diesen noch weiter. Das Problem daran ist, dass man für diese entweder sehr viel Glück haben muss, damit ihr mal eine Art Legendäre Schriftrolle erhaltet, indem sich vielleicht ein Legendärer Gegenstand für euch befindet, oder ihr müsst farmen, farmen und farmen. Legendäre Ausrüstung könnt ihr auch beim Händler im Turm der Hüter kaufen, allerdings benötigen diese Marken, die ihr von den Strikes bekommt oder vom PVP. Jedoch bekommt man sehr wenige Marken und deshalb muss man sehr oft in die Strikes oder ins PVP. Da ist absolut keinerlei Abwechslung drin und zumindest die Strikes langweilen euch bereits nach dem dritten mal. Das PVP funktioniert zwar an sich, doch leider ist es dank der Super-Fähigkeiten der einzelnen Klassen absolut unbalanced, da man mit diesen einen anderen Spieler mit einem Schuss oder Schlag tötet und der andere keinerlei Chancen hat sich davor überhaupt zu währen.

Da muss Bungie wirklich was machen. Da es im PVP aber auch keine eigenen Hosts gibt, die diese Fähigkeiten bannen können, bleibt es unfair. Ohne diese wäre der PVP-Modus keine Revolution, aber er macht an sich Spaß. Die Karten sind zwar wenige, aber an sich gut durchdacht und auch die Modi sind okay, wobei keiner von denen wirklich neu ist. Deathmatch, Jeder gegen Jeden, CTF und Eroberung (bestimmte Punkte einnehmen). Alles Standard und schon mal gesehen, aber wie gesagt an sich spaßig und unterhaltsam.

Das Problem ist aber immer noch, damit ihr also Raids und spätere Missionen der DLCs oder vielleicht auch mal kostenlose Missionen erledigen könnt, müsst ihr nach dem Abschluss der Story farmen bis eure Hände bluten. Aber ach ja, hab ich vergessen: „Halt die Fresse, du Idiot und erwarte keinen besseren Content … oder überhaupt was!“

Destiny HD Desktop Background

Achtung Spoiler

Das schlimmste ist jedoch, dass die Story eigentlich mal sehr komplex war. Denn der Bruder der Königin sollte den Spieler eigentlich in der zweiten Mission begegnen und diesen bewusstlos schlagen, im Spiel trifft man ihn nur zwei Mal aber nie in dieser Situation. Der Bruder bringt uns dann auf den Mars, wo wir andere Hüter treffen. Diese kämpfen, genau wie der Bruder und die Fremde (die wirklich ein cooles Design hat), gegen den Reisenden, da dieser in Wirklichkeit die wahre Bedrohung ist. Der Sprecher des Reisenden verheimlicht diese Wahrheit mit Lügen über die Dunkelheit und der Reisende ist der wahre Grund für das bei nahende auslöschen der Menschheit. Dies sollte ursprünglich der große Twist sein, aber im Spiel geschieht all das überhaupt nicht. Gut möglich, dass das alles in späteren DLCs erzählt wird.

Allgemein wurden einige bereits fertige Dinge aus dem Spiel geschnitten. Das Handelssystem mit anderen Spielern, das begehen des Riffs, die Karten sollten größer sein, mehr Missionen und der Geist selbst, denn dieser sollte eigentlich sehr viel sarkastischer sein, als er es im Spiel ist. Im Spiel hat er öde Sätze und keine Spur von Sarkasmus oder Witz.

Destiny macht Spaß, hat einen fantastischen Artstyle der mich an Mass Effect erinnert, mit einer gelungenen Technik und einen sehr schönen Soundtrack, der die Epik von Star Wars mitbringt. Doch leider enden hier schon die positiven Dinge. Die Story, Charaktere, Missionen, Events, die Leere der Welt, das Leveldesign, Strikes, Balance im PVP, Endcontent, das ganze MMO-Zeug und das Itemsystem ist einfach furchtbar bis katastrophal und von Bungie erwartet man einfach mehr (von Activison nicht). Meinen Erwartungen wurde es also absolut nicht gerecht und diese waren nicht wegen dem Marketinghype so groß, sondern weil es Bungie ist und ich liebe Halo, aber das? Das ist eine Frechheit und zum Vollpreis solltet ihr euch das auf keinen Fall anschaffen. Solltet ihr einen Shooter suchen, den ihr mit euren Freunden spielen könnt, dann entscheidet euch für Borderlands oder Halo oder Titanfall, aber nicht für Destiny. Doch bei all der Kritik will ich noch einmal sagen, dass Destiny Spaß macht. Ich denke immer wieder einmal daran und freue mich es zuspielen, aber Bungie und Activision versauen diesen Spaß durch so viele andere Dinge, die ich nicht entschuldigen kann und werde, aber dennoch bin ich interessiert daran wie es mit Destiny weiter geht und werde immer mal wieder einen Blick in Destiny hineinwerfen … auch in die kommenden hundert DLCs.
Gameplay60
Visualisierung80
Story & Integration10
Genre-Wertung40
Feedback40
Postiv
Technisch super
Tolles Gunplay
Starke Atmosphäre und Soundkulisse
Negativ
Schreckliche Story, unterentwickelte Charaktere
Mieses Missions- und Leveldesign
Schlechte Balance, langweiliges Endgame
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