Banished ist eine Simulation von Luke Hodorowicz, welche sich schon kurze Zeit nach Release großer Beliebtheit erfreut. Warum Banished in vielerlei Hinsicht besser als das große Sim City ist erfahrt ihr in unserem Review.

Banished wurde von Shining Rock Software entwickelt und veröffentlicht. Der Gründer und alleiniger Mitarbeiter Luke Hodorowicz arbeitete zunächst 10 Jahre bei Vicious Cycle Software als Graphics Programmer wo er unter anderem Earth Defense Force : Insect Armageddon mitentwickelt hat. Anschließend beschloss Hodorowicz sich von seinem ersparten selbstständig zu machen. Dies führte zur 9 neunmonatigen Arbeit an einem Zombie Action-RPG, welches nie veröffentlicht wurde, da Hodorowicz sein Spiel nicht als Spaß machend empfand. Daraufhin entschloss er sich dazu ein Spiel zu entwickeln, was ihm persönlich Spaß machen würde. Er begann an der Simulation Banished zu arbeiten.

Aller Anfang ist schwer

Banished handelt von einer Gruppe ausgestoßener Familien, die um zu überleben ein neues Dorf gründen müssen. Wir starten Banished auf einer zufallsgenerierten Karte mit einem von drei Schwierigkeitsgraden und entweder im Flachland oder im Gebirge. Die Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich leider lediglich darin, welche Ressourcen uns Anfangs zur Verfügung stehen. Sobald die Karte generiert ist und das Spiel geladen wurde stehen wir auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad mit unserer handvoll Dorfbewohnern vor einer Scheune, welche ein wenig Nahrung sowie Kleidung und Werkzeuge beinhaltet. Was wir nun anstellen ist ganz uns überlassen.

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Anders als in diversen anderen Simulationen stehen uns in Banished von Anfang an alle Gebäude zur Verfügung. Es ist natürlich nicht sinnvoll als erstes eine Eisenmine oder einen Steinbruch zu bauen, denn unsere Dorfbewohner benötigen zunächst ein Dach über dem Kopf und eine geregelte Nahrungsquelle. Dazu empfiehlt es sich Anfangs das Spiel zu pausieren um sich erst mal einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Über das Menü stehen uns diverse Informationen über Ereignisse und Bevölkerung zur Verfügung, die wir bei Bedarf ein- und ausblenden können. Die Nahrung kann auf vielerlei Wegen beschafft werden. Neben einem Getreidefeld oder Obstgarten stehen uns noch die Methoden von Jäger und Sammler zur Verfügung. Wohnhäuser dürfen natürlich auch nicht fehlen, wobei diese möglichst nah an Arbeitsplätzen und der Scheune sein sollte, damit eine schnelle Rohstoffübergabe gewährleistet werden kann.

Ein Job, ein Haus, eine Familie

Die Lage der Gebäude ist entscheidend, da in Banished jede Person ihren eigenen Job und ihr eigenes Haus hat. Wenn der Holzfäller auf der anderen Seite des Dorfes wohnt und erst einmal den halben Tag durch die Landschaft wandern muss ist das für die Holzproduktion nicht zuträglich. Gleiches gilt auch für das Getreide, welches pünktlich am Ende des Sommers geerntet wird. Der Ertrag hängt unter anderem davon ab wie viel Zeit die Farmer in die Bearbeitung des Feldes investieren konnten. Bei nicht ausreichender Bearbeitung fällt die Ernte gering aus und im Winter kann es, bei nicht genügend Nahrung zu einer Hungersnot kommen, wobei viele Dorfbewohner sterben.

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Weder Holz noch Getreide sind die wichtigsten Ressourcen in Banished. Nein, die Dorfbewohner sind die wichtigsten und am meisten begrenzten Ressourcen. Wir weisen manuell den Dorfbewohnern Jobs zu, die sie dann ausführen bis wir ihnen einen anderen Befehl erteilen oder sie durch andere Umstände wie z.B. Hunger oder Altersschwäche sterben. Mit zu wenig Dorfbewohnern wird früher oder später die Infrastruktur des Dorfes zusammenbrechen. Obwohl Banished deutlich einfacher aufgebaut als zum Beispiel das viel verglichene Sim City steckt trotzdem mehr Strategie und Planung dahinter als bei anderen Simulationen. Dies deutet allerdings auch ein wenig auf die Schattenseiten von Banished hin. Dadurch, dass es zwischendurch nicht viel zu tun gibt, da man entweder darauf wartet, dass die Bauarbeiter ein Gebäude fertig stellen oder es gerade Winter ist und alle Dorfbewohner nur eingeschränkt arbeiten können, wirkt Banished teilweise etwas zähfließend. Im Verlaufe der nächsten Wochen wird vom Entwickler aber höchstwahrscheinlich ein Modkit veröffentlicht, wodurch Banished definitiv noch komplexer werden könnte.

Trotzdem oder gerade deswegen wirkt Banished authentisch. Es ist eine echte Simulation in der jede Person ihre Familie hat und ihrem Job nachgeht ohne spontan in ein anderes Haus einzuziehen, da dies gerade näher an der Arbeit liegt.

Starving Simulator 2014

2014-03-06_00007Sobald die Grundlagen wie Nahrung und Wohnraum gesichert sind widmen wir uns der Wirtschaft und Expansion. Neben Jagdhütte und Försterei ist es möglich mit reisenden Händlern zu handeln. Diese werden unserem Dorf einen Besuch abstatten, sobald wir einen Handelsposten errichtet haben. Dort werden unsere zum Tausch angebotenen Güter gelagert und bei Bedarf gegen andere Güter getauscht. In Banished gibt es kein Geld. Alle Gegenstände haben einen bestimmten Wert, welcher bei einem Tauschgeschäft ausgeglichen werden muss. Neben alltäglichen Gütern wie Beeren oder Holz bieten Händler aus fernen Ländern gelegentlich auch Dinge an, die wir nicht aus eigene Kraft produzieren können, da uns die Voraussetzungen fehlen. So ist es möglich über Händler an Nutztiere und Samen zu gelangen mit denen wir unser Angebot an Nahrungsmitteln erweitern können. Die Auswahl an Tieren beschränkt sich momentan auf Kühe, Hühner und Schafe. Durch geschickte Produktion von Rohstoffen können wir also Gegenstände erhalten, die für unser Dorf von großem Nutzen sein können.

Während der Handel zwar äußerst hilfreich sein kann so ist es Anfangs doch sehr schwer die erforderlichen Rohstoffe zu entbehren um erfolgreich zu handeln. Deswegen bietet es sich an zuerst einmal das Dorf auszubauen. Hier stehen uns wieder mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Dorfbewohner haben neben ihren Grundbedürfnissen noch eine Anzeige für Zufriedenheit und Gesundheit. Für die Zufriedenheit bietet es sich an eine Kirche zu errichten, da im Gegensatz zur Taverne keine zusätzlichen Rohstoffe, wie zum Beispiel Äpfel benötigt werden, welche durch den Handel getauscht werden können. Die Gesundheit der Dorfbewohner hängt sowohl davon ab wie viele verschiedene Nahrungsmittel die einzelnen Häuser zur Verfügung haben als auch ob Krankenhäuser und Feuerholz vorhanden sind. Wenn im Winter nicht genug Feuerholz vorhanden ist kann es vorkommen, dass die Gesundheit sinkt oder Dorfbewohner sogar erfrieren. Diese kleinen, nicht offensichtlichen Abhängigkeiten sorgen dafür, dass Banished realistisch wirkt, simpel bleibt und trotzdem strategische Alternativen bietet.

2014-03-06_00003Die Dorfbewohner benötigen neben Werkzeugen um ihrer Arbeit nachzugehen, natürlich noch Kleidung um im Winter bei eben dieser nicht zu erfrieren. Hier kann neben einer Jagdhütte, die Leder als produziert auch wieder der Handel ins Spiel kommen. Denn es wäre natürlich besser für unsere frierenden Arbeiter, wenn sie einen Wollmantel hätten? Dazu benötigt der Schneider Wolle von Schafen, welche über den Handelsposten angekauft werden können. Steine, Eisen und Holz sind begrenzte Rohstoffe, die von sich aus nicht wieder auftauchen. Bäume können neu gepflanzt werden, aber sobald Eisen und Stein auf der Oberfläche nicht mehr vorhanden sind, müssen Minen gebaut werden um neue Werkzeuge und Gebäude bauen zu können.

Jetzt stellt sich die Frage welche Rohstoffe alle diese Gebäude benötigen, damit sie funktionieren. Richtig jedes Gebäude braucht ihm zugewiesene Dorfbewohner, welche dann diesen Beruf ausführen. Deswegen sind Dorfbewohner die wichtigste Ressource. Es können sämtliche Typen von Gebäuden vorhanden sein, aber ohne Arbeiter funktioniert keines dieser. Banished beruht auf einer einfachen Grundlage, welche auf allem anderen aufbaut. Dadurch ist es wichtig nicht nur seine Rohstoffe im Auge zu behalten sondern auch ein balanciertes Wachstum zu gewährleisten, sodass immer gleich viele oder mehr Arbeiter zur Verfügung stehen, sobald einige von ihnen ums Leben kommen. Die Schwierigkeit besteht darin diese Balance zwischen Wachstum und gewährleisteter Versorgung der Dorfbewohner zu halten um in der Zukunft weder mit zu wenig Nahrung noch mit zu wenig Arbeitern planen zu müssen.

Atmosphäre und Technik

2014-03-06_00005Grafisch bietet Banished dem verwöhnten PC Spieler eher wenig außergewöhnliches. Die Modelle für Häuser und Umwelt sind schlicht gehalten und erfüllen ihren Zweck. Die Animationen für Interaktionen der Dorfbewohner mit ihrer Umwelt sind spärlich und wiederholen sich teils für unterschiedliche Aktionen. Diese Schlichtheit ist aber nicht unpassend, da die Landschaften und Gebäude glaubwürdig wirken. Liebevolle Details sorgen für eine stimmige Abrundung der visuellen Präsentation. Die Musik unterstreicht diese mit schönen Klängen und stimmungsvoller Musik, die aber zwischendurch etwas in den Hintergrund gerät. Die Wettereffekte und Geräusche sorgen zudem für einen durchweg positiven Gesamteindruck.

Die KI ist definitiv verbesserungswürdig, wobei wir bis jetzt bei unserem Test keine Totalausfälle verbuchen konnten. Die meisten Fehler sind kosmetischer Natur in der Wegfindung. So passiert es, dass Dorfbewohner durch Zäune oder Wände gehen oder, dass Gebäude etwas länger brauchen, bis sie errichtet wurde, da Umwege gegangen werden. Dies ist jedoch nichts, was sich nicht beheben lässt, denn spätestens mit Veröffentlichung des Modkits werden zahlreiche Modder sich auf Banished stürzen und das Spiel noch ein wenig aufpolieren und erweitern.

Banished ist auf der Website von Shining Rock Software oder auf Steam für 19,99$ erhältlich.

Maxis bitte nehmt euch ein Beispiel an Banished. Ich war selten so enttäuscht von einem Spiel wie von Sim City und trotzdem bin ich dafür dankbar, dass es mich auf Banished gebracht hat. Auf die Erwartungen an Sim City folgte schnell die Ernüchterung angesichts der falschen Versprechungen. Sim City war nichts weiter als schön verpackter Müll. Mehr als gut aussehen konnte es nicht. Genau deswegen machte ich mich vor gut einem Jahr auf die Suche nach einer echten Alternative und stieß auf die Simulation Banished von Shining Rock Software. Ich war begeistert von der Idee und habe seitdem den Entwicklerblog von Luke Hodorowicz verfolgt und gespannt auf den Release gewartet. Auch in seiner Schlichtheit ist Banished das was Sim City nie war und sein wird eine authentische Simulation, in der man nachvollziehen kann welche Schritte wann und wie vollzogen werden. Ein nur 250 MB großes Spiel von einer einzigen Person übertrifft Sim City bei weitem. Wie kann das sein? Luke Hodorowicz scheint sich auf das wesentliche konzentriert zu haben, während Maxis lieber die Glasbox-Engine kreiert hat und die Simulation zur Nebensache wurde. Alles in allem hat Luke Hodorowicz bessere Arbeit geleistet als Maxis. Wer also von Sim City enttäuscht war und seitdem auf der Suche nach einer schönen Simulation ist sollte bei Banished unbedingt zugreifen !
Gameplay70
Visualisierung80
Story & Integration65
Genre-Wertung90
Feedback75
Positiv
Glaubhafte Simulation
Nachvollziehbare Aktionen der KI
Liebevoll gestaltete Gebäude und Umwelt
Negativ
Etwas wenig Inhalt
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Über den Autor

Profilbild von Danny Heinrich

Freund von gepflegten Strategie- und Rollenspielen sowie des sinnlosen klickens von Kreisen auf dem Bildschirm zu fernöstlichen Melodien.

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